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24.07.2014

20:44 Uhr

Ban verurteil Angriff

Israel beschießt UN-Schule

Nachdem bereits palästinensische Raketen in zwei leerstehenden Schulgebäuden gefunden worden waren, trafen israelische Panzergranaten wohl eine UN-Schule in der sich Flüchtlinge aufhielten. Sieben Menschen starben.

Eine UN-Schule in die sich hunderte Menschen geflüchtet hatten, ist unter israelischen Beschuss geraten. ap

Eine UN-Schule in die sich hunderte Menschen geflüchtet hatten, ist unter israelischen Beschuss geraten.

GazaIsraelische Panzergranaten haben am Donnerstag nach palästinensischen Angaben eine UN-Schule im Gazastreifen getroffen und mindestens sieben Menschen in den Tod gerissen. Auf dem Gelände der Schule in Beit Hanun seien mindestens 150 Menschen von dem Beschuss verletzt worden, sagte der palästinensische Gesundheitsbeamte Aschraf al-Kidra. Hunderte von Menschen hätten dort Schutz vor den schweren Kämpfen in dem Gebiet gesucht. Der Palästinensische Rote Halbmond bestätigte die Angaben über sieben Tote.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den israelischen Angriff scharf verurteilt. Er sei entrüstet, sagte Ban in New York. Unter den Opfern seien Kinder, Frauen und UN-Mitarbeiter. Die genauen Umstände des Vorfalls seien noch unklar. Ban sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und rief beide Seiten in dem Konflikt erneut zu einer sofortigen Waffenruhe und dem besseren Schutz von Zivilisten auf.

Fragen und Antworten zum Gaza-Konflikt

Worum geht es der Hamas?

Die radikalislamische Hamas-Bewegung kämpft um ihr Überleben. Im Westjordanland wurde sie in den vergangenen Wochen durch Massenverhaftungen und Beschlagnahmungen fast zerschlagen, im Gazastreifen ist sie nach dem Machtwechsel in Ägypten isoliert und finanziell liegt sie am Boden - "sie hat nichts mehr zu verlieren", sagt Muchaimer Abu Saada, Politikprofessor an der Al-Aksa-Universität in Gaza. Deshalb sucht die Hamas die Unterstützung der breiten palästinensischen Bevölkerung durch schnelle Erfolge - sei es die Aufhebung der Gaza-Blockade, sei es durch einen spektakulären Angriff auf israelische Ziele. Deshalb weitete sie diese Woche Ziele und Zahl ihrer Raketenangriffe aus und startete Kommandoaktionen mit Tauchern und durch Geheimtunnel.

Was will Israel erreichen?

„Am Ende darf die Hamas keine Mittel mehr besitzen, um Raketen zu fabrizieren“, sagt Gilad Erdan, Angehöriger des Sicherheitskabinetts und in der Regierung für das Ressort Umwelt zuständig. Anders als bei der Eskalation im November 2012 will sich Israel diesmal nicht mit einer Feuerpause zufriedengeben. Die Regierung stimmt die Bevölkerung deshalb auf einen längeren Waffengang und mögliche eigene Verluste ein.

Entsendet Israel Bodentruppen nach Gaza?

Zwei unterschiedliche Bodeneinsätze werden diskutiert: Eine langanhaltende Invasion hätte zum Ziel, wie im Westjordanland alle Strukturen der Hamas zu zerschlagen. Kürzer könnte ein Einmarsch verlaufen, der sich auf die nachhaltige Schwächung der bewaffneten Gruppierungen in dem Küstengebiet konzentriert. "Die Hamas rechnet nur mit einer begrenzten Bodenoffensive Israels, da eine Wiederbesetzung des Gazastreifens praktisch unmöglich ist", sagt Abu Saada. Gegenwärtig bringt Israel 30.000 Soldaten in Stellung und rüstet sie aus. Kommt es zu tödlichen Angriffen in Israel, würde dies den Invasionsbefehl beschleunigen.

Wie lang kann die Hamas ihr Drohpotenzial aufrecht erhalten?

Israelische Militärexperten schätzen die Feuerkraft der Hamas auf rund 10.000 Raketen sehr unterschiedlicher Reichweite - wobei sie in den vergangenen Tagen damit überraschte, dass ihre Projektile Ziele in 160 Kilometern Entfernung im Norden Israels erreichten. Die mehrere hundert Raketen größerer Reichweite in ihrem Besitz wird die Hamas aber nur sehr kalkuliert einsetzen, erwarten die Experten. Amos Gilad, Strategieberater im Verteidigungsministerium, sagt, es sei sehr unwahrscheinlich, dass die libanesische Hisbollah der Hamas durch gleichzeitigen Raketenbeschuss aus dem Südlibanon zu Hilfe kommt.

Wie kann das Ausland helfen?

Alle schauen hier zuerst nach Ägypten, das Beziehungen zu Israel und zu den Palästinensern unterhält und 2012 erfolgreich tätig wurde. „Eine Vermittlungsinitiative im eigentlichen Sinne gibt es derzeit nicht“, sagt dazu Badr Abdel Lati, Sprecher des Außenministeriums in Kairo. Entsprechende Kontakte hätten „zu keinem Ergebnis geführt“. Da die aktuelle ägyptische Regierung die Hamas als feindliche Organisation einstuft, ist sie zudem kaum bereit, deren Bedingungen für einen Waffenstillstand gegenüber Israel nachdrücklich zu vertreten. Professor Abu Saada rechnet deshalb damit, dass die Islamisten das Emirat Katar oder die Türkei als Vermittler anrufen könnten.

In der Schule in Beit Hanun im Norden des Gazastreifens hatten dem UN-Generalsekretär zufolge viele Zivilisten Schutz gesucht. Insgesamt hielten sich derzeit mehr als 100.000 Einwohner Gazas in UN-Einrichtungen auf, um sich vor israelischen Angriffen in Sicherheit zu bringen.

Es handelt sich damit um den vierten Zwischenfall seit Beginn der israelischen Offensive im Gazastreifen, bei dem eine UN-Einrichtung in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Hilfswerk der Vereinten Nation für Palästina-Flüchtlinge hatte mitgeteilt, es habe Raketen militanter Palästinenser in zwei leerstehenden Schulen gefunden.

Von

ap

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