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27.06.2015

14:57 Uhr

Banken in Griechenland

Die Tweets, die aus der Schlange kamen

VonMartin Dowideit

Die Nachricht über das geplante Referendum in Griechenland hat im Land Sorge ausgelöst – vor allem über die Zukunftsfähigkeit der Banken. Im ganzen Land bilden sich Schlangen vor Geldautomaten.

An vielen Geldautomaten in Athen gibt es kein Bargeld mehr. Reuters

Abheben kaum möglich

An vielen Geldautomaten in Athen gibt es kein Bargeld mehr.

Athen„Ein ganz normaler Samstagmorgen“, twittert @Iliopoukost am Samstag aus Athen. Völlig ironisch ist der Satz gemeint, denn das Foto, dass die Kurzmeldung begleitet, zeigt eine lange Schlange vor einem Geldautomaten der griechischen Eurobank.

In sozialen Netzwerken verbreiten sich seit der Ankündigung des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras in der Nacht auf Samstag, ein Referendum über den Finanzierungsvorschlag der internationalen Gläubiger abzuhalten, viele solcher Bilder. Marianna Karezi, ihrem Facebook-Profil zufolge DJ in Thessaloniki, verbreitet schon kurz nach Mitternacht einen Schnappschuss von einer Straßenszene. Vor einer Filiale der National Bank of Greece hat sich eine lange Schlange gebildet, kurz nachdem Tsipras das Referendum in einer Fernsehansprache angekündigt hat.

Die Bilder zeigen: Die Sorge vieler Griechen ist, dass das für Sonntag, 5. Juli, vorgesehen Referendum mit einem "Nein" endet und das Land in die Pleite rutscht und aus dem Euro ausscheidet. Die bereits heftig angeschlagenen Banken könnten dann endgültig vor dem Aus stehen, derzeit hängt ihre Existenz von ELA-Nothilfen ab.

Diese Mittel gewährt die griechische Notenbank, doch die Milliarden müssen stets von der Europäischen Zentralbank abgenickt werden. Und der Unmut bei den Mitgliedszentralbanken der Frankfurter Institution ist sowieso schon gewachsen - und könnte sich durch das Referendum weiter steigen. Viele Griechen sezten daher auf Bares, statt auf Buchgeld auf den Konten der Banken.

Für die Institute ist das ein riesiges Problem, in den vergangenen Wochen waren die Einlagen bereits heftig gesunken. Die Fotos alleine lassen zwar keinen Schluss zu, wie sehr sich die Lage am Wochenende verschlimmert. Doch beruhigen können sie die Verantwortlichen bei der griechischen Zentralbank auch nicht.

Im griechischen Parlamentsgebäude ist der Geldautomat bereits leergeräumt, meldet Spiegel Online. Auch der Chef-Reporter der Bild-Zeitung, Paul Ronzheimer,verbreitet Fotos von Warteschlangen in griechischen Banken.

Die kleinere griechische Regierungspartei rief die Bevölkerung angesichts der Entwicklung zur Ruhe auf. Die Bürger sollten sich nicht einschüchtern lassen, sagte der Chef der rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen, Panos Kammenos, im griechischen Fernsehen. Das Land werde sich nicht erpressen lassen. "Die Banken werden nicht schließen", betonte Kammenos, der zugleich auch Verteidigungsminister ist. Seinen Worten zufolge wird es an den Automaten weiter Geld geben.

@Iliopoukost meldet sich auf Nachfrage nochmal aus der Schlange am Athener Geldautomaten. Die Stimmung sei gelassen, kein Panik - eher Neugier herrsche. Und fügt resignierend hinzu: Seit Tsipras gewählt wurde, wussten wir, dass dieser Tag kommen würde.

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