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07.02.2015

15:16 Uhr

Banken-Stresstest

Italiens Notenbanker setzen auf Staatshilfen

Die italienische Notenbank hat sich für staatliche Hilfen für die heimische Finanzbranche ausgesprochen. Denkbar seien steuerliche Erleichterungen oder staatliche Garantien für mit faulen Krediten abgesicherte Papiere.

Beim jüngsten Stresstest der Europäischen Zentralbank hatten Italiens Banken am schlechtesten abgeschnitten. Geldinstitute wie Monte Paschi und Carige müssen noch immer große Kapitallöcher stopfen. dpa

Großbank Monte dei Paschi di Siena

Beim jüngsten Stresstest der Europäischen Zentralbank hatten Italiens Banken am schlechtesten abgeschnitten. Geldinstitute wie Monte Paschi und Carige müssen noch immer große Kapitallöcher stopfen.

MailandDie italienische Notenbank hat direkte staatliche Unterstützung der heimischen Finanzbranche beim Abbau fauler Kredite ins Gespräch gebracht. Die Geldhäuser müssten Problemkredite verkaufen, um Mittel zur Finanzierung der Realwirtschaft aufbringen zu können, sagte Zentralbankchef Ignazio Visco am Samstag auf einer Konferenz in Mailand.

Der Staat könne ihnen dabei unter Berücksichtigung der EU-Regeln direkt unter die Arme greifen. So seien Steuererleichterungen oder staatliche Garantien für mit faulen Krediten abgesicherte Wertpapiere denkbar. Die italienischen Geldhäuser ächzen unter Problemkrediten von insgesamt mehr als 180 Milliarden Euro.

Die wichtigsten Fragen zum Stresstest

Wer wurde geprüft?

Die EZB veröffentlicht am Sonntag die Prüfungsergebnisse von 130 Banken, darunter 127 aus der Eurozone sowie drei aus Litauen, das im Januar der Eurozone beitritt. Den größten Block stellen die insgesamt 25 deutschen Institute. Die geprüften Banken stehen für rund 82 Prozent aller Banken-Vermögenswerte der Eurozone. 

Warum hat die EZB die Banken geprüft?

Am 4. November übernimmt die Europäische Zentralbank (EZB) die direkte Aufsicht über die 120 wichtigsten und größten Banken der Eurozone, darunter 21 aus Deutschland. Sie will die Institute besenrein und ohne Altlasten übernehmen, daher der umfassende Gesundheitscheck. Ein weiterer Grund: Das Misstrauen der Investoren gegenüber den Banken und auch das Misstrauen der Banken untereinander sind groß. Die penible Überprüfung soll neues Vertrauen schaffen.  

Wie wurden die Banken geprüft?

Mehr als 6000 Wirtschaftsprüfer und Aufseher durchkämmten in Europa die Bücher der Banken, sie schauten sich mehr als 120 000 Kreditakten im Wert von 1,6 Billionen Euro an. Die einjährige Prüfung bestand aus drei Stufen: Zunächst prüfte die Notenbank, wo die Hauptrisiken bei den Banken liegen.  Für jede Bank wurden individuell die Portfolien herausgepickt, die für die Bank besonders kritisch werden könnten. Daran schloss sich eine strenge Bilanzprüfung an, die so genannte Asset Quality Review. Das ist ein Novum.  Erst auf dieser Basis setzt der eigentliche Stresstest auf, der von der Europäischen Bankenaufsicht EBA konzipiert wurde. Dazu wurden die Bilanzen auf dem Stand vom 31. Dezember 2013 eingefroren.  

Wie sah der Stresstests aus?

Zwei Szenarien wurden dabei abgeprüft: Im so genannten Baseline Szenario wurde geprüft, wie sich die Bankbilanzen entwickeln, wenn sich die Wirtschaft in den nächsten drei Jahren so entwickeln, wie das die EU vor einem Jahr prognostiziert hat. Dieses Konjunkturszenario ist nach heutigem Stand aber zu optimistisch. Im harten Szenario wurde geprüft, wie sich die Banken schlagen, wenn es einen mehrjährigen Konjunktureinbruch gibt, die Zinsen steigen, sich die Kreditwürdigkeit der Staaten verschlechtert und die Banken ihre Bilanzen nicht verbessern. Um zu bestehen, müssen die Banken im Basis-Szenario eine Kapitalquote von acht Prozent halten und im harten Szenario 5,5 Prozent.  

Was geschieht, wenn eine Bank Kapitallücken aufweist?

Die Banken müssen der EZB innerhalb von zwei Wochen einen Kapitalplan einreichen. Darin müssen sie plausibel darlegen, wie sie die Lücken schließen wollen. Entweder haben sie in den vergangenen Monaten vorgesorgt und ihre Kapitaldecke rechtzeitig und ausreichend gestärkt, etwa durch eine Kapitalerhöhung. Oder sie müssen das nun nachholen. Sie haben sechs Monate Zeit, um Lücken aus dem Basis-Szenario zu schließen, und neun Monate, wenn es Probleme beim harten Szenario gab.

Was geschieht, wenn eine Bank ihre Lücken nicht schließen kann?

Die Banken sollen in erster Linie ihre Lücken mit privatem Kapital schließen. Wenn das nicht gelingt, sind in letzter Instanz auch die Steuerzahler der Heimatländer gefragt. In dem Fall würden aber sicherlich zunächst die Eigentümer und die nachrangigen Gläubiger einer Bank zur Kasse gebeten. Und auch die betroffenen Banken müssten in dem Fall mit harten Auflagen rechnen. Die EZB kann auch die Abwicklung eines Instituts vorschlagen. 

Beim jüngsten Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) hatten Italiens Banken am schlechtesten abgeschnitten. Geldinstitute wie Monte Paschi und Carige müssen noch immer große Kapitallöcher stopfen. Das verlangt die EZB, die seit November die größten Geschäftsbanken der Euro-Zone überwacht.

Italiens Zentralbankchef Visco, der im EZB-Rat sitzt, forderte von den Instituten seines Landes mehr Effizienz auch durch eine Konsolidierung der Branche: „Es gibt Raum für Fusionen und Übernahmen, um Konzernstrukturen zu straffen und Arbeitsabläufe zu modernisieren”, sagte Visco.

Von

rtr

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