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27.07.2012

09:37 Uhr

Bankeneinschätzung

Spanien und Italien schaffen es nicht alleine

Italien und Spanien kämpfen einen verzweifelten Kampf gegen die Schuldenkrise. Für das Bankhaus Nomura steht fest: Beide Länder werden diesen Kampf verlieren - und externe Hilfe benötigen. Mit allen Konsequenzen.

Eine spanische Ein-Euro-Münze liegt auf einer Landkarte von Spanien. Das Land steckt tief in der Euro-Krise. Die Aussichten sind alles andere als rosig. dpa

Eine spanische Ein-Euro-Münze liegt auf einer Landkarte von Spanien. Das Land steckt tief in der Euro-Krise. Die Aussichten sind alles andere als rosig.

Eine Stabilisierung aus eigener Kraft ist für Italien und auch für Spanien “inzwischen keine Option mehr”. Das haben die Strategen Jacques Cailloux und Lefteris Farmakis von Nomura Holdings Inc. am Donnerstag in einer Kundennotiz erklärt. Vor diesem Hintergrund erwarten sie, dass die beiden Länder “binnen Wochen” externe Hilfe beantragen werden.

Derzeit sei es am wahrscheinlichsten, dass zunächst Kreditlinien eingeräumt werden. Möglich sei aber auch, dass Staatsanleihen am Sekundär- Markt aufgekauft werden. Die Strategen glauben nicht, dass der Euro-Rettungsschirm ESM in seiner jetzigen Form die Peripherie der Eurozone stabilisieren kann. Die Analysten rechnen zudem damit, dass die Spannung am Markt “signifikant eskalieren” wird - und zwar nachdem bekannt wird, wie die Entscheidungsträger der Eurozone auf die Probleme in Spanien und Italien reagieren wollen.

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Die Renditen der zwei-, fünf-, zehn- und 30-jährigen spanischen Anleihen sind in dieser Woche auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro gestiegen. Am Markt machten Spekulationen die Runde, das Land benötige ein Rettungspaket um seine Banken und Regionen zu stützen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat inzwischen die Europäische Zentralbank (EZB) aufgefordert, spanische Anleihen zu kaufen. Investoren sehen die Währungspolitiker als handlungsunfähig an für die Rettung eines Landes, dessen Wirtschaft doppelt so groß ist wie die von Griechenland, Irland und Portugal zusammengenommen.

“Die Krise ist beispiellos, daher müssen die Reaktionen beispiellos sein”, sagt Arif Husain, Direktor Festverzinsliche bei AllianceBernstein Ltd. in London. “Alle Maßnahmen, die die EZB ergreifen kann, würden sich als vorübergehend erweisen. Das Problem liegt darin, dass alles, was derzeit passiert, nicht überzeugend ist, und die Märkte hassen Unsicherheit.”

Am Mittwoch stieg die Rendite zehnjähriger Spanien-Bonds bis auf 7,751 Prozent. Die Kosten für eine Absicherung spanischer Anleihen gegen einen Zahlungsausfall erreichten zeitweise das höchste jemals verzeichnete Niveau.

“Ich denke nicht, dass ein Rettungsprogramm die Lösung ist”, erklärt Ralf Ahrens, Leiter Festverzinsliche beim Fondsanbieter Frankfurt Trust. “Die spanische Regierung muss die Märkte überzeugen, dass sie die wirtschaftlichen Probleme in den Griff bekommt. Es ist schwer zu sehen, was die EZB tun könnte, weil es ein Solvenz-Problem und kein Liquiditätsproblem ist. Durch Gelddrucken wird es nicht gelöst.”

Wer in Karlsruhe gegen den Rettungsschirm klagt

Die Bürger

Rund 12 000 Bürger haben sich einer Verfassungsbeschwerde des Vereins „Mehr Demokratie“ angeschlossen. Die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) und der Leipziger Staatsrechtler Christoph Degenhart vertreten die Klage vor Gericht. Diese Klage wird auch vom Bund der Steuerzahler unterstützt.

Die Linken

Die Abgeordneten der Linksfraktion im Bundestag haben eine gemeinsame Beschwerde eingereicht. Außerdem klagt die Fraktion als Ganze wegen Verletzung der Fraktionsrechte.

Peter Gauweiler

Der CSU-Politiker Peter Gauweiler hat zwei Klagen eingereicht, die von dem Freiburger Staatsrechtler Dietrich Murswiek vertreten werden.

Karl Albrecht Schachtschneider

Eine Gruppe von Klägern um den Nürnberger Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider hat eine Verfassungsbeschwerde und einen Eilantrag eingereicht. Auch die Freien Wähler haben sich dieser Klage angeschlossen.

Sonstige

Darüber hinaus liegen in Karlsruhe weitere Beschwerden vor, die aber nicht Gegenstand der mündlichen Verhandlung am 10. Juli sind.

Wie richtig Nomura mit seiner Einschätzung liegen könnte, zeigt die Analyse eines Fonds-Managers. Demnach müssten die Renditen spanischer Anleihen um 400 Basispunkte sinken, damit das Land zahlungsfähig bleibt. Diese Einschätzung vertritt Bill Gross. Er managt den weltweit größten Bonds-Fonds bei Pacific Investment Management Co. (Pimco). Am Donnerstag war die Rendite zahnjähriger spanischer Bonds um 46 Basispunkte gesunken - auf 6,83 Prozent. Zuvor hatte Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), gesagt, sein Haus werde alles tun, um den Euro zu sichern. “Wie dem auch sei”, schrieb Gross auf seiner Twitter-Seite am Donnerstag. “Sie brauchen 400 Basispunkte oder mehr, um auf lange Sicht solvent zu bleiben.”

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg belaufen sich Bonds-Tilgung und fällige Kredite auf rund 732 Milliarden Euro, hinzu kommen Zinsen von etwa 207 Milliarden Euro. In der Summe ergibt dies knapp 940 Milliarden Euro.

Kommentare (84)

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Edelzwicker

27.07.2012, 07:18 Uhr

Spanien und Italien schaffen es nicht alleine
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Und Deutschland schafft es nicht, beiden Ländern zu helfen. Rien ne va plus! Auflösen den Euro-Raum und einen Nord- und einen Südeuro etablieren. Dann können die Südländer Euros backen bis dass der Arzt kommt!

Account gelöscht!

27.07.2012, 07:28 Uhr

Mal sehen, was sich die EU Versager diesmal einfallen lassen um sich Ihre Pensionen zu retten. Vor einem Jahr wure noch geplerrt, die Rettungsschirme sind zu klein für ein Italien ODER! Spanien. Wie mich diese Rumlügerei ankotzt.

Account gelöscht!

27.07.2012, 07:39 Uhr

Ach, und wie möchten die Japanischen Banken das schaffen?
*staun*

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