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08.10.2011

16:30 Uhr

Bankenkrise

Deutsche Politiker drängen auf Rekapitalisierung

Die Überlegungen zur Rekapitalisierung gefährdeter Banken werden immer konkreter. Die CSU und FDP-Chef Rösler unterstützen Merkels Kurs, für KfW-Chef Schröder ist die jetzige Krise gar schlimmer als die Lehman-Pleite.

Dunkle Regenwolken hängen über der Skyline von Frankfurt am Main. dpa

Dunkle Regenwolken hängen über der Skyline von Frankfurt am Main.

BerlinDeutsche Politiker drängen immer stärker auf eine Rekapitalisierung aller Banken in der Euro-Zone. „Um die Unsicherheit zu beenden, brauchen wir ein klares Signal, dass alle Banken künftig die gleiche Kapitalstärke haben“, sagte der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Michael Meister der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag. „Nötig ist eine Regelung für die ganze Euro-Zone, damit diese im Gleichschritt marschiert.“

Auch der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß betonte, Vorgaben zur Aufstockung des Eigenkapitals müssten für alle Banken in der Euro-Zone gelten. „Es ist höchste Eisenbahn, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in der zentralen Frage der Banken-Rekapitalisierung einigen“, sagte Poß zu Reuters. Merkel und Sarkozy wollen über diese Frage am Sonntagabend bei einem Treffen in Berlin beraten.

Welche Großbanken im Visier der Ratingagenturen sind

Italien

Standard & Poor's hat am Mittwoch den 21. September die langfristige Kreditwürdigkeit von sieben italienischen Instituten herabgestuft und deren Ausblick mit negativ bewertet. Darunter sind auch Größen wie Mediobanca und Intesa SanPaolo, die von der Bonitätsstufe „A+“ auf „A“ rutschten. Die Ratingagentur drohte, dass noch acht weitere Häuser abgewertet werden könnten - unter anderem die größte italienische Bank Unicredit. Die Herabstufung der Geldhäuser ist in diesem Fall eng verknüpft mit der Bewertung der Staatsbonität. Anfang der Woche stufte S&P Italien ebenfalls von „A+“ auf „A“ ab.

Frankreich

Ins Visier der Ratingagentur Moody's gerieten am 14. September zwei der drei französischen Großbanken. Die Kreditwürdigkeit der Crédit Agricole und der Société Générale wurde jeweils um eine Stufe auf „Aa2“ beziehungsweise auf „Aa3“ herabgestuft. Das entspricht immer noch einer sehr guten bis guten Bonität. Begründet wurde die Entscheidung mit den Engagements der Banken in Griechenland. Die Ratingagentur erwägt wegen der angeschlagenen Finanzmärkte eine weitere Abstufung der Noten. Beim Marktführer BNP Paribas wurde die Frist für die Überprüfung verlängert.

Griechenland

Während italienische und französische Banken trotz Herabstufung noch über eine gute Bonität verfügen, steht die Kreditwürdigkeit griechischer Geldhäuser seit dem Sommer auf „Ramschniveau“. Am Donnerstag den 22. September hat Moody's acht Institute nochmals um zwei Stufen herabgestuft - sie stehen aufgrund der Schuldenkrise und drohende Pleite des Landes kurz vor einem Zahlungsausfall. Die EmporikiBank, eine Tochter der französischen Credit Agricole, und die General Bank notieren nun bei „B3“, die National Bank, die EFG Eurobank, die Alpha-Bank, die Piräus Bank, die Attica Bank und die ATE bei „Caa2“.

USA

Nach Einschätzung von Moody's würde die US-Regierung eine aktuelle Bankenpleite möglicherweise nicht auffangen. Mit der Warnung ging eine Herabstufung einher: Die Ratingagentur attestierte der Bank of America, dem größten Geldhaus der USA, statt eines guten Ratings („A2“) nur noch ein befriedigendes („Baa1“). Auch Konkurrent Wells Fargo rutschte leicht von „A1“ auf “A2“ - immer noch eine gute Bonität.

Deutschland

DDie französische Société Générale rutschte im Moody's-Rating auf „Aa3“ - das entspricht der Bonität der Deutschen Bank. Von Standard & Poor's erhält Deutschlands größtes Geldhaus ein „A+“, von Fitch ein „AA-“. Die Einstufungen sprechen für eine gute bis befriedigende Bonität. Die Commerzbank als Nummer zwei erhält von den drei Ratingagenturen jeweils eine „befriedigende“ Beurteilung. Keine private deutsche Großbank wurde während der Zuspitzung der Euro-Krise in diesem Jahr in ihrer langfristigen Bonität herabgestuft.

Spanien, Portugal, Irland

SPANIEN, PORTUGAL und IRLAND: In den drei anderen PIIGS-Staaten neben Italien und Griechenland ist die Situation unterschiedlich. Moody's senkte die Bewertung der Anleihen von 30 spanischen Instituten im März dieses Jahres um eine oder mehr Stufen. Die beiden Großbanken Santander und BBVA waren von der Abstufung aber nicht betroffen. Ihre Bonität ist nach wie vor gut. Die größte portugiesische Bank, Caixa Geral de Depósitos, wurde dieses Jahr dagegen von allen drei Ratingagenturen jeweils zweimal abgestuft. Ihre Bonität wird durchgehend als befriedigend bewertet.

Die Kreditwürdigkeit mehrerer großer irischer Institute wie der Bank of Ireland oder der Allied Irish Banks wurde durch die Fast-Pleite des Landes 2010 von Moody's auf „Ramschniveau“ herabgestuft.

Auslöser der Diskussion ist eine wachsende Verunsicherung unter den Banken, welches Institut von Abschreibungen auf Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder am stärksten getroffen wird. Der Chef der staatlichen KfW-Bankengruppe, Ulrich Schröder, warnte im „Focus“-Interview davor, dass in der mittel- und langfristigen Finanzierung die Krise mittlerweile „dramatischer“ sei als nach der Pleite der US-Investment-Bank Lehman im Jahr 2008.

Die Risikomanagement-Systeme seien allerdings besser als damals. In der Finanzkrise war der Interbanken-Handel wegen des wachsenden Misstrauens in die Zahlungsfähigkeit der Geschäftspartner fast zum Erliegen gekommen. Das erste Opfer der jetzigen Probleme ist die französisch-belgische Bank Dexia , über deren Zerschlagung am Sonntag entschieden werden sollte.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

08.10.2011, 18:06 Uhr

„Frankreich dagegen will sofort den EFSF einsetzen“

Eine egoistische Entscheidung, wie alle bisherigen auch schon, als er Frau Merkel immer wieder erfolgreich über den Tisch gezogen hat. Jedes Küsschen von Sarkozy kostet den deutschen Steuerzahler Milliarden!

Nachvollziehbar, er benötigt nicht nur eine Bad-Bank, sondern gleich ein Bad-Land! Mit den Zinsen der PIIGS-Staatsanleihen konnte man ganz gut leben. Man hat schon immer gerne das Geld anderer ausgegeben – vor allem das der Deutschen.
Da bin ich mal gespannt, wie viele Tage noch vergehen müssen, bis die Rating-Agenturen mal berechtigt ihres Amtes walten. Ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass Sarkozy schon lange Vorbereitungen trifft, um beim ESFS von einem Geber- zu einem Empfängerland zu werden.

Tja, dann steht der deutsche Michel ganz alleine da .... und wird ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Eigentlich jetzt auch schon, richtig. Retten kann uns nur noch SaS-Chef Richard Sulik, zugleich Parlamentspräsident der Slowakei. Ein Politiker mit Charakter, der sich an den Amtseid hält und sich für die Interessen seines Landes einsetzt und damit auch die Ersparnisse der Deutschen schützt.
Unsere Abgeordnete haben viele Jobs, vertreten wirklich viele Interessen, das muss man ihnen zugestehen, nur nicht die der deutschen Bürger. Tja, was kann man da machen? Frohlocken und Hossiana Singen – oder ...

Dummkopp

09.10.2011, 00:39 Uhr

TRIOLOGIE UNGLAUBLICHER ZYNISMIS TEIL 1
44 Prozent der Vermögens-Werte der europäischen Banken sind "faul" oder unverkäuflich - in Summe sind das 18,2 Billionen Euro.
Ich war überrascht, als vor 3,4 Tagen plötzlich die Bankenhilfe wieder aufs Tablett kam. Jetzt ist klar, warum.
Brüder und Schwestern, die kriegen die Kurve nicht mehr. Da ist Feierabend im Abendland.
Europa hat noch keine Hungersnot, weil es von der Substanz zehrt. Aber es geht rasend schnell in diese Richtung. Ihr wollt das nicht hören? In der politischen Psychologie nennt man das “Störung der Komfortzone” (oder so ähnlich). Komfort ist das, was man so hat: Familie, Häuschen, Einkommen, den Kühlschrank voll … da will der in der Komfortzone Gestörte nichts von aufziehendem Elend wissen.
Aber leider werden die Verschwörungstheorien Realität und heute, Ende 2011 traut sich niemand mehr zu behaupten, selbst die selbsternannten Optimisten nicht, dass die ganzen Untergangszenarien lächerlich sind. Vor noch eineinhalb Jahren haben das die meisten belächelt, entweder ganz offen oder in sich hinein. Peu a peu wird jeder von einer unbestimmten Angst ergriffen. ENDE TEIL 1

Account gelöscht!

09.10.2011, 00:40 Uhr

Ist es zutreffend, dass bereits in großem Umfang wieder DM von den Staatsdruckereien gedruckt werden? Ein entsprechends Gerückt "kreistr".

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