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25.09.2015

16:18 Uhr

Bankenkrise in Griechenland

Griechische Bankguthaben wachsen wieder

Zum ersten Mal seit Monaten fließt wieder mehr Geld auf griechische Konten, als abgehoben wird. Nachdem der „Grexit“ vorerst abgewendet scheint, füllen Unternehmen wie Privatpersonen ihre Bankguthaben wieder etwas auf.

In Griechenland sind die Bankguthaben erstmals seit Monaten wieder leicht gestiegen. dpa

Menschen zahlen wieder ein

In Griechenland sind die Bankguthaben erstmals seit Monaten wieder leicht gestiegen.

AthenDie griechischen Unternehmen und Haushalte füllen erstmals seit Monaten wieder ihre Bankguthaben. Im August stockten sie diese um 305 Millionen Euro oder 0,25 Prozent auf, wie aus den am Freitag veröffentlichten Daten der Notenbank hervorgeht. Davor hatten sie zehn Monate in Folge Geld abgezogen. Dadurch sanken die Einlagen bis auf 120,83 Milliarden Euro im Juli – den niedrigsten Stand seit 2003.

Grund dafür war die Sorge vor einem Euro-Abschied Griechenlands. Dann wären die Euro-Guthaben in die neue griechische Währung umgetauscht worden, die wegen der Schuldenkrise kräftig abgewertet worden wäre. Die griechische Regierung hatte am 28. Juni die Reißleine gezogen: Kapitalverkehrskontrollen wie begrenzte Summen für die Bargeldabhebung an Geldautomaten sollten den stetigen Geldabzug stoppen.

Griechenlands Bankenlandschaft

Die wichtigsten Banken

In Griechenland gibt es vier große Geldhäuser - die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank und die Alpha Bank. Sie stehen für rund 95 Prozent des Marktes. Ihr Börsenwert liegt zusammengefasst bei 8,6 Milliarden Euro. Das entspricht 21 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung an der griechischen Börse. Bank-Aktien haben in Athen seit Jahresbeginn wegen des sich verschärfenden Schuldenstreits mit den internationalen Geldgebern rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Einlagen

Die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen bei griechischen Banken betrugen Ende Februar 140,5 Milliarden Euro - 12,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allein von Dezember bis Februar wurden Guthaben im Volumen von 25,4 Milliarden Euro abgezogen. Wegen der Abflüsse waren die Geldhäuser gezwungen, verstärkt Notfall-Hilfen (ELA) ihrer heimischen Notenbank und direkte Liquiditätsspritzen der EZB in Anspruch zu nehmen.

Finanzierung durch das Eurosystem

Die Finanzierung griechischer Banken durch die EZB, bei der Sicherheiten verlangt werden, hatte Ende März ein Volumen von 38,67 Milliarden Euro. Die ELA-Hilfen durch die Athener Notenbank summierten sich zudem auf 68,6 Milliarden Euro. Hellas-Banken nutzen diesen Weg verstärkt, seitdem die EZB sie ab Mitte Februar von der direkten Finanzierung ausgeschlossen hat. Die EZB hatte damals eine Sonderregel gekippt, die griechischen Banken bis dahin erlaubte, auch bonitätsschwache Staatsanleihen des Landes als Pfand für frisches Zentralbankgeld zu hinterlegen.

Die Versorgung über ELA-Hilfen der Athener Notenbank ist für Banken teurer als die direkte Finanzierung durch die EZB. Zuletzt hatte die EZB eine Aufstockung des ELA-Rahmens um 1,5 Milliarden auf 75,5 Milliarden Euro genehmigt.

Sicherheiten

Griechische Banken setzen bei der Liquiditätsversorgung als Sicherheiten unter anderem Staatsanleihen, kurzfristige Geldmarktpapiere (sogenannte T-Bills), von der Regierung garantierte Bank-Anleihen und Kredite ein. Die Banken besaßen im Februar solche Pfänder im Umfang von zusammen rund 50 Milliarden Euro. Inzwischen ist dieser Puffer auf rund 40 Milliarden Euro gesunken.

Griechische Staatsanleihen

Hellas-Banken haben rund fünf Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Das entspricht nur 1,4 Prozent ihrer Bilanzsumme. Darüber hinaus besitzen sie kurzfristige T-Bills im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro. Aktuell wird für bonitätsschwache griechische Papiere, welche die Banken als Pfänder für ELA-Hilfen einsetzen, nach Angaben von Bankern und Analysten aus Sicherheitsgründen ein Wertabschlag (Haircut) von 32 bis 35 Prozent vorgenommen.

Inzwischen haben die internationalen Geldgeber dem hoch verschuldeten Land weitere Milliardenhilfen zugesagt, womit auch die Gefahr eines „Grexit“ vorerst gebannt ist.

Von

rtr

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