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06.06.2014

16:19 Uhr

Bankenkrise

Spanien zahlt EU-Hilfen vorzeitig zurück

Für die Bankensanierung hatte Spanien 2012 von der EU einen Kreditrahmen von 100 Milliarden Euro bekommen. Die Rückzahlung wäre eigentlich erst im nächsten Jahrzehnt fällig – doch das Land beginnt schon jetzt damit.

Spaniens Wirtschaft geht offenbar wieder besser. Das Land zahlt EU-Hilfen frühzeitig zurück. dpa

Spaniens Wirtschaft geht offenbar wieder besser. Das Land zahlt EU-Hilfen frühzeitig zurück.

MadridSpanien beginnt vorzeitig mit der Rückzahlung von EU-Krediten, die das Land für die Sanierung maroder Banken von Brüssel erhalten hatte. Madrid werde von den Hilfen schon jetzt 1,3 Milliarden Euro an die Partner in der Europäischen Union zurückzahlen, teilte Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría am Freitag in Madrid mit.

„Unsere Wirtschaft ist dazu in der Lage“, sagte sie im Anschluss an eine Kabinettssitzung. „Zugleich stärken wir damit das Vertrauen in unser Land.“ Spanien hatte von der EU für die Bankensanierung 2012 einen Kreditrahmen von 100 Milliarden Euro zugesagt bekommen. Davon nahm Madrid gut 40 Milliarden Euro in Anspruch. Die Kredite werden eigentlich erst im nächsten Jahrzehnt fällig.

Spaniens Baustellen

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenquote beträgt laut Statistikbehörde 24,4 Prozent und befindet sich auf den höchsten Stand seit 18 Jahren. Insgesamt sind in Spanien 5,6 Millionen Menschen arbeitslos. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit ist ein Riesenproblem. Die europäische Statistikbehörde Eurostat berichtete unlängst, die Quote der Jugendarbeitslosigkeit sei in Spanien mit einem Wert von 50,5 Prozent am höchsten. Zum Vergleich: Mit 8,2 Prozent hatte Deutschland die niedrigste Quote.

Immobilienmarkt

In der Vor-Krisenzeit lockte die Kombination aus hohem Wirtschaftswachstum und niedrigem Zinsniveau die Spanier an den Immobilienmarkt. Viele legten sich eine zweite, dritte oder gar vierte Wohnung zu. Doch der Boom war größtenteils auf Pump finanziert. Nachdem auch internationale Anleger wie Pensions- und Investmentfonds in großem Stil einstiegen, wurden Immobilien rasch zu Spekulationsobjekten. Die Finanzkrise 2008 bereitete dem ein jähes Ende: Die spanischen Banken - anfangs noch gelobt wegen ihrer Zurückhaltung bei Schrottpapieren - gerieten in den Krisenstrudel und wurden Opfer der lockeren Kreditvergabe.

Haushaltslage

In der Eurozone war Spanien 2011 mit einem Fehlbetrag von 8,9 Prozent der drittgrößte Haushaltssünder. Das Haushaltsloch war zwar kleiner als 2010 (9,3 Prozent), aber deutlich höher als angestrebt. Die spanische Wirtschaft stürzte zudem zu Jahresbeginn in die Rezession. Mit drastischen Sparmaßnahmen und weitreichenden Reformen versucht die Regierung des konservativen Regierungschefs Mariano Rajoy gegenzusteuern. Ursprünglich sollte das Defizit schon 2013 wieder unter die erlaubten 3 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken, nun soll Spanien dafür ein Jahr länger Zeit bekommen.

Bankenkrise

Die Lage am Immobilienmarkt schlägt voll auf den Bankensektor durch: Die Großbanken Santander und BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria) verzeichneten wegen der Vorsorge für faule Immobilienkredite Gewinnrückgänge. Spaniens Regierung hatte höhere Rücklagen der Banken angesichts der kriselnden Wirtschaft verlangt. Anderen Geldhäusern erging es noch schlechter: Die Großbank Bankia will vom Staat mehr als 23 Milliarden Euro für ihre Sanierung.

Spanien hatte sich zu dem Antrag auf die EU-Hilfen gezwungen gesehen, weil mehreren Sparkassen und Bankhäusern infolge der Immobilienkrise ein Zusammenbruch drohte. Die Geldinstitute hatten während des Baubooms in großem Stil Kredite für den Erwerb von Eigentumswohnungen vergeben. Mit Beginn der Wirtschaftskrise konnten viele Spanier die Kredite nicht mehr bedienen.

Von

dpa

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