Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.07.2012

21:11 Uhr

Bankenkrise

Zypern sucht Schuld für Misere bei anderen

Zypern hatte zuletzt einen Antrag auf Finanzhilfen bei der EU wegen der Lage der eigenen Banken gestellt. Die Ursache für die Wirtschaftsprobleme sei aber vor allem der griechische Schuldenschnitt.

Ein Mann verlässt die Zentralbank von Zypern in Nikosia. dpa

Ein Mann verlässt die Zentralbank von Zypern in Nikosia.

Die Probleme wären niemals so stark ausgeartet, hätte es den freiwilligen Forderungsverzicht privater Gläubiger (PSI) in Griechenland nicht gegeben, sagte der zyprische Finanzminister Vassos Shiarly am Freitag. Erst kürzlich hatte Zypern erklärt, als fünftes Land den Euro-Rettungsfonds anzuzapfen. Zudem scheint der Inselstaat auf Russland zu setzen. Laut dem russischen Finanzminister Anton Siluanow hat Zypern die Regierung in Moskau um fünf Milliarden Euro gebeten. Erst im Dezember hatte Zypern einen Kredit in Höhe von 2,5 Milliarden Euro von Russland erhalten.

Zyperns Präsident Dimitris Christofias, der in Moskau ausgebildet wurde, verteidigte die Anfrage bei der russischen Regierung. "Wir haben das Recht, Beziehungen mit dritten Staaten zu haben", sagte der einzige kommunistische Staatschef in Europa auf einer Pressekonferenz mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. Experten rechnen damit, dass Russland weniger harte Bedingungen für die Gewährung des Kredits stellen wird als die EU.

Am Freitag endete die erste Prüfung der zyprischen Bücher durch Vertreter der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds. Ziel war es, die Höhe des Finanzbedarfs zu ermitteln. Details sind noch nicht bekanntgegeben worden. Bis Mitte Juli soll die Troika eine konkrete Vereinbarung ausarbeiten. Christofias sagte, Zypern benötige Nachsicht und die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen.

Noch ist unklar, welche Summe das eine Million Einwohner zählende Land benötigt. Allein für die Rekapitalisierung seiner zwei wichtigsten Banken benötigt der Mittelmeerstaat 2,3 Milliarden Euro. Im Gespräch sind Hilfen von bis zu zehn Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte von Zyperns Wirtschaftsleistung.

Griechenland hat durch den freiwilligen Schuldenschnitt die Gefahr eines unmittelbaren Staatsbankrotts gebannt. Private Gläubiger verzichteten auf Forderungen von mehr als 100 Milliarden Euro und machten damit den Weg für das neue internationale Rettungspaket im Umfang von 130 Milliarden Euro frei. Infolgedessen mussten zyprische Banken etwa 80 Prozent auf griechische Staatsanleihen abschreiben. Das seien etwa 4,2 Milliarden Euro und damit ein Viertel der zyprischen Wirtschaftsleistung, sagte Shiarly. Er kritisierte, der Schuldenschnitt sei nicht fair gewesen. Die 100 Milliarden Euro hätten von den Euro-Ländern anteilig ihrer Wirtschaftskraft übernommen werden müssen. Damit hätte Deutschland rund 27 Prozent und Zypern lediglich 0,2 Prozent tragen müssen.

Von

rtr

Kommentare (23)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.07.2012, 21:49 Uhr

... pure Mafiaargumentation...
Land der Geldwäsche... weitestgehend. Der GR Teil..

Account gelöscht!

06.07.2012, 22:16 Uhr

Ist ihnen schon mal aufgefallen dass das Handelsblatt nicht viel über die anderen Kritiker in Europa berichtet?

Zum Beispiel hat die finnische Finanzministerin gestern bestätigt das Finnland lieber aus dem Euro austreten würde als die Schulden der PIIGS zahlen zu müssen. Und im Handelsblatt wiedermal kein Wort darüber.

http://online.wsj.com/article/SB10001424052702303962304577510232449188446.html

Also liebes Handelsblatt bitte etwas mehr anstrengen sonst macht ihr euch mitschuldig an der Misere.

Rechner

06.07.2012, 22:45 Uhr

O-Ton Zypern
----------------
"Das seien etwa 4,2 Milliarden Euro und damit ein Viertel der zyprischen Wirtschaftsleistung, sagte Shiarly. Er kritisierte, der Schuldenschnitt sei nicht fair gewesen. Die 100 Milliarden Euro hätten von den Euro-Ländern anteilig ihrer Wirtschaftskraft übernommen werden müssen."
----------------
So ein Spinner.

Seit wann werden Verluste von Bankspekulanten auf die Allgemeinheit gemäß Wirtschaftskraft verteilt?

Hat Zypern vielleicht die Steuereinnahmen seiner Banken zu 27,14% nach Deutschland überwiesen?

Auch haben die zypriotischen Banken doch davon profitiert daß Griechenlands unter den Schirm gekommen ist. Denn sonst hätten seine Banken für die in den letzten zwei Jahren fällig gewordenen griechischen Staatsableihen nichts gekriegt, und wären schon längst pleite.

----------------------------------------

Zypern hat sich eben als Sud-island einen sehr großen Zocker-Bankensektor geleistet, und in den guten Jahren fleißig abkassiert.

Jetzt, wo's in die Hose gegangen ist, will er die Verluste seiner Zocker-Banken auf andere abwälzen.

Was für ein frecher Gauner.

++++++++++++++++++++++++

"Christofias sagte, Zypern benötige Nachsicht und die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen."

Eigene Entscheidungen mit unserem Geld, natürlich.

Vielleicht sollte man die zypriotischen Banken dann eben nicht retten. Und Zypern in der Gosse sitzen lassen. Dann kann das Großmaul seine "eigenen Entscheidungen treffen."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×