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23.01.2011

12:05 Uhr

Banker-Verhaftung

Wikileaks-Gründer kritisiert Schweizer Vorgehen

Der Gründer des Enthüllungsportals Wikileaks, Julian Assange, hat die Schweiz wegen ihres Umgangs mit dem umstrittenen Banker Rudolf Elmer kritisiert. Elmer war am Samstag in Untersuchungshaft genommen worden.

HB GENF. Weil er Mitte Januar dem Wikileaks-Gründer Julian Assange in London CDs mit Daten seines früheren Arbeitgebers übergeben hatte, muss der ehemalige Schweizer Banker Rudolf Elmer für zehn Tage in Untersuchungshaft. Die ordnete am Samstag ein Schweizer Gericht an. Inzwischen sollen die Behörden prüfen, ob der ehemalige Angestellte des Bankhauses Julius Bär damit gegen das Schweizer Bankgeheimnis verstoßen habe.

"Das Vorgehen der Schweiz befremdet mich", sagte nun Assange der Zeitung "Der Sonntag". Der Australier, der derzeit in Großbritannien unter Aufsicht der Justiz lebt, hatte selbst einmal erwogen, in der Schweiz Asyl zu beantragen.

"Herr Elmer sitzt im Gefängnis, weil er auf ein kriminelles Offshore-System zur Hinterziehung von Steuern hinweist, in dem Schweizer Banken eine führende Rolle einnehmen", sagte Assange in einem Gespräch, das nach Angaben der Zeitung telefonisch über einen Wikileaks-Mittelsmann geführt wurde.

Der früher bei der Schweizer Privatbank Julius Bär angestellte Elmer war in der vergangenen Woche zu einer Geldstrafe unter anderem wegen Verletzung des Schweizer Bankgeheimnisses verurteilt worden. Er hatte geheime Kundendaten an Wikileaks weitergegeben. Elmer hatte sich zuvor in London mit Assange gezeigt und vor den Medien weitere CDs übergeben, die angeblich noch mehr Daten enthalten. Deswegen wurde er nach dem Gerichtsurteil erneut verhaftet.

Nach Angaben seiner Anwältin wurde die Untersuchungshaft mit dringendem Tatverdacht und Verdunklungsgefahr begründet. "Statt diese Offshore-Strukturen zu untersuchen und Steuerbetrüger zu verfolgen, wird Rudolf Elmer von den Schweizer Behörden verfolgt", sagte Assange weiter.

Das Problem der Offshore-Strukturen sei nicht allein ein "Fall Schweiz", sagte der Australier der Zeitung. Auch andere international tätige Banken seien an diesem System beteiligt, das den Steuerbehörden weltweit 22 Billionen Dollar (16 Billionen Euro) entziehe. "Elmers Verhaftung erhöht die Dringlichkeit, seine Daten zu prüfen und schnellstmöglichst zu veröffentlichen."

Kommentare (5)

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Incognito

23.01.2011, 17:51 Uhr

Ja lieber steckt man Herrn Elmer in U-Haft als endlich damit zu beginnen dieses korrupte Geschwür von banken in die Mangel zu nehmen! Es scheint wieder einmal so, als Hacke man nicht die Hand derrer ab, die einen füttern. Welche wunderbares System!!

Hätte er doch lieber die Daten an Deutschland verkauft, die nehmen doch gerne illegale Geschenke & verwerten die unrechtmäßig erworbene Daten von Hehlern. in welch armen Zeiten wir Leben, geprägt von ignoranz und elendigem Lobbyismus!

Leaks-Fan

24.01.2011, 01:40 Uhr

Es rollen noch viel zu wenig Köpfe, wir wollen Julian eine lange Gesundheit wünschen auf dass noch so manchem die Augen geöffnet werden können.

CeeAre

24.01.2011, 05:21 Uhr

... "22 billionen Dollar (16 billionen Euro) " ...
Ein Journalist beim Handelsblatt sollte den Unterschied zwischen den Amerikanischen und den deutschen billionen kennen.

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