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18.01.2009

15:20 Uhr

Barack Obama

Hier sind noch Plätze frei

VonMarkus Ziener

350 000 Bewerber für 8 000 Stellen: In Amerikas Hauptstadt tobt der Kampf um einen Job in Barack Obamas Regierung. Noch nie gab es so viel Konkurrenz – und so viele knifflige Fragen.

Barack Obama hat noch jede Menge Stellen zu besetzen (Foto: AP) Quelle: ap

Barack Obama hat noch jede Menge Stellen zu besetzen (Foto: AP)

WASHINGTON. Nein, ihren Namen will sie auf keinen Fall in der Zeitung lesen, sagt die Dame, als sie sich in den Stuhl fallen lässt. Schließlich wollen wir über ihre Zukunft reden. Ihr Zukunft bei Barack Obama. Und da ist Diskretion oberstes Gebot. Deshalb hat Linda, so wollen wir sie nennen, das Daily Grill ausgesucht, wo die Zweiertische weit voneinander entfernt stehen. Es liegt zwischen 18th und M-Street in Washington, nur einen Steinwurf von den wichtigsten Ministerien entfernt.

Linda, 38, kämpft um einen Job im derzeit engsten Jobmarkt der USA: Sie will in die Regierung von Obama. "Wenn dir das gelingen soll, dann darfst du keine Fehler machen", sagt sie.

Acht lange Jahre hat sie gewartet, dass der Republikaner George W. Bush als Präsident abtritt und die Demokraten zurück an die Macht dürfen. Unter Bill Clinton hat Linda mal für kurze Zeit Regierungsluft atmen dürfen - als Referentin im Handelsministerium. Nun will sie mehr: ins Außenministerium. Und sie will nicht nur Referentin sein mit rund 45000 Dollar Jahresgehalt. Obgleich sie weiß: "Reich wirst du mit einem Regierungsjob sowieso nicht."

Für eine Weile einen Zipfel Geschichte in der Hand halten, vielleicht gar einen Akzent setzen - und hinterher ein gut bezahlter Job in der Privatwirtschaft: Das lockte schon immer viele Amerikaner nach Washington. Doch bei Obama ist eine besondere Faszination am Werk: "Es ist schwer, in der Geschichte eine Parallele zu finden, wo es schon einmal ein solches Maß an Enthusiasmus gegeben hat, in der Regierung mit dabei zu sein", sagt Michael Beschloss, Amerikas Präsidentenhistoriker.

In Zahlen: Rund 350000 Bewerber wollen für Obama arbeiten. Zu vergeben hat der neue Präsident knapp 8000 Positionen. Nur jeder 43. Kandidat kriegt also einen Job in der neuen Regierung. Noch nie war dieser Flaschenhals so schmal. Bei Bush vor acht Jahren wollten 90000 Gefolgsleute die republikanische Wende begleiten. Bei Clinton klopften 1993 etwa 100000 an.

Nie war es so schwierig, einen der begehrten "politischen" Jobs in Washington zu ergattern, und nie war ein neuer Präsident so wählerisch wie Obama.

Wenn der Mann aus Chicago kommenden Dienstag um 12 Uhr Ortszeit auf den Stufen des Kapitols den Eid des Präsidenten schwört, steht er allenfalls einer Rumpfregierung vor. Erst in dieser Woche begannen die Senatsanhörungen für zukünftige Minister wie Hillary Clinton. Und erst danach beginnt der mühsame Auswahlprozess in den Fachressorts - per Kaskade von oben nach unten. Bis Obamas Regierung komplett ist, dürften sechs bis neun Monate vergehen.

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