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20.07.2015

15:34 Uhr

Bayern-Trainer bei Wahl in Katalonien

Guardiola kandidiert für Separatisten

Die Separatisten in Katalonien treten bei der Wahl in der nordostspanischen Region in zwei Monaten mit einer gemeinsamen Kandidatenliste an. Darauf soll auch der Name des Trainers von Bayern München stehen.

Bayern Münchens Trainer Pep Guardiola verliest 2014 vor dem Fernsehturm auf dem Alexanderplatz in Berlin nach dem Bau eines traditionellen katalanischen Menschenturms, eine Erklärung: Nun soll er für die Separatisten bei der Regionalwahl kandidieren. Die Separatisten in Katalonien treten bei der Wahl in der nordostspanischen Region in zwei Monaten mit einer gemeinsamen Kandidatenliste an. Darauf soll auch der Name des Trainers von Bayern München stehen. dpa

Am Mikrofon in Katalonien

Bayern Münchens Trainer Pep Guardiola verliest 2014 vor dem Fernsehturm auf dem Alexanderplatz in Berlin nach dem Bau eines traditionellen katalanischen Menschenturms, eine Erklärung: Nun soll er für die Separatisten bei der Regionalwahl kandidieren.Die Separatisten in Katalonien treten bei der Wahl in der nordostspanischen Region in zwei Monaten mit einer gemeinsamen Kandidatenliste an. Darauf soll auch der Name des Trainers von Bayern München stehen.

MadridDer Trainer des FC Bayern München, Pep Guardiola, will nach spanischen Medienberichten bei den anstehenden Regionalwahlen in Katalonien für ein separatistisches Parteienbündnis kandidieren. Der Coach des deutschen Fußballmeisters habe allerdings nicht die Absicht, Abgeordneter im Parlament seiner Heimatregion zu werden, berichteten die Zeitung „El País“, der staatliche spanische Rundfunk RNE und das katalanische Fernsehen TV3 am Montag.

Guardiola wolle aber das Vorhaben des katalanischen Regierungschefs Artur Mas zur Gründung eines unabhängigen Staates symbolisch unterstützen, berichteten die Medien übereinstimmend. Daher werde sein Name am Ende der Kandidatenliste stehen. Die separatistischen Parteien CDC (Demokratische Konvergenz) und ERC (Linksrepublikaner) waren übereingekommen, bei der Wahl am 27. September in Katalonien mit einer gemeinsamen Liste antreten. Sie wollen den Urnengang zu einer Art von Volksabstimmung über eine Abspaltung der Region von Spanien machen.

Der CDC-Europaparlamentarier Ramon Tremosa (CDC) bestätigte die Kandidatur Guardiolas auf Twitter. Dagegen sagte der ERC-Sprecher Sergi Sabrià, seine Partei habe dafür noch keine Bestätigung. „Wir wären aber sehr stolz, wenn der Ex-Trainer des FC Barcelona auf der Liste stünde“, betonte Sabrià. Guardiola ist gegenwärtig auf einer einwöchigen China-Reise mit dem FC Bayern.

Das ist Josep Guardiola i Sala

Anfänge beim FC Barcelona

Guardiola stammt aus Santpedor, wo seit 2007 der örtliche Sportplatz seinen Namen trägt. Im Alter von 13 Jahren trat er der Jugendakademie des FC Barcelona, La Masia, bei. Zuvor hatte er bei Gimnàstic de Manresa gespielt. In den Jugendmannschaften agierte er zunächst auf der rechten Mittelfeldseite. Erst Johan Cruyff, zu dieser Zeit Trainer der ersten Mannschaft, gab die Anweisung, Guardiola auf der zentralen Spielmacherposition aufzustellen.

Spielerkarriere beim FC Barcelona

Von der Saison 1990/91 an gehörte er zum Profikader und gab als 19-Jähriger sein Debüt in der Primera División. Guardiola spielte insgesamt 17 Jahre für den FC Barcelona. In den elf Profijahren gewann er mit der Mannschaft 16 Titel, darunter den Europapokal der Landesmeister. In der Saison 2000/01 entschloss sich Guardiola, den FC Barcelona zum Saisonende zu verlassen und seine Karriere im Ausland zu beenden.

Wechsel nach Italien

Seine Zeit in Italien war nicht annähernd so erfolgreich wie in Barcelona. Im September 2001 verpflichtete ihn Brescia Calcio. In Italien wurde Guardiola des Dopings beschuldigt, da ihm nach zwei Ligaspielen im Oktober und November Spuren von Nandrolon nachgewiesen wurden. Daraufhin sperrten ihn der FIGC und die FIFA am 22. November 2001 für vier Monate.. 2009 wurde er von sämtlichen Dopingvorwürfen freigesprochen. Ab der Saison 2002/03 spielte er für den AS Rom. Nach einem halben Jahr kehrte er jedoch bis zum Saisonende zu Brescia Calcio zurück

Abstecher nach Katar und Mexiko

2003 wechselte er nach Katar zu Al-Ahli. Er beendete im Sommer 2005 zunächst seine Spielerkarriere, schloss sich dann aber 2006 dem damaligen mexikanischen Erstligisten Dorados de Sinaloa an. Als zum Ende der Saison der Abstieg des Teams in die Primera División 'A' feststand, beendete er seine aktive Karriere endgültig.

Erfolge in der Nationalmannschaft

Guardiola holte mit Spanien 1992 Olympia-Gold. Am 14. Oktober 1992 gab er beim 0:0 im WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland seinen Einstand in der A-Nationalmannschaft. Er nahm an der Weltmeisterschaft 1994 und der Europameisterschaft 2000 teil. Die Weltmeisterschaften 1998 und 2002 verpasste er wegen einer Knieverletzung. Sein letztes Länderspiel bestritt Guardiola am 14. November 2001 gegen Mexiko (1:0). In 47 Einsätzen erzielte er fünf Tore.

Trainer beim FC Barcelona

2008 war Guardiola bei Amtsantritt mit 37 Jahren der drittjüngste Trainer in der Geschichte des Vereins. Zuvor hatte er bei den Katalanen bereits als Trainer der B-Mannschaft gearbeitet und in seiner Premierensaison 2007/08 prompt zum Aufstieg in die Segunda División B geführt.

Das Sextuple

Die Krönung war das Jahr 2009. Guardiola führte den FC Barcelona zum noch nie dagewesenen „sextuple“, also alle bedeutenden nationalen und internationalen Titel in einem Jahr: nationale Meisterschaft, spanischer Pokal, Champions League, spanischer Supercup, UEFA-Supercup und Klub-Weltmeisterschaft. Mit 14 Titeln ist er der erfolgreichste Trainer in der Vereinsgeschichte. 2012 verabschiedete er sich und legte ein Sabbatjahr in New York ein.

Trainer bei den Bayern

2013 unterschrieb er bei den Münchenern für drei Jahre. Am 30. August 2013 gab er beim UEFA Super Cup-Finale sein internationales Debüt für die Bayern und gewann den ersten Titel mit seiner neuen Mannschaft im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea. Außerdem sicherte er sich mit seiner Mannschaft am 21. Dezember 2013 die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft mit einem 2:0 über Raja Casablanca. Am 27. Spieltag der Saison 2013/14 feierte Guardiola mit dem FCB die früheste Meisterschaft in der Geschichte der Bundesliga. Wenige Wochen später folgte der DFB-Pokalsieg gegen den BVB. Auch 2014 holte er mit den Bayern die Meisterschaft.

Der frühere Barça-Trainer und heutige FC-Bayern-Coach hatte in der Vergangenheit wiederholt deutlich gemacht, dass er für die Schaffung eines unabhängigen Staates in Katalonien eintritt. Er nahm an mehreren Kundgebungen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung teil. Am 9. November 2014 reiste er eigens von München nach Barcelona, um bei einer Volksbefragung über die Unabhängigkeit der Region seine Stimme abzugeben. Die Befragung war vom spanischen Verfassungsgericht für illegal erklärt worden.

Die Kandidatenliste der Separatisten soll von drei parteilosen Vertretern der Unabhängigkeitsbewegung angeführt werden. Regierungschef Mas (CDC) und der ERC-Parteichef Oriol Junqueras sollen auf dem vierten und fünften Platz rangieren. Das Bündnis verfolgt das Ziel, bei einem Wahlsieg eine Abspaltung Kataloniens von Spanien innerhalb von sechs bis acht Monaten zu bewerkstelligen.

Spaniens Zentralregierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte jedoch mehrfach erklärt, sie werde eine Unabhängigkeit der Region unter keinen Umständen zulassen. Madrid sieht in einer Abspaltung einen Verstoß gegen die - in der Verfassung festgeschriebene - Einheit Spaniens. Katalonien ist mit 7,6 Millionen Einwohner die wirtschaftlich stärkste Region Spaniens.

Von

dpa

Kommentare (2)

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20.07.2015, 16:50 Uhr

Warum nicht auch ein Fußballer. Viel schlimmer kann es in der Politik ohnehin kaum werden.

Account gelöscht!

20.07.2015, 17:06 Uhr

Ein Weltklasse-Fussball-Trainer, der sich auch in politischen Themen sehr gut auskennt. Chapeau!

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