Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2011

19:47 Uhr

BDI-Präsident Keitel

Griechenland braucht sofortige Umschuldung

VonSven Afhüppe

ExklusivDie Debatte um Griechenland ist voll entbrannt. Die Schuldenlast sei zu hoch, als dass die Helenen sie jemals schultern könnten. Jetzt fordert auch der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie den Haircut.

Hans-Peter Keitel dpa

Hans-Peter Keitel

BERLIN. Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, fordert ein sofortiges Umschuldungsprogramm für Griechenland, um die Finanzmärkte zu beruhigen. "Griechenland ist nur durch eine Umschuldung aus der Schuldenkrise zu befreien. Das Umschuldungsprogramm müsste besser heute als morgen starten", sagte BDI-Präsident Keitel im Interview mit dem Handelsblatt (Freitagsausgabe). Die Schuldenlast sei schon jetzt erdrückend hoch und werde weiter wachsen.

Die Euro-Staaten müssten jetzt für Klarheit sorgen. "Es ist kontraproduktiv, die Situation bis 2013 künstlich zu verschärfen und dann einen Schuldenschnitt zu machen", sagte Keitel weiter. Die Gläubiger griechischer Staatsanleihen wüssten das und hätten Forderungsausfälle längst eingepreist, argumentierte der BDI-Präsident.

Heftige Kritik übte Keitel an den Finanzministern der Euro-Staaten. "Die täglichen Äußerungen einzelner Finanzminister über das Für und Wider einzelner Maßnahmen schaden. Die Finanzmärkte lassen sich nur mit Handeln, nicht mit Reden beruhigen", sagte Keitel. Deshalb sollten die Länder der Euro-Zone Experten beauftragen, so schnell wie möglich Instrumente vorzulegen, die sofort umgesetzt werden könnten. "Sonst werden die Finanzmärkte Lösungen erzwingen", sagte der BDI-Präsident weiter.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Otto Kowalski

21.01.2011, 10:45 Uhr

Wir haben Wichtigeres zu tun. Caligula hatte einst sein Pferd zum Senator gemacht, und für die verstorbene Krake Paul musste ein Denkmal gebaut werden.

W. Mundinger

21.01.2011, 11:55 Uhr

Wenn mir eine bank eine Million geben würde, wissend, daß ich übertschuldet bin und Zins und Tilgung nur über neue Schulden finanzieren kann, ist es dann Aufgabe der Steuerzahler, die bank zu entschädigen?
Ohne Erwartung von Rettungsschirmen hätte Griechenland schon vor 5 oder 10 Jahren kein billiges Geld mehr bekommen und das Ruder umlegen müssen. Dann wären die Defizite nicht so groß geworden, und das Land wäre heute schon wieder auf einem guten Weg.
Wo sind also die Urheber dieses Desasters?

Exportgier und Nationalinteresse verantwortlich

24.01.2011, 07:46 Uhr

Exportgier allgemein und deutsche ganz besonders sind mitverantwortlich. Die Schulden Griechenlands stammen hauptsächlich aus dem import von Rüstungsgüter (auch U-boote) und Luxuskarossen hauptsächlich aus Deutschland aber auch aus Frankreich. Hätten die banken, allen voran deutsche und französische banken, die Kredite die zur Überschuldung Griechenlands geführt haben, nicht gegeben, wären viele Arbeitsplätze in Deutschland und Frankreich verloren gegangen. Die Schulden Griechenlands haben zum Exportüberschuss Deutschlands beigetragen. Das wäre nicht weiter tragisch wenn diese Exportüberschüsse wieder in Griechenland investiert worden wären, leider für Griechenland wurden diese in Griechenland erzeugte Überschüsse in andere Länder investiert.
Wer ist nun Schuld? - Ganz einfach; die EU-Regeln die Überschüsse erlauben, Überschüsse zwischen Euroländern sollten besteuert werden und die Einnahmen in die infrastruktur der Peripherieländern investiert werden, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×