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11.04.2015

13:26 Uhr

Beamte prügeln auf Flüchtigen ein

Erneuter Fall von Polizeigewalt in den USA

Ein neuer Fall von Polizeigewalt beschäftigt die USA: Bei einer Festnahme in Kalifornien sollen Sicherheitsbeamte minutenlang einen weißen Mann geschlagen und getreten haben. Ein Hubschraubervideo zeigt das Geschehen.

Der Pferdedieb: Dieser Mann stahl ein Pferd und wurde später am Boden liegend von Polizisten geschlagen und getreten. dpa

Grün und Blau geschlagen

Der Pferdedieb: Dieser Mann stahl ein Pferd und wurde später am Boden liegend von Polizisten geschlagen und getreten.

San BernardinoNur wenige Tage nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen unbewaffneten Schwarzen bestürzt ein neuer Fall von Polizeigewalt die USA. Nach der brutal wirkenden Festnahme eines 30-jährigen weißen Mannes in Kalifornien, die auf Video festgehalten wurde, ermittelt die Bundespolizei FBI gegen zehn Polizisten. Dies berichtete der US-Sender CNN am Samstag. Ihnen wird vorgeworfen, die Bürgerrechte des Mannes verletzt zu haben.

Die zehn Polizisten sollen den Mann demnach nach einer wilden Verfolgungsjagd im Bezirk San Bernardino brutal zusammengeschlagen haben. Sie wurden zunächst beurlaubt. Laut Sheriff John McMahon wird der Vorfall untersucht. Er bezeichnete die Aufnahmen als „bestürzend“. Die Echtheit wird in Medienberichten nicht angezweifelt.

Das Video soll am Donnerstag von einem Hubschrauber des Nachrichtensenders KNBC in einer ländlichen Region in der Nähe der Stadt Apple Valley aufgenommen worden sein. Vor der Festnahme soll der Mann mehr als drei Stunden lang mit einem Auto, dann mit einem gestohlenen Pferd vor den Beamten geflüchtet sein.

In Videoausschnitten sieht man die Festnahme, als der mutmaßliche Flüchtige vom Pferd fällt. Vergeblich versucht sich der Mann vor den Beamten zu verstecken, schließlich liegt er ausgestreckt auf dem Boden, verschränkt die Hände sogar auf dem Rücken.

Dennoch traktieren ihn die herbeieilenden Polizisten mit einem Elektroschocker und treten und schlagen wiederholt auf ihn ein. Die Bilder zeigen, wie weitere Beamte dazustoßen. Gezielt treten sie dem am Boden liegenden Mann gegen den Kopf und in die Leistengegend.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

Der Festgenommene sei wegen leichten Verletzungen in einem Krankenhaus behandelt worden, teilte die Polizei mit. Der Vorfall begann mit einem Durchsuchungsbefehl nach Ermittlungen wegen Identitätsraub. Der Mann wurde wegen verschiedener Vergehen, darunter Diebstahl, belangt. Inzwischen sitze er in Untersuchungshaft, berichtete CNN.

„Was ich im Fernsehen gesehen habe, waren Verbrecher, die meinen Klienten zusammengeschlagen haben“, zitierte der Sender CBS den Anwalt des Opfers, Jim Terrell. Die Polizisten sollten gefeuert und festgenommen werden, forderte er. „Das sind schlechte Polizisten, ob in Ferguson, Missouri oder hier in Apple Valley. Das muss aufhören“, sagte Terrell.

Tödliche Schüsse: Amerika zweifelt an seinen Polizisten

Tödliche Schüsse

Amerika zweifelt an seinen Polizisten

Der Fall des Afroamerikaners Walter Scott, der durch die Schüsse eines weißen US-Polizisten getötet wurde, paralysiert die US-Gesellschaft. Videoaufnahmen belasten den Cop schwer. Das Vertrauen in die Polizei schwindet.

Auch die langjährige Freundin des Opfers war von den Aufnahmen schockiert. „'Das können sie nicht machen' war das Erste, was mir in den Sinn kam“, wurde sie von US-Medien zitiert. Ihr zufolge ist die Polizei zu weit gegangen.

„Sie haben ihn zusammengeschlagen und jetzt werden sie alles versuchen, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten“, sagte sie. Polizeibeamten sollen während des Einsatzes Audiorekorder getragen haben, berichtete CNN unter Berufung auf die Polizei. Die Aufnahmen würden ausgewertet.

Von

dpa

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