Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.10.2014

13:19 Uhr

Bedeutsamer Besuch

Palästinensischer Regierungschef im Gaza-Streifen

Erstmals seit 2007 hat ein Regierungschef der Autonomiebehörde den Boden des Gazastreifens betreten. Rami Hamdallah, palästinensischer Ministerpräsident, hat seinen politisch bedeutsamen Besuch am Donnerstag angetreten.

Der palästinensische Ministerpräsident Rami Hamdallah, umringt von Bewohnern des Gaza-Streifens. Reuters

Der palästinensische Ministerpräsident Rami Hamdallah, umringt von Bewohnern des Gaza-Streifens.

GazaDer palästinensische Ministerpräsident Rami Hamdallah ist begleitet von seiner Ministerriege am Donnerstag zu einem politisch bedeutsamen Besuch im Gazastreifen eingetroffen. Nach dem Passieren des israelischen Grenzübergangs Eres wurde Hamdallah von Führern der radikalislamischen Hamas in dem Küstenstreifen begrüßt.

In Gaza-Stadt war erstmals eine Kabinettssitzung der seit Juni amtierenden Einheitsregierung anberaumt.

Seit die Hamas 2007 nach Gefechten mit der gemäßigten Fatah-Bewegung die Kontrolle über das Küstengebiet übernommen hatte, konnte ein Regierungschef der im Westjordanland regierenden Autonomiebehörde den Gazastreifen nicht betreten. Die Kabinettssitzung in Gaza-Stadt gilt vor allem als politisches Signal an die internationale Wiederaufbaukonferenz am Sonntag in Kairo.

Zahlen und Fakten zum Gaza-Streifen

Größe und Bevölkerungsdichte

1,8 Millionen Menschen auf 360 Quadratkilometern

Junge Bevölkerung

43,2 Prozent der Bewohner in Gaza sind jünger als 15 Jahre (in Deutschland 14 Prozent, Quelle: statistisches Bundesamt). Nur 2,6 Prozent sind älter als 65 (in Deutschland 21 Prozent).

Arbeitslosigkeit

Laut IWF liegt die Arbeitslosigkeit im Gaza-Streifen bei 40 Prozent. Zum Vergleich: In Israel sind es 6,2 Prozent.

Legaler Übergang?

Es gibt nur einen legalen Übergang für Waren: den Grenzposten Kerem Shalom im Süden des Gaza-Streifens nach Israel.

 

Nahrungsmittelhilfe

Laut BBC erhalten 80 Prozent der Bevölkerung irgendeine Form von Nahrungsmittelhilfe, zum Beispiel durch die Uno.

Leitungswasser

Nur 5,5 Prozent des Leitungswassers genügen den Trinkwasserstandards der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Elektrizität

Es gibt nur ein Kraftwerk im Gaza-Streifen, es produziert Strom für circa ein Drittel der Bevölkerung. Mangels Kraftstoff fällt es jedoch regelmäßig aus. Bereits vor Kriegsbeginn hatten die Bewohner Gazas so nur circa acht Stunden Strom pro Tag. Seit den Angriffen auf das Kraftwerk am 29. Juli sind es, wenn überhaupt, noch zwei Stunden Strom pro Tag.

Abwasser

Durch die mangelnde Stromversorgung kann das Abwasser nicht ausreichend behandelt werden. Laut BBC werden daher pro Tag etwa 90 Millionen unbehandeltes Wasser ins Mittelmeer gepumpt.

Milizionäre der Hamas errichteten im Nordteil des Küstenstreifens zahlreiche Kontrollposten, um die Sicherheit der Regierungsdelegation zu gewährleisten. Diese besichtigte zunächst Wohngebiete, die im siebenwöchigen Krieg mit Israel besonders stark zerstört worden waren.

Für die Sitzung des aus parteilosen Fachministern gebildeten Kabinetts war der Präsidentensitz in Gaza-Stadt hergerichtet worden.

Der palästinensische Außenminister Rijad al-Malki sagte, das auf zwei Tage angesetzte Kabinettstreffen solle das Vertrauen der internationalen Geldgeber in die korrekte Verwendung der Spenden für den Wiederaufbau stärken.

„Die Sitzung der Konsensregierung in Gaza ist ein zusätzlicher Nachweis für die in Kairo anwesenden Länder, dass es an der Aufsicht der Autonomiebehörde beim Wiederaufbau im Gazastreifen keinen Zweifel gibt“, sagte der Minister.

Um den stark zunehmenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu unterbinden, hatten die israelischen Streitkräfte das Gebiet im Sommer zu Boden, aus der Luft und von See aus angegriffen und starke Zerstörungen angerichtet. Die Kosten für den Wiederaufbau werden von der Palästinenserregierung vorläufig auf 3,15 Milliarden Euro geschätzt.

Zusagen der internationalen Staatengemeinschaft, diese Mittel aufzubringen, sowie Israels Bereitschaft, Baumaterial über die Grenze zu lassen, hängen entscheidend von der Rolle der Autonomiebehörde ab. Diese soll unterbinden, dass die Hamas Mittel für künftige Angriffe auf Israel abzweigt.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×