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20.01.2014

06:41 Uhr

Bei Protesten gegen Janukowitsch

Oppositionsführer Klitschko gerät zwischen die Fronten

Nachdem der ukrainische Präsident Proteste verboten hatte, lieferten sich Demonstranten heftige Kämpfe mit der Polizei. Auch Klitschko soll angegriffen worden sein. Doch es gibt auch Kritik an dem Oppositionsführer.

Kiew

30 verletzte Polizisten bei gewalttätigen Zusammenstößen

Kiew: 30 verletzte Polizisten bei gewalttätigen Zusammenstößen

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KiewNach Massenprotesten gegen die prorussische Führung ist es in der ukrainischen Hauptstadt Kiew zu Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und der Polizei gekommen. Mehr als 70 Angehörige der Sicherheitskräfte seien verletzt worden, teilte das Innenministerium am Sonntag mit. Zunächst war von 20 Verletzten die Rede. Zahlreiche Milizionäre mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Wütende Anhänger der proeuropäischen Opposition setzten mehrere Einsatzfahrzeuge und Spezialtechnik in Brand. Es gab mehrere Festnahmen.

Nach den heftigen Ausschreitungen sagte Präsident Viktor Janukowitsch die Einsetzung eines Vermittlungsausschusses zugesagt. Die Kommission solle Vertreter aus Regierung und Opposition umfassen, sagte der Oppositionsführer Vitali Klitschko nach einem Treffen mit Janukowitsch am Sonntagabend. Die Mitglieder des Vermittlungsausschusses sollten gemeinsam einen „Weg aus der aktuellen Krise“ finden, sagte Klitschko. Die Präsidentschaft bestätigte seine Angaben kurz darauf und erklärte, die Kommission werde am Montagmorgen unter Vorsitz des Sekretärs des Nationalen Sicherheitsrats, Andrej Kljujew, erstmals zusammenkommen.

Land am Scheideweg – Die Ukraine zwischen Russland und der EU

21. November 2013

Die Regierung in Kiew legt überraschend ein Assoziierungsabkommen mit der EU aus „Gründen der nationalen Sicherheit“ auf Eis. Tausende Menschen demonstrieren dagegen.

25. November

Die inhaftierte Oppositionsführerin Julia Timoschenko tritt aus Protest gegen Kiews Außenpolitik in einen Hungerstreik. Erneut gehen Tausende in Kiew und anderen Städten auf die Straße.

27. November

Präsident Viktor Janukowitsch sagt, die Ukraine sei wirtschaftlich noch nicht reif für ein Abkommen mit der EU. In Kiew demonstrieren Tausende für und gegen eine EU-Annäherung.

1. Dezember

Überschattet von Krawallen fordern Hunderttausende in Kiew den Sturz von Janukowitsch. Bei Zusammenstößen werden im Regierungsviertel mindestens 150 Menschen verletzt. Die Kundgebung auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan bleibt friedlich. Die Opposition um Boxweltmeister Vitali Klitschko fordert den Rücktritt der Regierung und vorgezogene Neuwahlen.

3. Dezember

Die Opposition scheitert mit einem Misstrauensantrag gegen Ministerpräsident Nikolai Asarow. Der Janukowitsch-Vertraute bleibt im Amt. Im Regierungsviertel blockieren Demonstranten den Zugang zu Ministerien.

4. Dezember

Mit einer Dauerblockade des Parlaments will die Opposition den Machtwechsel erzwingen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) besucht in Kiew Demonstranten und würdigt den Kurs der Opposition. Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnt den Westen vor einer Einmischung.

8. Dezember

Bei einem der größten Massenproteste seit Jahren fordert nach Oppositionsangaben eine halbe Million Menschen Neuwahlen. Demonstranten stürzen Kiews zentrale Lenin-Statue.

9. Dezember

Die Behörden leiten Ermittlungen gegen die Opposition wegen eines angeblichen Umsturzversuchs ein. Auslöser sollen Aufrufe zur Blockade des Regierungsviertels gewesen sein. Sicherheitskräfte räumen erste Barrikaden und stürmen das Büro der Vaterlandspartei von Ex-Regierungschefin Timoschenko.

10. Dezember

Hunderte Kräfte der Sondereinheit „Berkut“ (Steinadler) vertreiben Demonstranten aus dem belagerten Regierungsviertel. Die Proteste auf dem Maidan gehen weiter. Polizeikräfte rücken dort gegen die Demonstranten vor. Unterdessen trifft die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zu Vermittlungsgesprächen in Kiew ein.

11. Dezember

Nach internationaler Kritik am Vorgehen der Sicherheitskräfte zieht die Führung einige Sondereinheiten am Vormittag wieder zurück. Innenminister Witali Sachartschenko sagt: „Ich möchte alle beruhigen – der Maidan wird nicht erstürmt.“

Zuvor hatte es im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt nach dem Ende einer Großdemonstration mit rund 200.000 Teilnehmern gewaltsame Zusammenstöße gegeben. Hunderte mit Holzknüppeln ausgerüstete und mit Masken vermummte Oppositionelle hatten versucht, Absperrungen im Regierungsviertel zu durchbrechen, um das Parlamentsgebäude zu stürmen. Einige warfen Steine auf die Polizisten und zündeten Feuerwerkskörper. Die Sicherheitskräfte setzten Blendgranaten und am späten Abend auch einen Wasserwerfer ein – bei etwa minus acht Grad Celsius. Unbestätigten Augenzeugenberichten zufolge gab es nach dem Einsatz von Tränengas mehrere Verletzte. Ein Bus ging in Flammen auf.

Der Oppositionspolitiker und Ex-Boxweltmeister Klitschko wurde angegriffen, als er versuchte, die wütende Menge zu beruhigen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie er mit einem Feuerlöscher besprüht wurde. Zahlreiche Demonstranten hatten kurz zuvor auf einer Massenkundgebung auf dem zentralen Unabhängigkeitsplatz ihren Unmut darüber gezeigt, dass die Opposition nach zwei Protestmonaten keine Fortschritte erzielt habe. Bis zu 100.000 Menschen hatten gegen demokratische Rückschritte in der Ex-Sowjetrepublik demonstriert.

Kommentare (2)

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Pequod

20.01.2014, 09:32 Uhr

Wer finanziert eigentlich diesen Aufstand gegen
die demokratisch gewählte ukrainische Regierung?
So soll die versprochene offene Tür zur 'EU', die
der EUdSSR bisher verschlossen ist, nun offensicht-
lich von westlicher Seite mit Gewalt eingetreten
werden.

Nachdenker

20.01.2014, 10:21 Uhr

Das ganze ist eine reine Inszenierung des Westens! Brüssel, besonders Deutschland haben eine großes Interesse an der Ukraine. Warum wohl? Aus reiner Menschenfreundlichkeit bestimmt nicht! Sondern wegen den Rohstoffen die in der Ukraine im Boden schlummern!!

Kapitalismus bedeute Kriege und Armut.Es gibt nur wenige wahre Gewinner.

http://kenfm.de/blog/2013/12/26/super-marionetten/

Und der Kapitalismus wird sich wieder über eine große Krise retten. Blut fliesst ja nun bereits zu Hauf!

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