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11.01.2016

14:04 Uhr

Belagerte Stadt Madaja

Hungernde Menschen in Syrien hoffen auf Hilfe

Tausende Menschen in der belagerten syrischen Stadt Madaja sind vom Hungertod bedroht. Etliche Bewohner sind laut Hilfsorganisationen bereits gestorben. Nun besteht neue Hoffnung auf eine Lebensmittel-Lieferung.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres gab es Hilfskonvois in die belagerte syrische Stadt Madaja. dpa

Hilfskonvoi für Madaja

Bereits im Oktober vergangenen Jahres gab es Hilfskonvois in die belagerte syrische Stadt Madaja.

DamaskusDie Tausenden vom Hungertod bedrohten Menschen in der belagerten syrischen Stadt Madaja sollen am Montag dringend benötigte Lebensmittel erhalten. Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sollen Lastwagen gegen Mittag dort eintreffen.

Regierungstruppen und deren Verbündete belagern die von Rebellen gehaltene Stadt seit einem halben Jahr. Aktivisten und Hilfsorganisationen zufolge starben zahlreiche Bewohner an den Folgen von Unterernährung.

Nach UN-Angaben hatte das Regime in Damaskus am Donnerstag Hilfslieferungen an die etwa 40 000 Menschen in Madaja zugestimmt. Ein ursprünglich für Sonntag geplanter Transport musste laut IKRK aus logistischen Gründen verschoben werden.

Pawel Krzysiek, IKRK-Sprecher in dem Bürgerkriegsland, sagte der Deutschen Presse-Agentur, „grundsätzlich“ werde der Transport der Güter am Montag beginnen. Zeitgleich zu der Hilfe für Madaja sollen demnach Lieferungen in die von Rebellen belagerten Orte Fua und Kefraja im Nordwesten Syriens gehen. Außer Nahrungsmitteln will das IKRK „Medizin und Artikel für die medizinische Grundversorgung, chronische Krankheiten, Schwangere und Säuglinge liefern“.

Hilfsorganisationen konnten nach eigenen Angaben zuletzt im Oktober Lieferungen nach Madaja bringen. Aktivisten berichteten, die Menschen ernährten sich von Blättern, Hunden und Katzen.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Wie die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) mitteilte, starben am Sonntag in Madaja fünf weitere Menschen an den Folgen von Mangelernäherung. Bei ihnen handele es sich um einen neunjährigen Jungen und vier Männer von mehr als 45 Jahren. Zuvor hatte die Hilfsorganisation von mindestens 23 Menschen berichtet, die seit Dezember unterernährt in der Stadt gestorben seien. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

MSF dringt auf eine fortlaufende Versorgung der Menschen in Madaja. Eine einzelne Hilfslieferung reiche nicht aus.

Unterdessen stieg die Zahl der Toten nach einem russischen Luftangriff auf ein Gerichtsgebäude mit angeschlossenem Gefängnis im Nordwesten des Landes weiter an. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei in der Stadt Maarat al-Numan mindestens 81 Menschen getötet, darunter 52 Zivilisten und Häftlinge.

Auch 23 Mitglieder der radikalislamischen Al-Nusra-Front, die den Gebäudekomplex unter Kontrolle hielt, seien ums Leben gekommen. Al-Nusra ist der syrische Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida.

Von

dpa

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