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28.06.2014

16:17 Uhr

Belagerung von Tikrit

Irakische Armee geht in die Großoffensive

Tausende irakische Soldaten rücken gegen die Isis-Kämpfer vor: Tikrit, Saddam Husseins Geburtsort, ist unter Beschuss. Das US-Militär lässt Kampfdrohnen über Bagdad fliegen – und auch al-Kaida greift in den Konflikt ein.

Irakische Soldaten bei Arar nahe der Grenze zu Saudi-Arabien, 500 Kilometer südlich von Bagdad. dpa

Irakische Soldaten bei Arar nahe der Grenze zu Saudi-Arabien, 500 Kilometer südlich von Bagdad.

BagdadDie irakische Armee hat eine Großoffensive zur Rückeroberung von Tikrit begonnen. Tausende Soldaten rückten am Samstag auf die Heimatstadt des früheren Machthabers Saddam Hussein vor, die die Isis-Rebellen am 11. Juni unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Unterstützt wurden sie von Kampfflugzeugen, die nach Regierungsangaben Stellungen der Dschihadisten in Tikrit bombardierten. Das US-Militär lässt unterdessen bewaffnete Kampfdrohnen über der Hauptstadt Bagdad fliegen.

"Eine große Militäroperation ist heute gestartet, um Tikrit von Isis zur säubern", sagte Generalleutnant Sabah Fatlawi der Nachrichtenagentur AFP. "Die Isis-Kämpfer haben nur zwei Möglichkeiten - fliehen oder getötet werden." Tikrit ist neben Mossul eine der größten Städte in der Hand der Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis), die seit Anfang Juni weite Teile des Nordiraks erobert hat.

Wie der für Sicherheitsfragen zuständige Sprecher von Ministerpräsident Nuri al-Maliki, Generalleutnant Kassem Atta, im Fernsehen sagte, hat die Armee mittlerweile die Kontrolle über die Straße von Bagdad nach Samarra im Süden von Tikrit übernommen. Am Donnerstag hatte die Armee bereits das Universitätsgelände am Stadtrand zurückerobert.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Die nun gestartete Militäroffensive ist die bisher größte Aktion der irakische Streitkräfte seit dem Beginn der Isis-Offensive vor bald drei Wochen. Nach Angaben von Kassem arbeitet die Armee auch mit den USA zusammen, um "wichtige Ziele" für den Kampf gegen die Islamisten auszumachen.

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