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15.07.2014

10:10 Uhr

Belastungen für die Weltwirtschaft

Nahost-Krise schürt Angst vor Flächenbrand

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer Ausbruch der Gewalt im Nahen Osten alarmiert Ökonomen. Sie befürchten, dass sich der regionale begrenzte Konflikt zu einem Flächenbrand ausbreiten könnte – mit verheerenden Konsequenzen für die Weltwirtschaft.

Krise in Nahost

Ägypten schlägt Waffenruhe vor

Krise in Nahost: Ägypten schlägt Waffenruhe vor

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BerlinIm Gazastreifen wächst nach Raketenangriffen auf Israel die Gefahr eines neuen Krieges zwischen Israel und radikalen Palästinensern. Der Konflikt ist zwar regional begrenzt. Dennoch sind Experten besorgt. Was, wenn sich die Krise weiter zuspitzt, wenn Anrainer-Staaten sich einmischen? Inzwischen schlugen auch aus dem Libanon und aus Syrien Raketen in Israel ein. Die israelische Armee schoss nach eigenen Angaben in beiden Fällen zurück.

Ungeachtet einer von Israel akzeptierten Feuerpause beschossen militante Palästinenser am Dienstag erneut den Süden Israels. Mindestens eine Rakete sei auf freiem Feld gelandet, sagte eine Armeesprecherin. Das Militär prüfe Berichte über weitere Geschosse. Zuvor hatte das israelische Sicherheitskabinett einen von Ägypten vorgelegten Fahrplan für eine Waffenruhe akzeptiert. Demnach trat eine Feuerpause am Dienstagmorgen um 8.00 Uhr MESZ in Kraft. Die Hamas lehnte die Waffenruhe jedoch ab.

Überschattet werden die Ereignisse von anderen in der Region schwelenden Konflikten. Das lässt auch die Finanzmärkte nicht unbeeindruckt. In die gute, teil euphorische Hochstimmung an den Börsen mischt sich inzwischen auch Skepsis. „Zu der Unsicherheit über die Konjunkturentwicklung und den ohnehin noch schwelenden Krisen im Irak und der Ukraine hat sich seit noch Nahost gesellt, fasste ein Händler kürzlich die momentane Lage zusammen. Und Marktanalyst Jens Klatt von DailyFX äußerte die Sorge, dass das erneute Aufflammen des Gaza-Konflikts „durchaus Potenzial für einen Flächenbrand in der ganzen Region“ habe.

Einige Ökonomen teilen die Sorge. „Sollte gar eine Verbindung der bisher getrennten Auseinandersetzungen im Nahen Osten zu einem militärischen Großkonflikt einsetzen, hätte dies für die Weltwirtschaft gravierende Konsequenzen“, sagte der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, Handelsblatt Online. Derzeit strahlten die Entwicklungen im Nahen Osten jedoch noch nicht auf die Weltwirtschaft aus, alles hänge am Rohölangebot.

Aber, warnt Kater: „Ein Ausfall der irakischen Kapazitäten aus dem Süden wäre bereits eine merkbare Marktbeeinträchtigung, die den Rohölpreis weiter ansteigen lassen würde.“ Sein Institut beobachte daher die Entwicklungen „aufmerksam“, Prognosen hätten aber nicht angepasst werden müssen.

Forderungen der Hamas und Israels für eine Waffenruhe

Härterer Schlagabtausch

Israel und die militanten Palästinenser im Gazastreifen liefern sich einen immer härteren Schlagabtausch. Beide Seiten haben Bedingungen für eine neue Waffenruhe genannt. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden, hat fünf Forderungen aufgestellt:

Erste Forderung

Ende der Blockade des Gazastreifens

Zweite Forderung

Ende der israelischen Militäroperationen im Westjordanland, in Ost-Jerusalem und im Gazastreifen

Vierte Forderung

Israel soll Sabotageversuche des Versöhnungspakts zwischen Hamas und der gemäßigten Fatah stoppen

Dritte Forderung

Israel soll alle Palästinenser freilassen, die vor drei Jahren im Tausch gegen den israelischen Soldaten Gilad Schalit freigekommen waren und dann wieder festgenommen wurden

Fünfte Forderung

Israel soll die Arbeit der neuen palästinensischen Einheitsregierung von Fatah und Hamas nicht stören. Die Palästinenserbehörde soll nicht daran gehindert werden, Gehälter an rund 42.000 Angestellte der Hamas im Gazastreifen auszuzahlen.

Israels Forderung

Israel fordert als Bedingung für ein Ende seiner Angriffe im Gazastreifen einen Stopp der Raketenangriffe militanter Palästinenser auf israelische Städte und eine Wiederherstellung der Ruhe.

Das dürfte auch daran liegen, dass sich die Ölpreise nach den Kursverlusten in der Vorwoche zunächst wenig verändert haben. Am Montagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August 106,78 Dollar. Das waren 12 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Referenz-Sorte WTI fiel hingegen um 24 Cent auf 100,59 Dollar.

Kommentare (6)

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Herr Kurt Siegel

15.07.2014, 08:30 Uhr

Die Gefahr hinsichtlich des Ausbruchs eines Flächenbrandes im Nahen Osten ist mehr als begründet, da auf beiden Seiten jeweils die hardliner das Sagen haben und keinerlei Kompromißbereitschaft zeigen.

Die Raketen (und jetzt wohl sogar Drohnen) der Hamas werden immer ausgereifter und es ist m.E. nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Hochhaus in Tel Aviv getroffen wird oder worst case sogar atomar verseuchte Granaten verschossen werden.

Frau Lisa Walter

15.07.2014, 11:00 Uhr

Der Flächenbrand existiert schon seit Jahren, nur passt die Ursache nicht in das Weltbild der meisten deutschen Meinungsmacher.
Z.B. in Nigeria morden religiösen Extremisten täglich Menschen, alleine gestern wurden in einem Dorf 38 Christen getötet. In Ägypten wählte man nach der Revolution einen Präsidenten, der Juden als Nachfolger von Schweinen und Affen bezeichnete und der im TV Aufrief Kinder zum Hass gegen Juden zu erziehen. Und unsere Presse? Sie schweigt zu solchen Fällen. Selbst in Europa ziehen hunderte Jugendliche nach Syrien in den Jihad. Und uns wurde jahrelang erzählt, dass der moderate Euroislam für Friede sorgen wird. Wie nach Hitler Machtergreifung ist auch heute der aufziehende Faschismus nicht schwer zu erkennen, aber damals wir heute (bei der religiösen Variante) verschließen wir die Augen.

Sergio Puntila

15.07.2014, 11:03 Uhr

Vielleichz braucht es noch etwas mehr Zeit, bis begriffen wird, dass auch dieser längst existierende Flächenbrand als das begriffen wird, was er auch ist: nämlich als längst nicht mehr beherrschbar.

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