Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.08.2012

19:57 Uhr

Belgisches AKW

Atomaufseher beraten über Zwischenfall

Nach der Entdeckung von Schäden an einem Atomkraftwerk sind zwei Reaktoren zur Kontrolle abgeschaltet worden. Sollten die Kraftwerke nicht wieder ans Netz gehen können, trifft das die belgische Stromversorgung hart.

Am Reaktor Doel 3 wurden Risse in der Stahlhülle entdeckt. AFP

Am Reaktor Doel 3 wurden Risse in der Stahlhülle entdeckt.

BrüsselAlarmiert durch die Entdeckung möglicher Materialschäden an einem belgischen Kernkraftwerk sind Experten europäischer Atomaufsichtsbehörden zu Beratungen in Brüssel zusammengekommen. Dabei informierte die belgische Seite ihre Kollegen über den Stand der Inspektionen am stillgelegten Reaktor Doel 3 nahe Antwerpen, an dessen Stahlhülle im Juni etliche Hinweise auf feine Risse entdeckt wurden. An der Sitzung am Donnerstag nahmen auch Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Schwedens, der Niederlande, Spanien und der USA teil - jener Länder, in die 19 Fabrikate des gleichen Herstellers geliefert wurden.

Nach Angaben der Betreiberfirma Electrabel sollen die Untersuchungen an der Hülle des Druckwasserreaktors bis Ende September abgeschlossen sein. Die belgische Atomaufsichtsbehörde AFCN hegt Zweifel an diesem Zeitplan. Ob Doel 3 danach wieder ans Netz geht, sei völlig offen.

Der Reaktor war in den 70er Jahren von der niederländischen Firma Rotterdamsche Droogdok Maatschapij konstruiert und 1982 in Betrieb genommen worden. Als Reaktion auf den Zwischenfall wurde zudem am Donnerstag auch Block 2 des nahe Lüttich gelegenen Atomkraftwerks Tihange heruntergefahren, dessen Reaktordruckbehälter vom gleichen Hersteller gefertigt wurde.

"Ich möchte betonen, dass Doel 3 und Tihange 2 zurzeit abgeschaltet sind und somit keine Gefahr für die Bevölkerung, Mitarbeiter oder Umwelt besteht", sagte AFCN-Generaldirektor Willy De Roovere. Der Schadensverdacht werde "sehr ernst" genommen, deshalb habe man auch die internationalen Behördenvertreter nach Brüssel geladen. Von deutscher Seite saßen dabei Vertreter der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mit am Tisch. Für Oktober vereinbarten alle Parteien ein weiteres Treffen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

vandale

16.08.2012, 22:44 Uhr

Risse in Reaktorbehältern sind kein ganz neues Phänomen.

In der Schweiz hat man aufgrund von Rissen im Reaktor von Mühleberg diesen mit Stahlankern gesichert und das Kernkraftwerk liefert noch heute und hoffentlich noch lange Strom.
Das gleiche trat im Kernkraftwerk Würgassen auf. Die ökoreligiös, ausstiegsorientierten Behörden NRWs lehnten eine Sicherung des Reaktorbehälters durch Stahlanker ab. RWE/AEG schlug vor einen neuen Reaktorbehälter einzubauen worauf die Behörden drohten das RWE das ganze Genehmigungsverfahren wiederholen müsse und so gab RWE auf.
Bislang hat man zwar bei zahlreichen Kernkraftwerken die Dampferzeuger ausgetauscht, Reaktordeckel mit Einbauten ausgetauscht, aber in der Tat noch keinen Reaktorbehälter ersetzt. Technisch gesehen ist dies möglich, allerdings sehr teuer. Aufgrund der mangelnden politischen Sicherheit, bzw. dem Ausstiegwillen zahlreicher Politiker in Belgien wird das Kraftwerk vorraussichtlich stillgelegt werden.

Vandale

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×