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29.07.2014

19:50 Uhr

Bemühungen um Waffenruhe

USA kontern israelische Kritik an Kerry

Die USA sind empört über israelische Kritik an den Bemühungen von Außenminister Kerry. Washington reagiert in ungewöhnlich scharfer Form. Das Verhältnis zwischen den Ländern ist aber nicht so schlecht, wie es scheint.

US-Außenminister John Kerry traf sich auch mit Vertretern aus Katar und der Türkei. Das störte israelische Medien. Reuters

US-Außenminister John Kerry traf sich auch mit Vertretern aus Katar und der Türkei. Das störte israelische Medien.

Washington Die USA haben verstimmt auf israelische Kritik an den Bemühungen von US-Außenminister John Kerry reagiert, eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt zu vermitteln. Der Chefdiplomat selbst wies die Kritiker am Dienstag in Washington in die Schranken. „Persönliche Angriffe stören mich nicht“, sagte Kerry. Ihm und US-Präsident Barack Obama gehe es darum, die grundlegenden Probleme des Konfliktes am Verhandlungstisch zu lösen.

Israelische Medien hatten Missfallen darüber bekundet, dass sich der US-Außenminister auch mit Vertretern von Katar sowie der Türkei traf und damit angeblich das Gleichgewicht in den Gesprächen zugunsten der Hamas veränderte. Die linksliberale Zeitung „Haaretz“ kritisierte, dass in dem Entwurf für eine Waffenruhe Israels Sicherheitsbedürfnisse praktisch nicht erwähnt worden seien. Beispielsweise müssten Raketen und schwere Waffen aus dem Gazastreifen abgezogen und „Terrortunnel“ zerstört werden, die vom Gazastreifen nach Israel führten. Ein Kommentator der „Haaretz“ bezeichnete das Vorgehen Kerrys als fahrlässig.

Der US-Außenminister betonte, er habe ein gutes Verhältnis zum israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und spreche weiterhin regelmäßig mit ihm über die Bedingungen einer Waffenruhe. Es sei auch Netanjahu gewesen, der um die amerikanische Vermittlung gebeten habe. Zudem habe er in seinen Jahrzehnten als US-Senator immer hundertprozentig zu Israel gehalten, sagte Kerry.

Israelische Militäreinsätze im Gazastreifen

28. Juni 2006

Drei Tage nach der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit durch ein palästinensisches Kommando startet die israelische Armee die erfolglose Operation „Sommerregen“. Frei kommt Schalit erst im Oktober 2011 im Austausch für 1027 Gefangene.

Quelle: AFP

1. bis 7. November 2006

Beim Einsatz „Herbstwolken“ im Norden des Gazastreifens werden 56 Palästinenser getötet, die Hälfte Zivilisten. Am 26. November beendet die Armee eine fünfmonatige Offensive, bei der insgesamt mehr als 400 Palästinenser starben.

15. Juni 2007

Die radikalislamische Hamas übernimmt nach einwöchigen Kämpfen mit den Milizen der Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Macht im Gazastreifen. Die Fatah kontrollierte seither nur noch das Westjordanland. Im September erklärt Israel den Gazastreifen zur „feindlichen Einheit“.

27. Februar bis 3. März 2008

Nach dem Tod eines Israeli bei einem palästinensischen Raketenangriff startet Israel den Militäreinsatz „Heißer Winter“, bei dem mehr als 120 Palästinenser getötet werden. Im Juni wird nach monatelanger Gewalt schließlich eine Waffenruhe vereinbart.

27. Dezember 2008

Wegen anhaltenden Raketenbeschusses startet Israel die Großoffensive „Gegossenes Blei“, bei der nach massiven Luftangriffen auch Bodentruppen im Gazastreifen zum Einsatz kommen. Bis zum Waffenstillstand am 18. Januar 2009 sterben 1400 Palästinenser und 13 Israelis.

31. Mai 2010

Die israelische Armee stürmt das Schiff „Mavi Marmara“, das trotz israelischer Warnungen mit anderen Booten Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen will. Zehn türkische Aktivisten sterben.

April 2011

Bei einem neuen Gewaltausbruch werden 150 Geschosse auf Südisrael gefeuert; 20 Palästinenser sterben bei nachfolgenden Luftangriffen.

August 2011

Anschläge nahe des südisraelischen Badeorts Eilat mit acht israelischen Todesopfern lösen im und um den Gazastreifen eine Welle der Gewalt aus, in der 26 Palästinenser und ein Israeli umkommen.

März 2012

Israelischen Luftangriffe töten 25 Palästinenser, darunter 14 bewaffnete Kämpfer. Aus dem Gazastreifen werden über 250 Geschosse auf Israel abgefeuert.

Juni 2012

Gezielt werden zwei Kämpfer des Islamischen Dschihad getötet; es folgen einwöchige Luftangriffe mit 15 toten Palästinensern, während 152 Raketen in Südisrael einschlagen und fünf Israelis verletzen.

Oktober 2012

Bei militärischen Reaktionen auf 120 Raketenangriffe sterben 15 Palästinenser.

14. bis 21. November 2012

Mit der gezielten Tötung des Hamas-Kommandeurs Ahmed Dschaabari in Gaza-Stadt beginnt die israelische Militäroperation „Säule der Verteidigung“. Während der achttägigen Operation sterben bei hunderten Luftangriffen und massivem Raketenbeschuss 177 Palästinenser und sechs Israelis, in der großen Mehrzahl Zivilisten. Ägypten vermittelt einen Waffenstillstand, der 2013 zu relativer Ruhe führt.

Anfang 2014

Im ersten Quartal nimmt der Raketenbeschuss durch Islamisten, die mit der Hamas rivalisieren, wieder zu. Bei Luftangriffen sterben vier Palästinenser.

Ab Mitte Juni nehmen nach der Entführung von drei israelischen Jugendlichen und nachfolgenden breiten Militäroperationen im Westjordanland gegen die Hamas auch in Gaza Raketenbeschuss und Luftangriffe massiv zu.

Ab 8. Juli 2014

Israel startet die Operation „Schutzrand“ mit dem Ziel, den Raketenbeschuss dauerhaft zu stoppen. 40.000 Reservisten werden mobilisiert, um je nach Entwicklung eine Bodenoffensive zu starten.

Innerhalb der ersten 40 Stunden wurden mehr als 430 Ziele von israelischer Luftwaffe und Marine angegriffen; 39 Palästinenser werden getötet und über 300 verletzt. Im gleichen Zeitraum feuern Islamisten 143 Raketen auf Israel ab, von denen 61 im Flug durch Abwehrgeschütze zerstört werden. Mehr als 50 Raketen zielen auf israelische Städte, darunter Jerusalem und Tel Aviv.

US-Außenamtssprecherin Jen Psaki hatte am Montag verärgert von einer bewussten Desinformationskampagne aus Israel gesprochen. „Aus unserer Sicht ist das einfach nicht die Art, wie Partner und Verbündete miteinander umgehen“, sagte sie. Psaki betonte, dass ein vertrauliches Ideenpapier aus dem Umfeld Kerrys offenbar an israelische Medien ging. Es habe sich bei dem Papier nie um einen offiziellen US-Vorschlag gehandelt.

US-Sicherheitsberaterin Susan Rice hatte erklärt, die USA seien über Schilderungen in der israelischen Presse bestürzt, die die Bemühungen Kerrys nach ihren Worten in ein falsches Licht rückten.

Von

dpa

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