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13.12.2011

11:31 Uhr

Benoit Coeure

„Die EZB muss pragmatisch sein“

Die Europäische Zentralbank muss nach Ansicht ihres designierten Direktoriumsmitglieds Benoit Coeure notfalls ihre umstrittenen Anleihenkäufe hochfahren. Diese Maßnahmen der Zentralbank seien aber nicht unbegrenzt.

Designierter Direktoriumsmitglied der EZB: Benoit Coeure dpa

Designierter Direktoriumsmitglied der EZB: Benoit Coeure

StraßburgDas designierte EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure hat einen kleinen Türspalt für eine mögliche Ausweitung der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) geöffnet. „Sollten wir feststellen, dass die Wirkung unserer Geldpolitik gestört ist, dann sollten wir mehr tun“, sagte der Franzose am Montagabend bei einer Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des EU-Parlaments in Straßburg. Die EZB müsse in jedem Fall wachsam bleiben und auf mögliche Entwicklungen reagieren. „Wir müssen pragmatisch sein und abhängig von der Marktentwicklung das Notwendige tun.“

Die Maßnahmen der Notenbanken gegen die Krise

August 2007

Die Probleme an den Hypotheken- und Kreditmärkten greifen auf den Interbanken-Geldmarkt über. EZB und Fed sehen sich gezwungen, zusätzlich Liquidität in den Markt zu pumpen.

12. Dezember 2007

Die Notenbanken in den fünf wichtigsten Währungsräumen greifen gemeinsam ein, um ein Austrocknen der Geldmärkte zu verhindern.

15. September 2008

Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers öffnen die großen Zentralbanken die Geldschleusen, um mitten in der Panik an den Finanzmärkten die Geschäfte am Geldmarkt am Laufen zu halten.

8. Oktober 2008

Die wichtigsten Notenbanken weltweit senken gemeinsam die Zinsen - ein historischer Schritt. 4. Dezember 2008: Die EZB senkt ihren Leitzins überraschend um einen dreiviertel Prozentpunkt auf 2,5 Prozent. Es ist der größte Zinsschritt seit der Einführung des Euro und der Gründung der europäischen Notenbank.

16. Dezember 2008

Die Fed kappt ihren Leitzins auf eine Spanne zwischen null und 0,25 Prozent - ein Rekordtief.

18. März 2009

US-Notenbankchef Bernanke kündigt den Ankauf von Staatspapieren für zunächst 300 Milliarden Dollar an. Die Fed erweitert außerdem ihre bestehenden Programme zur Stützung der Kreditmärkte und Banken auf rund eine Billion Dollar.

7. Mai 2009

Die EZB senkt ihren Leitzins auf das Rekordtief von einem Prozent.

24. Juni 2009

Die EZB stellt den Banken der Euro-Zone erstmals für ein ganzes Jahr Liquidität zur Verfügung. Mehr als 1000 Banken rufen die Riesensumme von 442 Milliarden Euro ab.  6. Juli 2009: Die EZB beginnt offiziell mit dem Ankauf von Pfandbriefen.

16. Dezember 2009

224 Banken aus der Euro-Zone rufen beim letzten Jahrestender der EZB knapp 100 Milliarden Euro ab. Das ist ein Wendepunkt.

19. Februar 2010

Die Federal Reserve erhöht den Zinssatz für Übernachtkredite von 0,5 auf 0,75 Prozent und verteuert damit Notkredite für Banken erstmals seit Ausbruch der Krise.

25. März 2010

EZB-Chef Trichet kündigt an, dass die Notenbank auch über das Jahresende 2010 hinaus Sicherheiten mit einem schwächeren Rating als „A-“ akzeptieren wird. Sie hilft damit indirekt den griechischen Banken und erleichtert die Refinanzierung Griechenlands.

10. Mai 2010

Die EZB kündigt im Kampf gegen die eskalierende Schuldenkrise in der Euro-Zone an, am öffentlichen und privaten Anleihemarkt in großem Stil aktiv werden zu wollen. Die Notenbank gibt damit ihren Widerstand gegen den Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Länder auf, der Kritikern zufolge zu einem Ansteigen der Inflation führen könnte. Laut EU-Vertrag kann die EZB die Anleihen nur am Sekundärmarkt erwerben und nicht direkt bei den Regierungen.

10. August 2010

Die Fed stoppt unter dem Eindruck der nur zähen Konjunkturerholung in den USA und der andauernden Misere am Arbeitsmarkt den begonnenen Exit. Sie will Geld, dass sie durch Fälligkeit bereits erworbener Immobilienpapiere bekommt, wieder reinvestieren und neue Staatsanleihen kaufen.

5. Oktober 2010

Japans Notenbank zieht im Kampf gegen Wirtschaftskrise, Deflation und den starken Yen weitere Register. Sie senkt den Leitzins auf null und legt einen fünf Billionen Yen (60 Milliarden Dollar) schweren Fonds auf, über den sie die unterschiedlichsten Wertpapiere ankaufen und so weiteres Geld in die Wirtschaft pumpen will.

3. November 2010

Die Fed beschließt den Ankauf von weiteren Staatsanleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar bis Ende der ersten Jahreshälfte 2011. Zusätzlich sollen auslaufende Papiere aus dem Bestand ersetzt werden. Insgesamt hat die neuerliche Geldspritze damit ein Volumen von 850 bis 900 Milliarden Dollar.

16. Dezember 2010

Die EZB beschließt eine Verdoppelung ihres Grundkapitals auf knapp elf Milliarden Euro. Bezahlen müssen dies die ihr angeschlossenen nationalen Notenbanken: Die Bundesbank muss entsprechend des Kapitalschlüssels gut eine Milliarde Euro auf ihren Anteil dazupacken.

18. März 2011

Nach Erdbebenkatastrophe, Tsunami und Atomdebakel in Japan intervenieren die wichtigsten Notenbanken der Welt gemeinsam am Devisenmarkt.

8. August 2011

Die EZB beginnt mit dem Ankauf von Anleihen Italiens und Spaniens. Beide Länder waren zuvor ins Visier der Märkte geraten.

9. August 2011

Die Fed erklärt, dass sie ihren Leitzins wegen der mauen Konjunktur noch für „mindestens“ zwei Jahre nahe Null halten will.

30. November 2011

In einer koordinierte Aktion stellen EZB und Fed sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz den von der Krise gebeutelten europäischen Banken Dollar zur Verfügung. Den Instituten fiel es zuletzt schwer, sich Dollar-Kredite zu beschaffen - viele US-Investoren haben ihnen aus Angst vor den Folgen der Schuldenkrise den Geldhahn zugedreht. Fast gleichzeitig lockert auch die chinesische Notenbank unerwartet ihre Geldpolitik. Sie senkte erstmals seit drei Jahren die Mindestreserve-Anforderungen der Banken.

8. Dezember 2011

Die EZB senkt einerseits ihren Leitzins wieder auf das Krisenniveau von einem Prozent ab. Zudem versucht sie mit einem ganzen Maßnahmenbündel, den kriselnden Geldmarkt wieder flottzumachen und das Vertrauen der Banken zu stärken: Dazu senkt sie einerseits zum ersten Mal seit Bestehen des Euro ihre Mindestreserveanforderung auf ein von zwei Prozent. Darüber hinaus kündigt sie erstmals zwei Refi-Geschäfte mit den Banken über eine Laufzeit von drei Jahren an und lockert ihre Anforderungen an Sicherheiten weiter.

22. Dezember 2011

Beim ersten Drei-Jahres-Geschäft der EZB sichern sich die Banken der Euro-Zone die gigantische Summe von 489 Milliarden Euro.

17. Februar 2012

Die EZB entzieht sich in einer Nacht- und Nebelaktion der anstehenden Umschuldung Griechenlands. Sie begründet ihr umstrittenes Vorgehen mit dem Verbot direkter Staatsfinanzierung, das verletzt worden wäre, wenn sie Verlusten auf ihre Anleihebestände akzeptiert hätte.

29. Februar 2012

Beim zweiten Drei-Jahrestender der EZB ist die Nachfrage noch größer - 530 Milliarden Euro.

Mai 2012

Der EZB-Rat lässt erstmals in der Geschichte der Währungsunion Banken nicht mehr bei Refinanzierungsgeschäften zu; betroffen sind vier griechische Banken. Sie sind für einige Tage auf Nothilfe der griechischen Zentralbank angewiesen. Nach erfolgter Rekapitalisierung dürfen die Institute wieder an den Tender-Operationen der EZB teilnehmen.

22. Juni 2012

Die EZB weicht ihre Anforderungen an bestimmte Sicherheiten weiter auf. Ziel der Erleichterungen sind vor allem spanische Banken, die nach dem Platzen der Immobilienblase dort auf unzähligen qualitativ inzwischen fragwürdiger Wertpapieren sitzen.

5. Juli 2012

Die EZB senkt erstmals in ihrer Geschichte den Leitzins auf 0,75 Prozent und damit unter ein Prozent. Sie kappt zudem den Einlagesatz erstmals auf null Prozent. In London startet die Bank von England eine weitere Runde von Anleihekäufen und nimmt dafür zusätzlich 50 Milliarden Pfund in die Hand.

Coeure verteidigte die umstrittenen Anleihekäufe der EZB. Diese hätten eine positive Wirkung auf die Finanzmärkte gehabt. Coeure wird Anfang 2012 dem Italiener Lorenzo Bini Smaghi folgen, der seinen Posten im Direktorium außerplanmäßig aufgibt. Hintergrund ist die Ernennung seines Landsmanns Mario Draghi zum EZB-Chef. Der Präsident stellt zusammen mit dem EZB-Vizechef und vier weiteren Mitgliedern das geschäftsführende Direktorium. Es gilt als ungeschriebene Regel, dass kein Land zwei Mitglieder des Gremiums stellt.

Die EZB kauft seit dem Frühjahr 2010 Staatstitel angeschlagener Euro-Länder. Seither hat sie Anleihen im Wert von rund 207 Milliarden Euro erworben. Die Käufe gelten als umstritten, weil der Notenbank eine direkte Staatsfinanzierung verboten ist. Die EZB kauft die Papiere aber nicht direkt von den Staaten, sondern am Sekundärmarkt, wo bestehende Anleihen gehandelt werden.

Nicht wenige Ökonomen, insbesondere aus den USA und Großbritannien, fordern seit längerem eine spürbare Ausweitung der Käufe. Sie argumentieren, nur die EZB könne die derzeit sehr hohen Finanzierungskosten einzelner Euro-Länder über niedrigere Renditen drücken und damit die kurzfristigen Probleme der Schuldenkrise in den Griff bekommen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

13.12.2011, 13:11 Uhr

Der Euro als "politisches Projekt" vernichtet die Ersparnisse und Renten der Deutschen vollständig. Das ist uns nicht versprochen worden. Wenn uns vorher gesagt worden wäre, dass der Euro sich so entpuppt, dann hätte es wohl einen Aufstand gegeben.
So sind die trägen Deutschen mit Durchhalteparolen und in Goebbelscher Manier vorgetragenen Lügen zum Euro zufrieden - allmählich ändert sich die Situation. Und daran werden sich die Deutschen gewöhnen. Auch an die kommende EUSSR. Die Deutschen machen immer weiter bis zur absoluten Katastrophe! Die "kämpfen" noch für den Euro, wenn die anderen Europäer pragmatisch eigene Währungen gedruckt haben. Das werden sie allerdings unterlassen, solange in Deutschland noch was zu holen ist. Eine schöne Zeit, nicht wahr? Und euphemistisch verbrämt wird das Ganze als "Projekt Europa", "Bundesstaat Europa", etc. So einfach ist es, die Deutschen klein zu halten und auszunehmen.
Aber warum machen da die Holländer mit?

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