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25.02.2013

22:13 Uhr

Beppe Grillo

Entertainer mit Wut auf das System

Beppe Grillo ist ein Überraschungserfolg gelungen. Der Komiker wird im Senat mit seiner Bewegung auf Anhieb offenbar zweitstärkste Einzelpartei. Mario Monti hatte vor Grillo gewarnt.

Beppe Grillo: Mehr als 884.000 Follower auf Twitter und über eine Million Gefällt-mir-Klicks auf Facebook. Reuters

Beppe Grillo: Mehr als 884.000 Follower auf Twitter und über eine Million Gefällt-mir-Klicks auf Facebook.

RomBeppe Grillo schimpft seit Jahren auf die Politik und die etablierten Parteien in Italien. Damit trifft der Kabarettist einen Nerv bei den politikmüden Italienern. Gleichzeitig hat ihm das den Ruf eines Demagogen und Populisten eingebracht. Mit seiner Protestbewegung „Movimento 5 Stelle“ (Bewegung fünf Sterne), die Grillo 2009 gründete, hat der 64-Jährige den Wahlkampf in Italien aufgemischt und trotz der Kritik einen beachtlichen Erfolg geschafft.

Den ersten Hochrechnungen zufolge ist sein Bündnis zweitstärkste Einzelpartei im Senat und kommt sensationell auf knapp 25 Prozent. Im Abgeordnetenhaus landete es auf Anhieb bei rund 26 Prozent und ist auch hier zweitstärkste Kraft. Grillo war einer der Gewinner der vergangenen Wahlkampf-Wochen. Zehntausende kamen zu seinen Kundgebungen auf den Plätzen des Landes. Grillos Erfolg beunruhigte auch die anderen Parteien. Monti warnte, es dürfte schwierig sein, mit Grillos Bewegung im Parlament zu regieren.

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Dabei wehrte sich der graue Lockenkopf mit der spitzen Zunge lange dagegen, in die Politik einzusteigen. Grillo wurde in den 1990er Jahren zu einem der bekanntesten TV-Entertainer Italiens. Seine Auftritte gingen immer mehr in eine politische und satirische Richtung. 2005 entdeckte Grillo das Internet für sich, startete einen Weblog, der schnell zu einem der meistgelesenen Politikblogs der Welt wurde.

Der aus Genua stammende Grillo rief erstmals 2007 für die Kommunal- und Regionalwahlen Bürgerlisten ins Leben. 2009 kündigte er an, Chef der größten Oppositionspartei Partito Democratico werden zu wollen. Das Vorhaben scheiterte jedoch und Grillo gründete seine Protestbewegung, die erste Erfolge auf lokaler Ebene erzielte.

Anstatt im Wahlkampf in Talkshows aufzutreten, fuhr Grillo mit seinem Wohnmobil durchs Land. Unermüdlich schürte er bei seiner „Tsunami-Tour“ auf den Bühnen des Landes die Wut auf das etablierte System. Auch im Internet ist Grillo sehr aktiv, hat mehr als 884.000 Follower auf Twitter und über eine Million Gefällt-mir-Klicks auf Facebook. Vor allem bei den jüngeren Italienern kommt das an, rund 30 Prozent der unter 23-Jährigen wollten ihn wählen.

Die Bewegung ist am ehesten mit der deutschen Piratenpartei zu vergleichen. Grillos Forderungen sind extrem, er will, dass Italien aus der Eurozone austritt und macht sich für eine direkte Internet-Demokratie stark.

Von

dpa

Kommentare (4)

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touspourun

25.02.2013, 22:39 Uhr

Grillos Forderungen sind extrem, er will, dass Italien aus der Eurozone austritt und macht sich für eine direkte Internet-Demokratie stark.
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Warum haben die Märkte Angst? Weil die Wahl heute zeigt, daß die Italiener zumindest tendenziell dafür gestimmt haben, sich nicht mehr von dem Banken/IWF/EZB/S&P Kartell vergewaltigen lassen wollen.

Account gelöscht!

25.02.2013, 22:56 Uhr

Nieder mit dem Dreckseuro

andix

25.02.2013, 23:53 Uhr

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