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23.03.2017

00:15 Uhr

Bericht aus dem Parlament

Ein normaler Arbeitstag wird zum Alptraum

VonKerstin Leitel

Bei einem Termin in Westminster sprach Handelsblatt-Autorin Kerstin Leitel zunächst mit Abgeordneten über den Brexit – und erlebte dann, was bei dem Anschlag dort geschah. Ihr Erlebnisbericht.

May zu Anschlag in London

London-Attentäter war gebürtiger Brite

May zu Anschlag in London: London-Attentäter war gebürtiger Brite

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LondonAls mich an dem regnerischen Mittwochmorgen die Wachleute vor dem Londoner Parlament anhalten, scherze ich: „Nein, ich habe keine scharfen Gegenstände bei mir – und auch kein iPad“, sage ich zu den beiden schwerbewaffneten Polizisten, die den Eingang bewachen. Sie lachen, lassen mich passieren.

Am Eingang zum Parlament laufe ich an einem Bildschirm vorbei, an dem der aktuelle Gefährdungsstatus steht: „severe“ - ernst. Es ist ein Tag wie viele andere. Doch keine sechs Stunden später ist alles anders. Vermummte Einsatzkräfte mit Maschinenpistole im Anschlag rennen die Flure des sonst so ehrwürdigen Parlamentsgebäudes ab, reißen die Türen auf. „Move, move, move“ schreien sie die Menschen an, die sich in den Räumen aufhalten.

Ich hatte an diesem Mittwoch einen Termin in Westminster. Gut ein Dutzend Journalisten ausländischer Medien waren eingeladen worden, um einen Blick hinter die Kulissen des britischen Parlaments zu werfen. Ehrfürchtig waren wir über die plüschigen Teppiche im House of Commons gelaufen, hatten vor den grünen Bänken im Parlamentsaal gestanden, auf denen sonst Premierministerin Theresa May, ihr Kabinett und die anderen Abgeordneten debattieren.

Beim Lunch mit Abgeordneten war das allgegenwärtige Thema noch der Brexit. Die Erwartungen der Briten in den Austrittsverhandlungen, die Stimmung im Land, das geplante Unabhängigkeitsreferendum der Schotten. Danach ging es in das House of Lords, entlang der dunkelbraunen, holzvertäfelten Gänge. Wir gingen in einen Sitzungsraum. Und auf einen Schlag veränderte sich die Welt.

Vor dem Fenster ist ein kurzes Rufen zu hören. Die Bildschirme für die Abgeordneten schalten um: Die laufende Parlamentsdebatte wird unterbrochen. „Ein Anschlag“, sagt jemand. Auf dem Flur telefonieren leise Abgeordnete.

Hektisch laufen alle in einen Innenhof des Parlamentsgebäudes. Die Sonne scheint, es wirkt wie eine Übung. David Davis, der Brexit-Minister, hat gerade noch Selfies mit Schulkindern gemacht. Doch direkt hinter dem Torbogen des Innenhofes ist der Tatort.

Polizisten sichern den Eingang zum Parlament, den ein Attentäter überwunden hatte. Die Stimmung schlägt um. Kinder singen. Es soll wohl aufheitern. Doch zusammen mit den Hubschraubern, die ständig über uns kreisen, wirkt es unheimlich. Das Parlamentsgelände ist im Ausnahmezustand: Keiner kommt hinein oder hinaus.

Kommentare (5)

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Herr Hans Mayer

23.03.2017, 08:26 Uhr

Der Islam ist keine Religion, sonderne eine vorgegebene und seit Gründung nicht angepasste Form, jede Gesellschaft, mit der diese "Religion" in Berührung kommt, an die eigenen Forderungen anzupassen, sowas wird dann gerne als "Integrationsbringschuld" der nicht dem Islam angehörenden ins Feld geführt.
Alle Angriffe erfolgen im Namen "Allahs"
Die rstlichen Religionen der Welt bieten ihren Anhängern offenbar keine Rechtfertigung für solche Angriffe

Herr Peter Kastner

23.03.2017, 08:27 Uhr

Das Leitmotiv der Brexiteers war: "take back control." Hier müssen wir wieder sehen, warum sie Recht hatten.

Frau Ursula Neumann

23.03.2017, 08:33 Uhr

Zu kurz Gedacht, Herr Mayer.
Was ist denn mit den Klinikbombern in den USA - im Namen Gottes - genauso widerlich. Aber das schweigen sie ja lieber tot.

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