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23.04.2013

22:33 Uhr

Bericht aus Israel

USA bezweifeln Giftgas-Einsatz in Syrien

Werden in Syrien Chemiewaffen eingesetzt? Die USA zweifeln eine Meldung der israelischen Armee an. Russland fordert, ein internationales Expertenteam solle die Vorwürfe in Syrien prüfen. Doch dabei gibt es ein Problem.

Nach der Explosion einer Autobombe in Damaskus vor wenigen Tagen. Fraglich ist, ob in Syrien auch Giftgas zum Einsatz kommt. dpa

Nach der Explosion einer Autobombe in Damaskus vor wenigen Tagen. Fraglich ist, ob in Syrien auch Giftgas zum Einsatz kommt.

BrüsselUS-Außenminister John Kerry hat israelische Berichte über den Einsatz von Giftgas durch das syrische Regime angezweifelt. In einem Telefongespräch habe ihm Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Dienstag die Verwendung jener Massenvernichtungswaffe nicht bestätigen können, sagte Kerry in Brüssel. „Ich weiß noch nicht, was die Tatsachen sind.“

Die israelische Armee hatte zuvor von Beweisen für einen Einsatz von Chemiewaffen durch die syrischen Regierungstruppen gesprochen. „Nach unserem Informationsstand hat das Regime mehrmals tödliche Chemiewaffen eingesetzt, unter anderem auch am 19. März“, sagte Brigadegeneral Itai Brun vom Militärgeheimdienst nach israelischen Medienberichten vom Dienstag. An jenem 19. März hatte dagegen ein syrischer Mediziner in der betroffenen Stadt Aleppo gesagt, es sei kein Giftgas, sondern ein Pestizid als Waffe eingesetzt worden.

US-Präsident Barack Obama hatte im Vorjahr mit einem Militärschlag gegen Syrien gedroht, sollte das Regime chemische Waffen einsetzen oder deren Einsatz vorbereiten. Auch Netanjahu kündigte ein militärisches Eingreifen an, sobald Chemiewaffen oder hochmoderne Waffen in falsche Hände gelangen sollten.

Zwei Jahre blutiger Kampf um die Macht

15. März 2011:

Erste Protestdemonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

18. März:

Tausende demonstrieren gegen Assad, es gibt Tote. Am 22. April gehen 100 000 auf die Straße, mindestens 112 sterben.

23. Juni:

Nach Einschlägen syrischer Granaten auf türkischem Gebiet schießt Syrien nahe der Stadt Latakia einen türkischen Militärjet ab. Ankara stationiert daraufhin Raketenabwehrsysteme an der Grenze.

31. Juli:

Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama. Laut Opposition sterben mindestens 100 Menschen.

3. August:

Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine „Präsidentielle Erklärung“ zur Verurteilung des Regimes in Damaskus. Eine gewichtigere Resolution scheitert am Veto Russlands und Chinas. Beide Länder blockieren in den folgenden Monaten zwei weitere Resolutionen.

2. Oktober:

Die syrische Opposition bildet einen Nationalrat.

22. Dezember:

Erste Beobachter der Arabischen Liga treffen in Syrien ein. Vier Wochen später wird ihr Einsatz wegen der Gewalt beendet.

23. Dezember:

In Damaskus sterben bei den ersten Selbstmordanschlägen im Bürgerkrieg mindestens 44 Menschen, mehr als 160 werden verletzt.

4. Februar 2012:

Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

13. Februar:

Das Regime weist den Vorschlag der Arabischen Liga zurück, UN-Friedenstruppen nach Syrien zu schicken. Kurz darauf nennt Assad den 26. Februar als Termin für ein Verfassungsreferendum. Die Verfassung tritt am 28. Februar in Kraft.

25. Februar:

In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe“ für ein demokratisches Syrien.

27. März: Syrien akzeptiert den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan, der eine von den UN beobachtete Waffenruhe vorsieht.

25. Mai:

Bei einem Massaker im Ort Al-Hula kommen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

13. Juli:

Nach Angaben der Opposition sollen bei einem Massaker nahe Hama bis zu 250 Menschen von Regierungstruppen getötet worden sein.

18. Juli:

Bei einem Bombenanschlag der Rebellen auf den nationalen Krisenstab kommen mehrere Mitglieder der syrischen Führung ums Leben - darunter der Verteidigungsminister und Assads Schwager.

2. August:

UN-Vermittler Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an syrischen Zivilisten gemeldet.

16. August:

Wegen der ausufernden Gewalt wird die UN-Beobachtermission beendet.

24. Oktober:

Der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi als neuer UN-Vermittler erklärt, beide Seiten seien zu einer Feuerpause bereit. Die auf vier Tage angelegte Waffenruhe hält keine drei Stunden.

11. November:

Regimegegner bilden die „Nationale Koalition“ und wählen den Prediger Ahmed Muas Al-Chatib zum Vorsitzenden. Zuvor gab der Syrische Nationalrat Ansprüche auf eine Vormachtstellung auf.

6. Januar 2013:

Assad will mit einer nationalen Mobilmachung seinen Sturz verhindern. Er verspricht in seiner ersten öffentlichen Rede seit sieben Monaten Reformen, eine neue Verfassung und Regierung. Eine politische Lösung mit bewaffneten Rebellen schließt er aus.

28. Januar:

Die Nato schützt die Türkei mit „Patriot“- Raketenabwehrstaffeln vor Angriffen aus Syrien. Zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien dürfen sie nicht eingesetzt werden.

21. Februar:

In Damaskus kommen bei einem Bombenanschlag nahe der Zentrale von Assads Baath-Partei mindestens 53 Menschen ums Leben. Das Hauptquartier des Militärs wird mit Granaten beschossen.

28. Februar:

Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

3. März:

Assad lehnt einen Gang ins Exil weiterhin ab. Im Interview mit der britischen Zeitung „Sunday Times“ zeigt er Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition. Voraussetzung sei aber, dass Militante ihre Waffen niederlegten.

5. März:

Syrische Rebellen melden die Einnahme der Stadt Al-Rakka. Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo lassen Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen wählen.

9. März:

Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder auf freiem Fuß.

Der israelische Geheimdienst-General Brun sagte auf einer Sicherheitskonferenz in Tel Aviv, die Analyse der Bilder von Opfern deute auf einen Einsatz des tödlichen Nervengases Sarin gegen Zivilisten hin. Die Opfer hätten stark verengte Pupillen und Schaum vor dem Mund gehabt.

In Syrien hatte es zuletzt immer wieder Gerüchte über den Einsatz von Chemiewaffen gegeben. Rebellen und Regierungstruppen werfen sich gegenseitig vor, die tödlichen Waffen im März in der Provinz Aleppo eingesetzt zu haben.

Syrien-Krieg: Paris und London wollen UN-Untersuchung von Chemiewaffen-Vorwürfen

Syrien-Krieg

Westen will Ermittlung wegen Giftgasvorwürfen

Paris und London fordern UN-Untersuchung wegen angeblichem Chemiewaffen-Einsatz.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow forderte in Brüssel, Behauptungen über den Einsatz von Chemiewaffen müssten sorgfältig von internationalen Experten geprüft werden. Allerdings hat das dafür vorgesehene Expertenteam der Vereinten Nationen bisher keine Einreiseerlaubnis von der syrischen Führung erhalten.

Die Nato ist nach Worten ihres Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen „extrem besorgt“ über den möglichen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. Nach einem Treffen der Nato-Verteidigungsminister sagte Rasmussen, die Nato habe Notfallplanungen, um jederzeit ihr Bündnismitglied Türkei, Syriens nördlichen Nachbarn, schützen zu können. Das Bündnis hat Patriot-Abwehrraketen in der Türkei stationiert. Einen Militäreinsatz in Syrien lehnt das Bündnis strikt ab. "Es gibt keine Forderung an die Nato, eine Rolle zu spielen", betonte Rasmussen. Aber die Krise könne "direkt unsere eigene Sicherheit beeinträchtigen".

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, Deutschland habe keine eigenen Erkenntnisse über einen Chemiewaffeneinsatz. "Wer das behauptet, ist aufgerufen, die Erkenntnisse mit der internationalen Gemeinschaft zu teilen."

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

23.04.2013, 22:15 Uhr

Diesbezüglich bin ich sehr dankbar, dass der OBAMA Präsident ist - er wird, so weit er es sich nur erlaube kann, vor solch einer militärischen Havarie absehen.

Nicht auszudenken, wenn der ROMNEY gewonnen hätte - da würde der Nahe Osten heute schon lichterloh brennen.

Holly

24.04.2013, 00:49 Uhr

Ihr kennt euch ja alle bestens im Nahen Osten aus!!
Auch kennt ihr bestimmt den Unterschied zwischen Pflanzenschutzmitteln und Nervengasen!!

בריאות

Account gelöscht!

24.04.2013, 07:11 Uhr

Die Anwendung von Massenvernichtungswaffen würde eine völlig neue Situation schaffen , egal wer sie angewendet hat , das ist der Auslöser für den Einmarsch in Syrien !

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