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09.04.2013

16:42 Uhr

Bericht der EZB

Europas Phantom-Reichtum

VonMaike Freund, Georg Watzlawek

Reiches Zypern, armes Deutschland: Die EZB veröffentlicht höchst brisante Zahlen, die nahe legen, dass die Privathaushalte der Krisenländer im Süden alles andere als arm sind. Retten wir die Falschen?

In allen Krisenländern wohnen zwischen 70 und 80 Prozent in eigenen Immobilien.

In allen Krisenländern wohnen zwischen 70 und 80 Prozent in eigenen Immobilien.

DüsseldorfDie Europäische Zentralbank sitzt auf einem explosiven Datenschatz, den sie nur sehr zögerlich an die Öffentlichkeit kommen lassen will. Seit 2006 hat sie in einem sehr aufwendigen Verfahren erhoben, über welche Vermögenwerte und Schulden die privaten Haushalte in den Euro-Länder verfügen. Einzelne vorab veröffentlichte Zahlenreihen legten den Schluss nahe, dass ausgerechnet die Krisenländer in Südeuropa in Wahrheit alles andere als arm sind und die teuren Rettungsmaßnahmen selbst schultern könnten. Am Donnerstag nun hat die EZB nun den 133 Seiten starken „ersten Bericht zur Vermögenssituation privater Haushalte in der Eurozone“ vorgelegt, der den Euro-Gegnern Argumente liefert. Allerdings nur auf den ersten Blick.

Tatsächlich bestätigen sich die Vermutungen, dass Deutschland weit von den reichsten Haushalten der Euro-Zone entfernt ist. Mit einem Nettovermögen von im Durchschnitt 710.000 Euro stehen die Luxemburger an der Spitze der Tabelle, dicht gefolgt von – ausgerechnet – Zypern mit 671.000 Euro. Und auch die potenziellen Krisenstaaten Spanien (290.000) und Italien (275.000) liegen über dem Durchschnitt der Euro-Zone (230.000) – Deutschland mit einem Nettovermögen der Privathaushalte von 195.000 Euro rangiert deutlich darunter.

Ein anderer Vergleich macht das Missverhältnis noch deutlicher: Deutschland stellt innerhalb der Euro-Zone zwar knapp 29 Prozent aller Haushalte, auf diese entfallen aber nur 24 Prozent des Vermögens in der Euro-Zone. Genau umgekehrt die Lage in Zypern: In dem Ministaat haben gerade mal 0,2 Prozent der Haushalte der Euro-Zone ihre Heimat, aber die verfügen über 0,6 Prozent des Vermögens.

Die EZB hat über die Angaben zum Durchschnittsvermögen hinaus auch jeweils den Median angegeben. Darin geht es um den Haushalt in der Mitte der Gesellschaft: Das ist eben nicht der Durchschnittshaushalt, sondern der Haushalt in der Mitte einer Aufreihung. Im Klartext: Jeweils die Hälfte aller anderen Haushalte ist entweder reicher/ärmer, größer/kleiner, was auch immer.

Auf dieser Basis fällt das Ergebnis noch krasser aus, Deutschland landet demnach auf dem letzten Platz der Euro-Vermögensstatistik: Das Median-Vermögen deutscher Haushalte beläuft sich laut EZB auf nur 51.400 Euro. Dagegen verfügen Luxemburger Haushalte mit 397.800 Euro über die höchsten Vermögen. Und auch in Zypern (266.900) oder Spanien (182.700) verfügt der Median-Haushalte über mehr Geld.

Sehr spannend, aber eine andere Geschichte ist das große Missverhältnis in Deutschland zwischen Median und Mittelwert: Der Medianhaushalt verfügt nur über ein Viertel des Vermögend des Durchschnittshaushaltes - was zeigt, wie ungleich das Vermögen in Deutschland verteilt ist.

Soweit, so klar. Aber laut Eingeständnis der EZB gibt es bei den Daten zum einen viele Einschränkungen und Fußnoten – und zum anderen ist die Interpretation der Daten alles andere als simpel. Die EZB hat zwar einigen Aufwand betrieben, um die Daten der mehr als 60.000 befragten Haushalte vergleichbar zu machen. Aber die Zahlen beziehen sich in der Regel auf Jahre vor der Euro-Krise. Bei einzelnen Datenreihen und Ländern sind die Zahlen schon sechs Jahre alt.

Die EZB selbst betont unter anderem die unterschiedlichen Haushaltsgrößen. Die weichen allerdings so stark auch nicht voneinander ab: In Deutschland wohnen 2,04 Menschen in einem Haushalt, in Zypern sind es 2,76 Personen.

Kommentare (109)

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rapandblues

09.04.2013, 17:09 Uhr

Sehr geehrte Autoren, es scheint als haben Sie im 2. Absatz "Nettoeinkommen" mit "Nettovermögen" verwechselt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Nettoeinkommen in Luxemburg bei 710 000 EUR bzw. in Spanien bei 290 000 EUR liegt. Dies ist nur einer von vielen Fehlern die mir im Artikel aufgefallen sind.

Schade!

yoski

09.04.2013, 17:12 Uhr

Deutschland profitiert am meisten!
"... noch krasser aus, Deutschland landet demnach auf dem letzten Platz der Euro-Vermögensstatistik: Das Median-Vermögen deutscher Haushalte beläuft sich laut EZB auf nur 51.400 Euro. Dagegen verfügen Luxemburger Haushalte mit 397.800 Euro über die höchsten Vermögen."
Gut! Hoffentlich findet man einen Weg dem Rettungs-Michel auch noch die letzten 51400 Euro zu nehmen. Das ist doch was die 80+% CDUSPDGruenFDP Waehler wollen. Erst dann ist der Michel vollkommen in seinem Glueck. Hoffentlich brauchen die anderen EURO-Schwachmaten wie ESP, IT und FR auch bald einen Bailout, dann kann sich der Rettungs-Michel mal wieder so richtig austoben.

efftehdeh

09.04.2013, 17:20 Uhr

Der Autor war sichtlich ueberfordert und scheitert an einfachsten Prozentrechnungen. Immerhin konnte er sich wohl im Rahmen der Recherche die Definition eines Median einverleiben. Amuesant sind die zahlreichen falschen Schlussfolgerungen. Bestes Beispiel: "Die reichen Länder müssen weniger Anteil ihres Einkommens für Essen berappen." Könnte es damit zusammenhängen, dass Essen das wichtiste Grundbeduerfnis ist - und dass Ausgaben fuer Essen natuergemäss nicht proportional zum Einkommen steigen?

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