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31.05.2015

21:02 Uhr

Bericht offenbart

USA zahlten Ex-Nazis 20 Millionen Dollar Sozialhilfe

Mehr als 130 mutmaßliche Nationalsozialisten und Kriegsverbrecher erhielten bis Anfang dieses Jahres von den USA Sozialleistungen. Die Empfänger sollen ihre wahren Identitäten vor der Regierung verheimlicht haben.

Laut der US-Abgeordneten Maloney zeige der Bericht, dass 133 mutmaßliche und bestätigte Nationalsozialisten aktiv daran gearbeitet hätten, ihre wahren Identitäten zu verbergen und trotzdem Sozialleistungen erhalten hätten. ap

Carolyn Maloney

Laut der US-Abgeordneten Maloney zeige der Bericht, dass 133 mutmaßliche und bestätigte Nationalsozialisten aktiv daran gearbeitet hätten, ihre wahren Identitäten zu verbergen und trotzdem Sozialleistungen erhalten hätten.

WashingtonDie Sozialversicherungsbehörde der USA zahlte über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren über 130 mutmaßlichen Nazis und Kriegsverbrechern insgesamt 20,2 Millionen Dollar an Sozialleistungen. Das geht aus einem Bericht des für die Behörde zuständigen Inspektors hervor, der der Nachrichtenagentur AP vorlag. Die AP hatte mit ihren Ermittlungen den Report angestoßen.

Durch die Verwendung von mit dem Computer bearbeiteten Daten und anderem internen Behördenmaterial wurde ein umfassendes Bild von der Gesamtzahl der Nazi-Verdächtigen, die Sozialleistungen erhielten, und den gezahlten Beträgen erstellt. Die Sozialversicherungsbehörde hatte noch im vergangenen Jahr eine AP-Anfrage für diese Zahlen abgelehnt. Der nun erstellte Bericht soll in dieser Woche veröffentlicht werden.

Die getätigten Zahlungen übertreffen vorherige Schätzungen deutlich. Sie sollen sich zwischen Februar 1962 und Januar 2015 ereignet haben. Im Januar dieses Jahres trat ein neues US-Gesetz gegen Nationalsozialisten in Kraft, das Rentenzahlungen für vier bisherige Empfänger beendete. In dem Bericht werden keine Namen von Verdächtigen genannt, die Sozialleistungen empfingen.

Schätzungen zufolge kamen bis zu 10.000 Nazi-Verbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg in die USA. Viele von ihnen logen über ihre Nazi-Vergangenheit, um in die Vereinigten Staaten zu gelangen und wurden sogar US-Staatsbürger. Sie bekamen Jobs und sagten wenig darüber, was sie während des Kriegs getan hatten. Die USA reagierten nur langsam. Erst 1979 wurde im US-Justizministerium eine Sondereinheit für die Verfolgung von Nazis geschaffen.

Nach der AP-Untersuchung zu der Angelegenheit, die im Oktober 2014 veröffentlicht wurde, hatte die demokratische US-Abgeordnete Carolyn Maloney beantragt, dass der für die Sozialversicherungsbehörde zuständige Inspektor den Umfang der getätigten Zahlungen überprüft. Maloney sagte am Samstag, der Bericht des Inspektors zeige, dass 133 mutmaßliche und bestätigte Nationalsozialisten aktiv daran gearbeitet hätten, ihre wahren Identitäten vor der US-Regierung zu verbergen und trotzdem Sozialleistungen erhalten hätten.

Die AP war zu dem Schluss gekommen, dass das US-Justizministerium eine Gesetzeslücke genutzt hatte, um mutmaßliche Nazis zum Verlassen der USA zu überreden. Wenn diese zustimmten, freiwillig zu gehen oder vor einer Abschiebung flohen, sollten sie ihre Sozialleistungen behalten dürfen. Das Ministerium bestritt, solche Zahlungen eingesetzt zu haben, um ehemalige Nazis zu vertreiben.

Von

ap

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