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09.09.2014

12:13 Uhr

Bericht zum MH17-Absturz

„Von Objekten durchbohrt und zerbrochen“

VonNils Rüdel

Wie kam es zum Absturz von MH17? Ermittler stützen die Abschuss-These: Die Boeing wurde von „hochenergetischen Objekten“ zerstört. Die Passagiere traf es wie aus dem Nichts. Das zeigen Aufzeichnungen der letzten Minuten.

Experten bestätigen Befürchtungen

MH17 verunglückte durch äußere Faktoren

Experten bestätigen Befürchtungen: MH17 verunglückte durch äußere Faktoren

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Den HaagEs war ein ganz normaler Routineflug. Am 17. Juli um die Mittagszeit glitt Malaysia Airlines MH17 auf Flight Level 330, 33.000 Fuß, über die Ostukraine hinweg. Die Boeing 777 war mit 298 Menschen an Bord auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur unterwegs. Scheinbar weit weg auf der Erde unter ihr: der seit Monaten andauernde Krieg zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Separatisten.

Um exakt 13:19:56 Uhr gab der Pilot an die zuständige Luftverkehrskontrolle Dnipro Control durch, er werde wie angewiesen zum nächsten Meldepunkt weiterfliegen. „Romeo November Delta, Malaysian one seven“, funkte er.

Es sollte der letzte Funkspruch von MH17 gewesen sein. Danach versuchten die Fluglotsen noch, die Maschine zu erreichen. Vergebens. Der Flugschreiber sollte später offenbaren, dass er um 13:20:03 Uhr aufhörte aufzuzeichnen. Die Boeing stürzte ab, über einem Feld nahe der Ortschaft Hrabove. Es gab keine Überlebenden.

Wen die Russland-Sanktionen treffen

Ukraine

Das politisch wie wirtschaftlich größte Problem bei Russland-Sanktionen ist, dass auch die Ukraine unter den Folgen leiden wird. In einer Umfragen des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft nannten im Juni 21 Prozent der befragten Unternehmen die Ukraine als das Land, das nach Russland (37 Prozent) und Deutschland (33 Prozent) am stärksten unter Sanktionen zu leiden haben wird. Der Grund ist zum einen die enge wirtschaftliche Verflechtung der ehemaligen Sowjetrepublik mit Russland, die jeden Konjunktureinbruch dort auch für das Nachbarland zum Problem macht. Zum anderen bestraft Russland den Westkurs der Ukraine wie auch den Moldawiens mit Gegensanktionen wie einem Embargo gegen Milch und Fleisch. Bei einer Eskalation könnte auch der Gashahn zugedreht werden.

Balkan

„Auch die ganze Balkan-Region wird unter einem neuen Wirtschaftskrieg leiden“, meint der Balkan-Experte Duan Reljic von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Verantwortlich macht er hierfür die traditionell engen Beziehungen von Ländern wie Serbien mit Russland, vor allem aber das starke Interesse der ganzen Region an russischem Gas. Interessiert ist man auch am Bau der von Russland vorangetriebenen South-Stream-Pipeline durch die Region, die die EU-Kommission nun im Zuge der Abkühlung der EU-Russland-Beziehungen rechtlich überprüfen lässt. „Fast jedes Land der Region hat sich Hoffnung auf einen dreistelligen Millionenbetrag an Durchleitungsgebühren pro Jahr gemacht - die drohen nun wegzufallen“, meint Reljic. Finanzexperten weisen zudem darauf hin, dass öffentliche EU-Banken auch mit Töchtern russischer Institute in der Region keine Geschäfte mehr machen können, wenn deren Chefs auf einer Sanktionsliste der USA und der EU stehen - die ständig ausgeweitet werden.

EU-Mitglieder Bulgarien und Zypern

Innerhalb der EU gelten die Länder als anfällig, die teilweise zu 100 Prozent von russischem Gas abhängig sind und einen Lieferboykott befürchten müssen. Besonders betroffen sind zudem die stark nach Russland ausgerichteten EU-Staaten Zypern und Bulgarien. Am Finanzplatz Zypern etwa ist so viel russisches Geld angelegt, dass der Inselstaat von einem Abzug des Kapitals in Folge von EU-Finanzsanktionen stark getroffen werden könnte.

Zentralasien

Mit sehr gemischten Gefühlen schauen die Länder in Zentralasien auf die Entwicklung in der Ukraine. „Die kasachischen Banken würden wegen der engen Beziehungen sofort in Schieflage geraten, wenn ihre russischen Partner wackeln“, meint Beate Eschment, Redakteurin bei den Zentralasien-Analysen in Berlin. „In der Hauptstadt Astana ist man derzeit zudem ausgesprochen nervös, weil die Ukraine zeigt, was passieren kann, wenn man sich russischen Wünschen widersetzt.“ Eschment verweist darauf, dass auch im Norden der öl- und gasreichen ehemaligen sowjetischen Republik viele Russen leben und Russland nach wie vor Militärbasen in dem Land unterhält. Seit 2010 ist Kasachstan Mitglied in der Zollunion mit Russland. Anfang 2015 soll das bereits unterzeichnete Abkommen für eine eurasische Union in Kraft treten, das beide Länder noch enger aneinander schweißt - für gute wie schlechte Zeiten.

Allerdings hält man in der deutschen Wirtschaft durchaus auch einen umgekehrten Effekt für möglich: Als Mitglied der Zollunion könnte das Land sogar von harten Sanktionen gegen Russland profitieren - weil dann Geschäfte für den russischen Markt über Kasachstan abgewickelt werden müssten.

Afghanistan

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte am Wochenende drohend, die EU demonstriere mit Sanktionen, dass sie offenbar kein Interesse mehr an einer Sicherheitspartnerschaft mit Russland habe. Diese beinhaltet aber etwa die Versorgung der Nato-Soldaten in Afghanistan über den russischen Luftraum und die russische Eisenbahn. Auch der geplante schrittweise Abzug der Truppen läuft über Russland und nicht das wesentlich gefährlichere Pakistan. Das könnte sich ändern - mit unklaren Auswirkungen auf das ohnehin instabile Krisenland Afghanistan.

China

China, darin sind sich alle Experten einig, gehört dagegen zu den Gewinnern einer Eskalation zwischen dem Westen und Russland. Die deutsche Industrie warnt, dass ihnen nun chinesische Konkurrenten in Russland die Aufträge wegschnappen. Und Russlands mühsame Suche nach neuen Partnern beschert China günstige Preise für die kommenden Gaslieferungen vom Nachbarn. „China profitiert von der Isolation Russlands und kann gegen ein geschwächtes Russland die eigenen Interessen besser durchsetzen“, meint der China-Experte des Mercators Institutes for China Studies (Merics), Moritz Rudolph.

Doch warum fiel MH17 vom Himmel? Ein vorläufiger Untersuchungsbericht der niederländischen Flugsicherheitsbehörde Dutch Safety Board, der auch den Funkspruch dokumentiert hat, hat eine Antwort: Die Boeing sei von einer „Vielzahl“ von „hochenergetischen Objekten“ getroffen worden, die das Flugzeug „von außen“ durchbohrt hätten. Die Maschine sei wegen dieses Strukturschadens „während des Fluges in mehrere Teile zebrochen“. So steht es in dem Bericht, der am Dienstag in Den Haag veröffentlicht wurde.

Dies bestätigt den Verdacht, dass die Maschine abgeschossen wurde. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Absturz von MH17 durch einen technischen Fehler oder Handlungen der Crew verursacht wurde“, heißt es in dem Bericht. Die Flugschreiber und die Daten der Luftverkehrsleitung wiesen auf einen normalen Flugverlauf hin.

Explizit von einem Raketenbeschuss ist in dem Schriftstück nicht die Rede. Die ukrainische Regierung und der Westen verdächtigen pro-russische Separatisten, den Absturz mit einer Boden-Luft-Rakete vom Typ Buk aus russischen Beständen herbeigeführt zu haben. Demnach sollen die Rebellen das Passagierflugzeug fälschlicherweise für eine ukrainische Militärmaschine gehalten haben. Die Separatisten und Moskau bestreiten die Vorwürfe.

Kommentare (106)

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Herr Josef Schmidt

09.09.2014, 10:46 Uhr

Der Bericht wird nichts Neues über die Absturzursache bringen. So lange die Gesprächsprotokolle des Towers nicht freigegeben werden wird man nicht wissen ob es eine Bode Luft Rakete oder ein Abschuss durch die ukrainische Luftwaffe zum Absturz geführt hat.

Die Tatsache dass man Sachen vertuscht sagt schon alles denn wenn die Behörden Beweise für den Abschuss durch die "richtigen" Bösen hätten sie es veröffentlicht.

Herr Fred Meisenkaiser

09.09.2014, 10:49 Uhr

Vor allem wurde das Cockpit von Objekten, die von von beiden Seiten kamen, durchbohrt. Damit scheidet eine Boden-Luft-Rakete aus!
Vielleicht sollte man doch die 10 Fragen Rußlands beantworten, die diese zwei Tage nach dem Absturz stellten!

Herr erich esopherah

09.09.2014, 10:59 Uhr

Frage: Wer hat die Boing über das Kriegsgebiet geschickt?
Wer hatte Flieger in der Luft, um die MH seitlich zu treffen? Wer hat ein interesse an der Eskalation und ist pervers genug, um 300 Menschenleben zu opfern? Und wer ist für solche Aktionen bekannt und wurde in der Vergangenheit mehrfach dabei erwischt? Auf all diese Fragen ist die Anwort Russland oder Seperatisten nicht anwendbar. Wohl aber auf die Gegenseite.

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