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09.10.2013

16:37 Uhr

Bericht zur Finanzstabilität

IWF ruft Fed zu behutsamer Geldpolitik auf

Mahnende Worte des IWF an die US- Notenbanker: Die Stabilität des globalen Finanzsystems hänge auch davon ab, wie behutsam die Fed ihren Ausstieg aus dem Billiggeld gestalte – für den IWF ein beispielloser Prozess.

Der IWF fordert die Fed zu mehr Zurückhaltung auf. Reuters

Der IWF fordert die Fed zu mehr Zurückhaltung auf.

WashingtonDer Wandel zu einer strengeren Geldpolitik bei der US-Notenbank stellt die globalen Finanzmärkte nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf eine harte Probe. „Dieser Prozess wird beispiellos und kompliziert“, erläuterte der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung, José Viñals, anlässlich der Vorlage des neuen Berichts zur weltweiten Finanzstabilität am Mittwoch.

Die Federal Reserve (Fed) müsse ihren langsamen Abschied von der Politik der extremen Niedrigzinsen „klar und zeitlich abgepasst“ kommunizieren und an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen knüpfen. Sonst könne es vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern zu Turbulenzen auf den Finanzmärkten kommen.

Weil schon laut geäußerte Überlegungen der Fed, ihre laufenden massiven Anleihekäufe einzuschränken, seit dem vergangenen Mai zu einem deutlich Abfluss von Kapital aus den aufstrebenden Ländern geführt hätten, gebe es Gründe für „Sorgen über die Finanzstabilität“ dort, meinte Viñals. Zugleich sei weltweit die Risikobereitschaft von Investoren gesunken, heißt es in dem Bericht. Insgesamt herrsche mehr als bisher die Gefahr von Liquiditätsengpässen.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Die Fed erwirbt derzeit monatlich für 85 Milliarden Dollar (63 Milliarden Euro) Staatsanleihen und Immobilienpapiere, um so die Zinsen weiter zu drücken und Investitionen zu erleichtern. Zudem hält sie den Leitzins seit Ende 2008 auf dem historischen Niedrigstand zwischen 0 und 0,25 Prozent. Seit Monaten erwarten Experten, dass die Fed auf einen weniger expansiven geldpolitischen Kurs umschwenkt.

„Die langfristigen Zinsen könnten über das Ziel hinausschießen“, sagte Viñals. Dadurch könnten etwa auch sogenannte Schattenbanken in Schwierigkeiten geraten. Dabei handelt es sich um Einrichtungen, die nicht wie Banken reguliert werden, aber auch Kredite vergeben und ähnlich hohe Risiken anhäufen können.

Weitgehend positive Worte findet der Stabilitätsbericht hingegen für die Eurozone. „Umgesetzte Reformen auf nationaler Ebene und wichtige unternommene Schritte zu einer verbesserten Architektur der Währungsunion“ hätten sowohl den Staatshaushalten als auch den Banken viel Druck genommen, heißt es. Dennoch würden Kredite wegen der fragmentierten Finanzmärkte noch nicht frei genug fließen.

Ungelöst sei das Problem in den angespannten Volkswirtschaften Italien, Portugal und Spanien, dass der Firmensektor überschuldet sei. Etwa ein Fünftel der gesamten Kreditsumme dort sei untragbar, könne also wohl nicht zurückbezahlt werden. Dass schade den Banken, die Gewinne und in einigen Fällen sogar Kapital verlieren könnten. Dagegen müsse mit politischen Maßnahmen vorgegangen werden. Unerlässlich bleibe eine Bankenunion.

Klare Worte findet der IWF für Japan. Das asiatische Land müsse seine expansive Geldpolitik mit versprochenen Haushalts- und Strukturreformen verknüpfen. Andernfalls seien „erheblich Risiken für die Finanzstabilität“ die Folge.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

09.10.2013, 16:58 Uhr


Der IWF malt aber ein schönes Bild.
Griechenland und Zypern fanden gar keine Erwähnung. Dort existieren ja reale ( produzierende ) Firmenstrukturen eher weniger.

Keynes

09.10.2013, 17:26 Uhr

Die Liquiditätshilfen waren zu Zeiten der Finanzmarktkrise berechtigt. Inzwischen ist das billige Notenbankgeld nur noch günstige Staatsfinanzierung bzw. Mittel zur Umverteilung von Kapitalbesitzern zu Schuldnern. Wenn ein Japaner heute 0,6% Zins für 10jährige Staatsanleihen erhält, dann tut er wohl besser daran, sein Geld in Rohstoffe oder unter das Kopfkissen zu stecken als weiter in das staatliche Schneeballsystem. Aus dem Mittel zur Lösung eines Problems ist heute selbst ein noch viel größeres Problem geworden.

t56

09.10.2013, 18:57 Uhr

Wenn Amerika die Schuldenobergrenze überschreitet und seine Staatsschulden nicht mehr bedienen kann bricht das ganze Staatsschuldenkartenhaus aufgrund der Bankenverbrechen und nicht erfolgter Regulierung seitens der Regierungen eh zusammen und es wird gewaltige soziale Unruhen geben. Der ungezügelte Finanzkapitalismus hat sich selbst zerstört und es ist nur zu hoffen, dass es dann die Richtigen erwischt!

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