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10.09.2015

18:23 Uhr

Berichte aus Israel

Russland hat aktive Soldaten in Syrien

Militärische Rückschläge für den Syriens Präsident Assad machen dessen Verbündeten Russland offenbar nervös. Erste russische Soldaten sollen Syrien erreicht haben. Moskau spricht dagegen von vertragsgemäßen Lieferungen.

Syriens Präsident Baschar al-Assad gilt als enger Verbündeter von Wladimir Putin. ap

Verbündete

Syriens Präsident Baschar al-Assad gilt als enger Verbündeter von Wladimir Putin.

JerusalemRussische Soldaten sind israelischen Angaben zufolge in den vergangenen Tagen in Syrien eingetroffen und unterstützen die Truppen von Präsident Baschar al-Assad. Die Soldaten und Militärberater hätten nahe der Stadt Latakia einen Luftwaffenstützpunkt errichtet, sagte Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon am Donnerstag. Dort könnten Kampfflugzeuge und Hubschrauber zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat stationiert werden.

Bislang handle es sich um eine begrenzte Truppe aus Beratern und Wachmannschaften, sagte Jaalon. Trotzdem sei dies ein bedeutsamer Schritt. Falls Russland tatsächlich Luftangriffe auf den IS plane, müssten diese mit dem von den USA geführten Bombardement koordiniert werden. Ziel Russlands sei es, seine Sicherheitsinteressen in Syrien zu schützen, insbesondere seinen Marinestützpunkt. Die Quelle seiner Informationen behielt der Verteidigungsminister für sich.

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Russland gilt als einer der wichtigsten Unterstützer Assads in dem seit 2011 tobenden Bürgerkrieg in Syrien. Außenminister Sergej Lawrow bestätigte am Donnerstag zwar die Anwesenheit russischer Militärs in Syrien, sagte aber nichts über zusätzliche Soldaten. Mit Blick auf Latakia erklärte er, russische Flugzeuge brächten „vertragsgemäß militärische Güter und humanitäre Hilfe“ dorthin.

Präsident Wladimir Putin hat die Möglichkeit einer aktiven militärischen Unterstützung Assads bislang offengelassen. Sein Sprecher Dmitri Peskow sagte am Donnerstag, die syrischen Regierungstruppen seien die einzige Kraft, die die Terrormiliz Islamischer Staat bekämpfen könne. Es sei Russlands Auftrag, sie dabei zu unterstützen.

Die USA haben Moskau vor einer Verstärkung seiner Militärpräsenz oder gar einem militärischen Eingreifen in Syrien gewarnt.

Sechs Gründe, warum der Bürgerkrieg in Syrien noch nicht beendet ist

Einmischung von außen

Das Regime von Baschar al-Assad hat mit Russland und dem schiitischen Iran mächtige Verbündete im Ausland. Teheran unterstützt Damaskus mit Geld und Kämpfern. Zudem kämpft die libanesische Schiiten-Miliz an der Seite Assads. Aber auch die Rebellen erhalten Geld und Waffen aus dem Ausland, unter anderem aus Saudi-Arabien. So wurde die Krise zu einem regionalen Konflikt. (Quelle: dpa)

Assads Unnachgiebigkeit

Der Präsident sagte am Anfang der Proteste Reformen zu - die nie kamen. Stattdessen brandmarkt sein Regime sämtliche Gegner als „Terroristen“, auch moderatere Oppositionelle. Viele Kritiker des Regimes sitzen in Gefängnissen. Im Kampf ums Überleben setzt die Armee zudem immer wieder sogenannte Fassbomben ein - Metallbehälter, die mit Sprengstoff und Metall gefüllt sind.

Zerstrittene Opposition

Den Regimegegnern ist es bis heute nicht gelungen, sich zu einen und eine gemeinsame Führung zu bilden. Die Exil-Opposition in Istanbul wird zwar international anerkannt, zeigt sich aber immer wieder zerstritten und hat in Syrien kaum Einfluss. Auch mit der Inlandsopposition aus Damaskus konnte sie sich noch immer nicht auf konkrete gemeinsame Ziele einigen.

Konfessionalismus

Längst ist der Bürgerkrieg auch zu einem Konflikt zwischen den Konfessionen geworden. Das Regime wird von Alawiten kontrolliert, einer Nebenlinie des schiitischen Islams. Die Alawiten befürchten blutige Rache, sollte Assad stürzen. Auch viele Christen sehen den Präsidenten als ihren Schutzpatron. In den Reihen der Rebellen kämpfen dagegen vor allem Sunniten.

Politik des Westens

Die USA und Europa lehnen eine militärische Intervention gegen das Assad-Regime ab. US-Präsident Barack Obama drohte zwar für den Fall des Einsatzes von Chemiewaffen durch das Regime in Syrien mit einem Eingreifen, nahm dann aber doch davon Abstand. Der Westen steht politisch zwar an der Seite der moderateren Rebellen, unterstützt diese aber kaum mit Waffen.


Stärke der Extremisten

Als die Krise in Syrien eskalierte, dehnte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus dem Irak ins Nachbarland aus. Jetzt kontrolliert sie dort ein Drittel der Fläche. Andere Teile Syriens stehen unter Herrschaft der Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Moderate Kräfte sind auf dem Rückzug. Die von den USA unterstützte Harakat Hasm löste sich kürzlich auf.

Der IS verstärkte mittlerweile seine Angriffe. Die der Terrormiliz nahestehende Nachrichtenagentur Aamak meldete, der IS habe während der Nacht die Stellung eines Raketenbataillons im Nordosten Syriens eingenommen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete dagegen, IS-Kämpfer hätten bei dem Versuch, in die Stellung einzudringen schwere Verluste erlitten.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte zwei Selbstmordattentate auf die Stellung bei Dair as-Saur. Einer der Attentäter sei ein Kind gewesen. Mindestens 36 Terrorkämpfer seien getötet worden. Die Kämpfe hielten an.

Erst am Mittwoch hatten Assads Truppen ihre letzte Stellung in der Provinz Idlib an Kämpfer des Al-Kaida-Ablegers Nusra-Front verloren.

Von

ap

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