Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.11.2011

01:17 Uhr

Berlusconis Erbe

Der italienische Patient mit den sieben Leiden

VonDirk Heilmann, Katharina Kort

Italien ist der kranke Mann Europas. Berlusconis Nachfolger wird es schwer haben. Die neue Regierung muss sofort einen Haufen ökonomischer Probleme angehen. Handelsblatt Online diagnostiziert die sieben Krankheiten.

Der italienische Premier Silvio Berlusconi hinterlässt ein Land, das dringend verarztet werden muss. Reuters

Der italienische Premier Silvio Berlusconi hinterlässt ein Land, das dringend verarztet werden muss.

Die Schwäche des wirtschaftlichen Wachstums ist der größte Negativposten in Silvio Berlusconis Bilanz. In ihr drücken sich alle seine Versäumnisse und Fehler aus. Italien ist der kranke Mann Europas, seit Berlusconi regiert. Seit seinem ersten vollständigen Amtsjahr 2002 ist die italienische Volkswirtschaft Jahr für Jahr weniger gewachsen als der Durchschnitt der Euro-Zone oder auch der G7-Gruppe der größten Industriestaaten.

Dieses Schicksal teilte Italien bis zum Jahr 2005 mit Deutschland, doch dann zogen die Deutschen nach den Reformen der „Agenda 2010“ davon. Italien unterließ die nötigen Strukturreformen und fiel Jahr für Jahr weiter zurück. Das Land müsse dringend entbürokratisiert, der Kündigungsschutz gelockert und vieles privatisiert werden, was bislang in staatlicher Hand sei, fordert der italienische Ökonom Alberto Alesina. Das würde die Märkte beruhigen.

Als Italien 1999 als Gründungsmitglied der Europäischen Währungsunion beitrat, war seine Ausgangsposition als klassisches Industrieland nicht schlechter als die deutsche. Doch während sich Deutschland eine harte Anpassungskur verordnete und die Wettbewerbsfähigkeit durch Lohnzurückhaltung und Strukturreformen steigerte, ging Italien den Weg der anderen Südeuropäer und verkonsumierte den Vorteil, den die Währungsunion in Form sinkender Zinsen brachte. Die Folge waren steigende Defizite in der Leistungsbilanz. Heute importiert das Land vor allem Energie und Rohstoffe, aber auch Transportmittel und Chemie, Synthetikfasern und Elektronik. Früher hätte Italien die Probleme durch eine Abwertung der Lira beseitigt. Dieser Weg ist dem Land als Mitglied der Währungsunion versperrt.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

demokratiefreund

09.11.2011, 16:25 Uhr

Die Krise haben wir nicht dem Euro, sondern der USA zu verdanken. Die USA war schon nach dem Platzen der Dot.Com Blase pleite. Danach wurden die Märkte mit billigem Geld geflutet und sie haben uns mit ihren Subprime-MBS beglückt. Ihre Fundamentaldaten sind noch grottiger, als die von Griechenland und können den Funfamentaldaten von Italien nicht annährend das Wasser reichen. Trotzdem reagieren die amerikanischen Ratingagenturen hier nicht. Und damit die Chinesen in Zukunft weiter amerikanische statt Euro-Anleihen kaufen, muss der Euro aus Sicht der Amis eben weg. Für die Amis hat dies auch den positven Effekt, dass sich alle europäischen Staatsführer numehr einem Spardiktat unterwerfen und man der Bevölkerung erzählen kann: Spart schön, verzichtet auf Eure demokratischen Rechte, übt Lohnverzicht und zahlt schön Steuern zugunsten unserer Politikerpensionen, sonst geht es Euch wie den Griechen. Nach zehn verlorenen Jahren, in denen wir mit Angst vor dem Terror klein gehalten wurde, kommen nun zehn Jahre, in denen wir mit Ängsten vor Staatspleiten entdemokratisiert werden. Wer es noch nicht begriffen hat, dies ist Wirtschaftskrieg gesteuert aus London und den USA, was man in Insiderkreisen längst begriffen hat (Vgl. zB Statements von Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. Nur unsere Politiker reagieren nicht, sondern fallen auf die Spekulationsattacken rein. Die Amis waren schon immer gut darin, vorhandene Schwächen eines Landes auszunutzen, um ein Land zu diffamieren, wie man zB am Irak sieht, wo man wegen des Unsympathen Saddam leichtes Spiel hatte zu behaupten, das Land habe Massenvernichtungswaffen. Bei Griechenland und Italien läuft die Masche ähnlich, Hier wurden die chaotischen Zustände der Verwaltung in GR (seit Jahrezehnten bekannt) und der BungaBunga King Berlusconi dazu benutzt, um die Länder sturmreif zu schiessen. Wie gesagt, hier läuft ein aus den USA gesteuerter Wirtschaftskrieg und wir sind dabei, ihn zu verlieren

Account gelöscht!

09.11.2011, 16:53 Uhr

Die Eurobonds kommen.

GausN

09.11.2011, 16:56 Uhr

Besser wäre: Die sieben LEBEN des italienischen Patienten !!
Hoffentlich glauben alle an die Reinkarnation :D

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×