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28.04.2015

16:28 Uhr

Beschluss im EU-Parlament

Big Brother auf dem Beifahrersitz

VonThomas Ludwig

Ein elektronisches Notrufsystem wird ab dem Jahr 2018 in der EU in Autos und kleinen Nutzfahrzeugen Pflicht. Datenschützer warnen jedoch vor Missbrauch. Dabei soll das System vor allem eins: Leben retten.

Ein „SOS“-Schriftzug auf dem Display eines Bordcomputers. dpa

Ein „SOS“-Schriftzug auf dem Display eines Bordcomputers.

BrüsselEin einfacher An/Aus-Knopf hätte Europas Liberale kompromissbereit gestimmt. So aber bleibt ihnen vor allem eins: ärgern „Die Mehrheit des Parlaments hat sich für den gläsernen Autofahrer entschieden“, kritisierte die verkehrspolitische Sprecherin der liberalen Fraktion, die FDP-Abgeordnete Gesine Meißner nach der Abstimmung über ein verpflichtendes eCall-Notrufsystem. Die Daten könnten theoretisch auch dazu genutzt werden, um Bewegungsprofile von Autofahrern zu erstellen. „Big Brother fährt künftig als Beifahrer mit“, warnt Meißner.

Nach der Zustimmung der Volksvertreter wird das automatische Notrufsystem eCall ab April 2018 in allen neuen Pkw-Modellen in der EU zur Pflicht. Bei einem Unfall soll eCall automatisch den einheitlichen europäischen 112-Notruf auslösen. Die abgesandten Daten sollen die Helfer schneller zum Unfallort führen – auch dann, wenn der Fahrer bewusstlos ist. Im vergangenen Jahr gab es in der EU rund 25.000 Tote bei Verkehrsunfällen. Nach Schätzungen der EU-Kommission wird das elektronische Notfallsystem die Zahl der Unfalltoten in Europa um zehn Prozent verringern. Auch die Grüne Fraktion hatte die Verordnung abgelehnt, weil sie Begehrlichkeiten für den Zugriff auf die während der Fahrt gesammelten Daten wecken könnte. Doch ist die Sorge berechtigt?

Nein, sind sich Vertreter der zwei großen Fraktionen der Christdemokraten und Sozialdemokraten sicher. „Die Nachverfolgung eines Fahrzeugs und die Datenspeicherung sind nur soweit zulässig, wie es für die Notfallrettung erforderlich ist. Die Daten werden umgehend gelöscht und auch nicht an Dritte weitergegeben“, bekräftigt Axel Voss (CDU). Und die Sprecherin der Sozialdemokraten im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz, Evelyne Gebhardt(SPD) betonte: „eCall ist ausdrücklich ein sogenanntes schlafendes Notrufsystem – Positionsdaten werden nur im Falle eines Notfalls übermittelt.“

Hier können Maschinen miteinander kommunizieren

Diebstahlschutz

Integrierte M2M-Module melden verdächtige Bewegungen an Objekten und verfolgen sie per GPS-Ortung.

Fernüberwachung

Gebäude und Produktionsstätten lassen sich ohne Personal überwachen. Der Alarm wird automatisch an ein Servicecenter weitergeleitet.

Flottenmanagement

Durch den Überblick über die eingesetzten Fahrzeuge in Echtzeit lassen sich Leerfahrten vermeiden und Ausfallzeiten reduzieren.

Transport und Logistik

Lieferfahrzeuge und Scanner sind via Mobilfunk mit einer Servicezentrale verbunden, Sendungen lassen sich nahtlos und live verfolgen.

Telematikdienste

Autofahrer erhalten durch GPS-Ortung genaue Notruf-, Pannen- und Info-Services.

Anlagensteuerung

Produktionsprozesse in Fertigungsanlagen lassen sich steuern und deren Funktion und Leistung überwachen. Bei Problemen informieren die Anlagen automatisch eine Servicestelle.

Energiemanagement

Mithilfe von intelligenten Stromzählern (Smart Metern) spüren Unternehmen Stromfresser auf und können ihren Energieverbrauch regulieren.

Bezahlsysteme

Mobile Kartenterminals ermöglichen das elektronische Bezahlen unabhängig von stationären Kassen.

Telemedizin

Patienten können aus der Ferne überwacht werden, lebenswichtige Körperfunktionen werden kontrolliert.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßte das System. „eCall kann bei Unfällen die Rettungszeiten verkürzen und leistet damit einen Beitrag für mehr Verkehrssicherheit“, sagte Verbandschef Matthias Wissmann. Entscheidend sei nun, dass parallel zum Einbau in die Fahrzeuge auch die Rettungsleitstellen ausgerüstet und für eCall vorbereitet würden.

Die von den Autoherstellern angebotenen privaten Notrufsysteme können dem Beschluss zufolge auch künftig weiter genutzt werden. „Diese Systeme haben ihre Wirksamkeit in der Praxis längst bewiesen und bringen den Autofahrern zusätzlichen Nutzen. Sie ermöglichen zum Beispiel auch im Ausland die Kommunikation mit den Helfern in der Muttersprache“, sagte Wissmann.

Kommentare (2)

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Herr Helmut Metz

28.04.2015, 17:11 Uhr

Dann suche ich mir halt einen KFZ-Mechaniker, der mir das Ding abstellt (und, falls erforderlich, notfalls zum nächsten TÜV-Termin wieder funktionstüchtig macht).
So wie es Angebote von "Tachojustierern" gibt, wird es auf dem Markt dann auch welche für "e-call-Abschalter" geben.
Ich brauche keine weitere Gängelung. Ich entscheide für mich selbst, ob mir meine persönliche Freiheit oder meine Sicherheit wichtiger ist.

Frau Ich Kritisch

29.04.2015, 09:47 Uhr

Zitat:“Die Daten könnten theoretisch auch dazu genutzt werden, um Bewegungsprofile von Autofahrern zu erstellen.“

Nicht nur theoretisch, sie werden garantiert dazu genutzt werden.

Auch wenn – Zitat: „Die Nachverfolgung eines Fahrzeugs und die Datenspeicherung sind nur soweit zulässig, wie es für die Notfallrettung erforderlich ist. Die Daten werden umgehend gelöscht und auch nicht an Dritte weitergegeben“, … „eCall ist ausdrücklich ein sogenanntes schlafendes Notrufsystem – Positionsdaten werden nur im Falle eines Notfalls übermittelt.“
Ja, und der NSA hatte auch nie das Recht Daten abzugreifen und Plisching-Mails sind kokolores und es gibt niemanden den ein Bewegungsprofil interessiert.

Zitat:“ Die abgesandten Daten sollen die Helfer schneller zum Unfallort führen – auch dann, wenn der Fahrer bewusstlos ist.“
Also auch wenn niemand die Taste drückt kommt der Rettungswagen. Wenn ich also auf ein stehendes geparktes Auto auffahre meldet das Auto „Unfall – Hilfe“ Wenn jemand gegen einen Zaun knallt wird ein Unfall gemeldet.

Wie oft wird es passieren, dass ein Rettungswagen gerade zu einer Falschmeldung unterwegs ist während ein Herzinfarktpatient daheim stirbt?
Einmal wäre bereits einmal zu viel!

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