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28.02.2013

14:43 Uhr

Bestechung eines Abgeordneten

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Berlusconi

Schwere Vorwürfe gegen Silvio Berlusconi: Der italienische Ex-Regierungschef soll 2006 einen Abgeordneten mit drei Millionen Euro bestochen haben – und damit die damalige Mitte-Links-Regierung gestürzt haben.

Berlusconi soll seine Wiederwahl mit einer Bestechung auf die Sprünge geholfen haben. AP/dpa

Berlusconi soll seine Wiederwahl mit einer Bestechung auf die Sprünge geholfen haben.

RomGegen Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi läuft laut einem Medienbericht ein Ermittlungsverfahren wegen mutmaßlicher Abgeordneten-Bestechung. Wie die Zeitung "La Repubblica" am Donnerstag auf ihrer Internetseite berichtete, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, dass Berlusconi dem Abgeordneten Sergio De Gregorio während der Parlamentswahl im Jahr 2006 drei Millionen Euro zahlte.

Die damaligen Wahlen wurden von der Mitte-links-Koalition unter Ex-Regierungschef Romano Prodi gewonnen, der auch De Gregorio angehörte. Wenige Monate später schloss sich De Gregorio der Opposition Berlusconis an, was dazu beitrug, dass die Regierung 2008 zusammenbrach. Aus den darauffolgenden Wahlen ging Berlusconi deutlich als Sieger hervor.

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Berlusconi hat in einem weiteren neuen Fall Probleme mit der Justiz: Staatsanwälte in der norditalienischen Stadt Reggio Emilia ermitteln wegen seines Wahlversprechens, bei einem Sieg die Grundsteuern zu erstatten. Das Verfahren wurde wegen zwei Anzeigen von Bürgern eingeleitet. Sie argumentieren, das Versprechen komme einem Stimmenkauf gleich.

Berlusconi wurde in der Vergangenheit immer wieder beschuldigt, Stimmen gekauft oder Abgeordnete bestochen zu haben. Es ist jedoch dass erste Mal, dass deswegen nun offiziell gegen ihn ermittelt wird. Der Ex-Ministerpräsident musste sich bereits in zahlreichen Affären vor Gericht verantworten. Bislang wurde er aber nur wegen Steuerbetrugs verurteilt, wogegen er in Berufung ging.

Steckbrief Silvio Berlusconi - der „Cavaliere“

Herkunft

Geburtstag: 29. September 1936

Geburtsort: Mailand

Familie

Vater: Bankangestellter Luigi Berlusconi (1908-1989)

Mutter: Rosa Bossi (1911-2008)

Familienstand: getrennt lebend, seit 2009 in Scheidung

Kinder: drei Töchter und zwei Söhne aus zwei Ehen

Studium

1961 Jura-Examen mit Bestnote der Universität Mailand

Größe

1,64 Meter

Spitzname

„Cavaliere“ (Ritter, Kavalier)

Partei

1994 Gründung der Forza Italia, 2008 neue Partei Popolo della Libertà (Volk der Freiheit)

Regierungschef

Von Mai 1994 bis Januar 1995, dann von 2001 bis 2006, erneut zum Ministerpräsidenten gewählt am 8. Mai 2008. Im November 2011 trat Berlusconi nach einer langen Reihe von Skandalen zurück.

Besitz

Rund 150 Firmen, darunter der Fußballverein AC Mailand

Vermögen

Geschätzt auf mehr als sechs Milliarden Euro

Selbsteinschätzung

„Mit mir kann sich keiner vergleichen, nicht in Europa und nicht in der Welt.“

Berlusconi muss sich auch wegen einer mutmaßlichen Sexaffäre mit einer minderjährigen Prostituierten verantworten. Bei den jüngsten Wahlen schnitt Berlusconis Mitte-rechts-Bündnis unerwartet stark ab.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

28.02.2013, 14:52 Uhr

Wieviel verdient eigentlich ein Staatsanwalt in Italien ;-)

Wolfsfreund

28.02.2013, 15:04 Uhr

"Berlusconi wurde in der Vergangenheit immer wieder beschuldigt, Stimmen gekauft oder Abgeordnete bestochen zu haben. Es ist jedoch dass erste Mal, dass deswegen nun offiziell gegen ihn ermittelt wird."
...
"Berlusconi muss sich auch wegen einer mutmaßlichen Sexaffäre mit einer minderjährigen Prostituierten verantworten."
-----------------------------
Na und? Wie immer wird er sich rauswinden wie ein eingefetteter Aal und wenn doch mal hart auf hart geht, wird eine weitere Lex Berlusconi dafür sorgen, daß er straffrei bleibt.
Dieser schmierige Typ erinnert mich weniger an einen Clown oder Kasper, der die Menschen zum Lachen bringen soll, sonst eher an einen Paten der "Ehrenwerten Gesellschaft."
Ich habe nie vergessen, daß er Journalisten, die es wagten, kritisch über ihn zu berichten, kurzerhand aus dem Weg räumen lassen wollte...
http://www.spiegel.de/politik/ausland/saeuberungswelle-berlusconi-fordert-entlassung-kritischer-journalisten-a-192565.html

Account gelöscht!

28.02.2013, 15:05 Uhr

Staatanwaltschaft ermittelt gegen Berlusconi,
und somit auch gegen die italienische Bevölkerung. Das Wahlergebnis zeigt, dass viele Italiener den Euro nicht mehr haben wollen. Darin liegt der Grund warum überhaupt ermittelt wird. Mit den Ermittlungen wird der Souverän geknebelt.

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