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13.02.2017

12:59 Uhr

Bestechungsskandal um Odebrecht

Die Jagd nach „Dicken Fischen“

Ein Ex-Präsident auf der Flucht, ein Friedensnobelpreisträger unter Druck, Verwerfungen von Panama über Kolumbien und Brasilien bis Peru. Das weite Ausmaß eines zwölf Länder umfassenden Korruptionsskandals wird sichtbar.

Weil die Justiz in Südamerika kein Pardon kennt, nimmt die Korruption in Südamerika ein unkontrolliertes Ausmaß an. Reuters, Sascha Rheker

Die Jagd der „Dicken Fische“ von Lateinamerika

Weil die Justiz in Südamerika kein Pardon kennt, nimmt die Korruption in Südamerika ein unkontrolliertes Ausmaß an.

Rio de Janeiro/LimaAlejandro Toledo wird als der „dicke Fisch“ in einem Korruptionsskandal bezeichnet, der epische Ausmaße annimmt. Aber dieser Fisch ist entwischt. Der Ex-Präsident Perus, der vom Schuhputzer zum ersten Mann im Staate aufgestiegen war, soll bis zu 20 Millionen US-Dollar Bestechungsgeld kassiert haben. Für den Bau einer Straße, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Es gibt Hinweise, dass Toledo damit mehrere teure Immobilien finanziert hat.

Alejandro Toledo ist längst nicht der einzige Spitzenpolitiker in Lateinamerika, der in einen der größten Schmiergeldskandale der Welt verwickelt ist. Seit Tagen gibt es um ihn ein Katz-und-Maus-Spiel. Die Justiz in Peru hat einen internationalen Haftbefehl beantragt. Erst war er in Frankreich, dann wurde er mit seiner Frau in den USA gesichtet.

Länder im Odebrecht-Skandal

Argentinien

35 Millionen US-Dollar Schmiergeld, bezahlt zwischen 2007 und 2014 während der peronistischen Regierungen von Néstor Kirchner und seiner Frau Cristina Fernández de Kirchner.

Brasilien

Im Heimatland wird Odebrecht vorgeworfen, mindestens 349 Millionen US-Dollar zwischen 2003 und 2016 an Politiker verschiedener Parteien gezahlt zu haben; führende Manager, darunter Ex-Chef Marcelo Odebrecht, sitzen in Haft. Odebrecht war auch an Bauten für die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele beteiligt. Ein Teil der Anklagen ist Teil des „Lava-Jato“-Skandals um jahrelange Schmiergeldzahlungen bei Bauprojekten des Ölkonzerns Petrobras.

Kolumbien

Hier sollen rund elf Millionen US-Dollar geflossen sein. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts, dass für den Wahlkampf des Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers Juan Manuel Santos 2014 eine Million Dollar (934.000 Euro) gezahlt wurden.

Panamá

59 Millionen US-Dollar zwischen 2010 und 2014. Die beiden Gründer der im Fokus des Skandals um Briefkastenfirmen („Panama Papers“) stehenden Kanzlei Mossack Fonseca, Jürgen Mossack und Ramón Fonseca Mora, wurden festgenommen - weil sie am Korruptionsnetzwerk beteiligt sein sollen. Ramón Fonseca Mora sagt, Panamas Präsident Juan Carlos Varela habe Wahlkampfspenden von Odebrecht erhalten.

Peru

29 Millionen US-Dollar von 2005 bis 2014. Gegen Ex-Präsident Alejandro Toledo liegt ein Haftbefehl vor. Er soll 20 Millionen US-Dollar für den Zuschlag beim Ausbau der Interoceánica bekommen haben, einer Schnellstraße, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Das 2.000 Kilometer lange Stück in Peru kostete 2,1 Milliarden statt der geplanten 850 Millionen US-Dollar.

Venezuela

Der Vorwurf lautet, dass hier 98 Millionen US-Dollar Schmiergeld bei Auftragsvergaben zwischen 2006 und 2015 flossen.

Toledo wollte von dort weiter nach Israel, wo er und seine Frau Eliane Karp, die auch die israelische Staatsbürgerschaft haben soll, bestens vernetzt sind. Die Regierung Israels verlangt aber, dass er erst seine Affäre regelt, um diplomatische Spannungen zu vermeiden.

So ist er wohl weiterhin in den USA. Perus Präsident Pedro Pablo Kuczynski, in Toledos Amtszeit (2001-2006) Wirtschaftsminister, hat daher in einem Telefonat nun US-Präsident Donald Trump um Hilfe bei einer Auslieferung gebeten. Toledo spricht via Facebook von einer „Hexenjagd“. Er, der sich als Kämpfer gegen Korruption inszenierte, weist alle Vorwürfe zurück.

Wie ein Schneeball, der immer größer wird, erfasst der Skandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht von Brasilien ausgehend immer mehr Länder der Region. Vor allem, weil Behörden in Brasilien, den USA und der Schweiz knallhart ermitteln.

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Der Bau- und Chemiekonzern Odebrecht hat gestanden, über eine Milliarde Dollar Schmiergeldzahlungen an Beamte und Politiker in zwölf Staaten gezahlt zu haben. Jetzt zittert die Politikerkaste in ganz Lateinamerika.

Bis zu Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos reicht die Liste der ins Zwielicht Geratenen. Kolumbiens Präsident pocht auf eine rasche Aufklärung durch die nationale Wahlbehörde zu Vorwürfen, wonach Odebrecht 2014 eine Million Dollar für seine Kampagne gezahlt haben soll. „Der Schaden ist schon da“, kritisiert Santos. Er vertraue der Aussage seines Wahlkampfchefs Roberto Prieto, der alle Vorwürfe bestreitet.

Genauso bestreitet Panamas Präsident Juan Carlos Varela, Spenden von Odebrecht bekommen zu haben. Pikant: Er war vom einstigen Vertrauten Ramón Fonseca Mora belastet worden. Fonseca ist Partner der Kanzlei Mossack Fonseca, die zahlreichen Politikern und anderen Promis beim Ausnutzen von Steuerschlupflöchern half und durch die „Panama Papers“ ins Zwielicht geriet. Fonseca und sein Partner Jürgen Mossack wurden wegen angeblicher Verstrickung in den Odebrecht-Skandal festgenommen.

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