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01.07.2014

09:16 Uhr

Bestechungsvorwurf

Polizei nimmt Sarkozy fest

Ärger für Nicolas Sarkozy: Der französische Ex-Präsident ist nach einem Medienbericht in Polizeigewahrsam genommen worden. Es geht um die mutmaßliche illegale Beschaffung von Informationen aus einem Gerichtsverfahren.

Der Bestechungsskandal könnte für ihn ungemütlich werden: Frankreichs ehemaliger Präsident Sarkozy. Reuters

Der Bestechungsskandal könnte für ihn ungemütlich werden: Frankreichs ehemaliger Präsident Sarkozy.

ParisIn der Affäre um die mutmaßliche Bestechung eines Top-Juristen ist der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy am Dienstag in Polizeigewahrsam genommen worden. Dies teilten Justizkreise in Paris der Nachrichtenagentur AFP mit.

Die Justiz geht dem Verdacht nach, dass Sarkozy zusammen mit seinem am Vortag ebenfalls in Gewahrsam genommenen Anwalt Thierry Herzog versucht haben könnte, sich illegal Informationen aus einem laufenden Gerichtsverfahren zu beschaffen. Die Justiz hatte Ende Februar ein neues Ermittlungsverfahren wegen Bestechung und Verletzung des Ermittlungsgeheimnisses eingeleitet. Sie stützte sich dabei auf angezapfte Telefonate von Sarkozy und Herzog.

Liliane Bettencourt

Liliane Bettencourt

Liliane Bettencourt wurde am 21. Oktober 1922 in Paris geboren. Ihr Mädchenname lautet Schueller, nach ihrem Vater Eugène Schueller. Eugène gründete 1909 die Vorgänger-Firma von L'Oréal, die seit 1936 unter diesem Namen weltbekannt wurde.

Heirat

1950 heiratete sie den französischen Politiker André Bettencourt.

Tochter

Am 10. Juli 1953 kam die einzige Tochter des Paares, Françoise, auf dem Familiensitz in Neuilly-sur-Seine Welt. Sie sitzt heute im Aufsichtsrat von L'Oréal.

Tod des Vaters

Am 23. August 1957 starb ihr Vater. Sie erbte 27,5 Prozent des Unternehmens. Sonst befinden sich noch 26,4 Prozent von L'Oréal in der Hand von Nestlé, die restlichen Aktien sind in Streubesitz.

Schenkungen

Zwischen 2001 und 2007 hat Bettencourt Gemälde, Immobilien, Schecks und Lebensversicherungen im Wert von knapp einer Milliarde Euro an den französischen Fotografen François-Marie Barnier verschenkt. Daraufhin entbrannte ein Streit mit der Tochter, die eine Vormundschaft für ihre Mutter beantragte.

Konzerndaten

2010 setzte L'Oréal 19,5 Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen Gewinn von 3,06 Milliarden Euro. Ende des vergangenen Jahres arbeiteten 64.600 Menschen für den Kosmetikkonzern.

Sarkozy hatte sich darin bereit erklärt, dem Top-Juristen Azibert einen Posten in Monaco zu beschaffen, berichten französische Medien. Im Gegenzug soll der leitende Staatsanwalt den Ex-Präsidenten über ein Verfahren um ihn am Kassationsgerichtshof unterrichtet und versucht haben, auf das Verfahren Einfluss zu nehmen.

In dem Verfahren am Kassationsgerichtshof ging es um die Terminplaner Sarkozys. Diese waren im Zuge von Ermittlungen zur Bettencourt-Affäre beschlagnahmt worden. In diesem Fall ging es um den Vorwurf illegaler Wahlkampfspenden für Sarkozy aus dem Vermögen der L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt. Ein Ermittlungsverfahren gegen Sarkozy war aus Mangel an Beweisen eingestellt worden.

Sarkozy, dem Ambitionen auf eine Rückkehr in die Politik nachgesagt werden, wollte seine Terminplaner zurück. Der Kassationsgerichtshof entschied aber im März, dass er darüber nicht befinden könne. Nun darf die französische Justiz die Aufzeichnungen weiterhin auswerten, die Sarkozy auch in anderen Affären gefährlich werden könnten.

Von

afp

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