Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.11.2016

23:17 Uhr

Bestechungsvorwurf

Putin lässt Uljukajew fallen

Alexej Uljukajew steht unter dem Verdacht der Korruption im Zusammenhang mit einem Deal in der russischen Ölbranche – und ist jetzt seinen Posten als Wirtschaftsminister los. Doch es gibt Zweifel an den Vorwürfen.

In Ungnade gefallen? Alexej Uljukajew ist als russischer Wirtschaftsminister entlassen und sitzt in Hausarrest. dpa

Alexej Uljukajew

In Ungnade gefallen? Alexej Uljukajew ist als russischer Wirtschaftsminister entlassen und sitzt in Hausarrest.

Moskau/SotschiDer russische Präsident Wladimir Putin hat den unter Korruptionsverdacht stehenden Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew entlassen. Der Präsident habe das Vertrauen in ihn verloren, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Dienstag.

Uljukajew wird vorgeworfen, vom größten staatlichen Ölkonzern Rosneft zwei Millionen Dollar Schmiergeld verlangt zu haben, um im Gegenzug einem Milliardenzukauf zuzustimmen. Nach Angaben eines Ermittlers hat Uljukajew die Annahme von Bestechungsgeld bestritten.

Russlands Wirtschaftsminister Uljukajew: Zugriff bei Geldübergabe

Russlands Wirtschaftsminister Uljukajew

Premium Zugriff bei Geldübergabe

Zwei Millionen Dollar Schmiergeld soll Russlands Wirtschaftsminister angenommen haben. Der Korruptionsskandal sorgt für mächtig Aufruhr im Kreml. Nur an Präsident Wladimir Putin perlt die Affäre ab.

Er wurde in der Nacht festgenommen, ein Gericht stellte ihn am Dienstag für zwei Monate unter Hausarrest. Das Vorgehen gegen den Minister offenbart Verwerfungen im innersten Machtzirkel um Putin. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wurde in Russland kein so ranghoher Politiker mehr verhaftet. Uljukajews Amtsgeschäfte führt nun sein bisheriger Stellvertreter Jewgeni Jelin, wie eine Regierungssprecherin mitteilte.

Wie ein AFP-Reporter berichtete, führten Polizisten Uljukajew, der einen Anzug und Krawatte trug, am Abend ohne Handschellen in den Gerichtssaal. Der Richter Artur Karpow entschied, dass der Politiker während der laufenden Ermittlungen bis zum 15. Januar in seiner Residenz im Südwesten Moskaus unter Hausarrest stehe. Tägliche Spaziergänge, wie sie Uljukajews Anwälte unter Verweis auf Gesundheitsprobleme ihres Mandanten verlangt hatten, sind ihm untersagt. Verboten ist ihm auch zu telefonieren und überhaupt der Kontakt zur Außenwelt - mit Ausnahme zu seinen Angehörigen.

Peskow sagte, Uljukajews Festnahme habe nichts mit dem Milliardengeschäft von Rosneft zu tun und gefährde dies auch nicht. Der Staatskonzern will für fünf Milliarden Dollar den kleineren Konkurrenten Baschneft übernehmen. Die Behörden haben dagegen keine Einwände.

Angestoßen wurde das Verfahren gegen Uljukajew von der staatlichen Untersuchungskommission, die bei schweren Vergehen ermittelt. Sie teilte mit, sie sei nach einer Beschwerde von Rosneft aktiv geworden. Demnach setzte Uljukajew den Konzern bei den Baschneft-Verhandlungen unter Druck.

Der Minister sei bei der Übergabe des von ihm geforderten Bestechungsgeldes festgenommen worden. Bilder davon präsentierte das Staatsfernsehen. Die Aktion untermauere die Entschlossenheit der Regierung im Kampf gegen Korruption, hieß es in dem Bericht.

Russlands Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew

Alter

Der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew ist seit fast drei Jahrzehnten in der Politik aktiv. Er ist am 23. März 2016 60 Jahre geworden (geboren 1956 in Moskau).

Quelle: dpa

Ausbildung

Uljukajew hat an der Moskauer Staatlichen Universität (MGU) bis 1979 Wirtschaftswissenschaft studiert und anschließend promoviert bis 1983.

Politischer Hintergrund

Uljukajew hat mit den wirtschaftsliberalen Politikern Jegor Gaidar und Anatoli Tschubais zusammengearbeitet und war ab 1992 Berater der ersten russischen Reformregierung nach Zerfall der Sowjetunion.

Staatliche Posten

Er war von 2000 bis 2004 Vize-Finanzminister, von 2004 bis 2013 Vize-Zentralbankchef und ist seit 2013 Minister für wirtschaftliche Entwicklung.

Familie

Uljukajew ist verheiratet und hat drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter.

Hobbys

Zu seinen Hobbys gehören unter anderem wandern, rudern und schwimmen.

Nach Angaben seines Anwalts wurde der 60-jährige Uljukajew in Räumen des Rosneft-Konzerns in Moskau festgenommen. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft. Vor Gericht sagte Uljukajew, er sei unschuldig. Er werde mit den Ermittlern zusammenarbeiten, das sei in seinem eigenen Interesse.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×