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19.09.2015

16:55 Uhr

Besuch auf der Krim

Weinprobe von Putin und Berlusconi sorgt für Ärger

Auf der annektierten Krim genehmigten sich Putin und Berlusconi ein Schlückchen. Die Ukraine will nun ermitteln – wegen der „illegalen Beschlagnahme von Staatsbesitz“. Denn die beiden tranken nicht irgendeinen Wein.

Wladimir Putin mit Silvio Berlusconi erkunden den Khanpalast von Bachtschyssaraj in der Nähe von Sevastopol. AFP

Auf Stippvisite

Wladimir Putin mit Silvio Berlusconi erkunden den Khanpalast von Bachtschyssaraj in der Nähe von Sevastopol.

KiewEine Weinprobe von Russlands Präsident Wladimir Putin mit dem früheren italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi auf der im Frühjahr 2014 von Moskau annektierten Halbinsel Krim hat ein juristisches Nachspiel. Die ukrainische Staatsanwaltschaft leitete am Samstag Ermittlungen wegen der „illegalen Beschlagnahme von Staatsbesitz“ ein. Es bestehe der Verdacht, dass die beiden Freunde bei ihrem Besuch in dem berühmten Weingut Massandra auf der Krim einen teuren Wein probierten, der eigentlich dem ukrainischen Staat gehörte.

Putin und Berlusconi sollen kürzlich in dem Weingut eine Flasche des spanischen Jerez de la Frontera von 1775 entkorkt haben. Ein Schluck des Weins, den die ukrainische Staatsanwaltschaft auf mehr als 100.000 Dollar (87.000 Euro) schätzt, kostet ein kleines Vermögen. In Fernsehaufnahmen des Besuchs fragt Berlusconi die Direktorin des Weinguts, ob es möglich sei, einen der alten Weine zu trinken. Sie gehören zu einer legendären Weinsammlung des Prinzen Michail Woronzow, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert Generalgouverneur der Krim war.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Der Besuch Putins und des italienischen Medienmoguls Berlusconi sorgte in Kiew für Unmut. Russland hatte die Krim nach dem politischen Umsturz in Kiew im März 2014 besetzt und nach einem umstrittenen Referendum annektiert. Die Ukraine und der Westen betrachten die Annexion als völkerrechtswidrig und erkennen sie daher nicht an.

Von

afp

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