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04.10.2014

15:56 Uhr

Besuch aus Pjöngjang

Spitzendelegation reist nach Südkorea

Hochrangige Funktionäre aus Nordkorea nutzen die Asienspiele, um dem Rivalen im Süden einen Besuch abzustatten. Die seltene Reise erregt Aufsehen – als „goldene Gelegenheit“ für Diplomatie und Wiedervereinigung.

Nordkoreas Nummer zwei: Spitzenfunktionär Hwang Pyong So wird derzeit vom südkoreanischen Einheitsministerium empfangen. AFP

Nordkoreas Nummer zwei: Spitzenfunktionär Hwang Pyong So wird derzeit vom südkoreanischen Einheitsministerium empfangen.

SeoulZum ersten Mal seit fünf Jahren hat ein Spitzenfunktionär Nordkoreas mit der verfeindeten Regierung Südkoreas verhandelt. Das Treffen kam nach südkoreanischen Angaben am Samstag überraschend am Rande der Asienspiele in Südkorea zustande.

Botschaft und Absicht des Nordkoreaners Hwang Pyong So – er gilt als Nummer zwei hinter Machthaber Kim Jong Un – blieben allerdings zunächst offen. Vorab drückten beide Seiten aber ihre Hoffnung auf bessere Beziehungen aus. Die nordkoreanische Delegation war zum Schlusstag der Asienspiele in der südkoreanischen Stadt Incheon angereist.

Der Besuch gilt als diplomatisch bedeutsam, weil es seit Monaten immer wieder Spannungen und militärische Drohgebärden zwischen den beiden Nachbarländern gibt. Das kommunistische Nord- und das mit dem Westen verbündete Südkorea haben nach dem Ende ihres Kriegs 1953 nie Frieden geschlossen.

Der Nordkoreaner Hwang ist Spitzenfunktionär der dortigen Volksarmee und stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission, die von Machthaber Kim selbst geführt wird. Hwang wurde in Südkorea von Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae und dem Direktor für Nationale Sicherheit, Kim Kwan Jin empfangen.

Auch die südkoreanische Präsidentin Park Guen Hye sei zu einem Treffen bereit gewesen. Doch habe die nordkoreanische Delegation vor der Abschlussfeier der Asienspiele keine Zeit mehr gehabt, hieß es. Das könnte sich als Fehler erweisen, spekulierte der amerikanische Korea-Experte John Delury von der Yonsei-Universität in Seoul.

Eine so hochrangige nordkoreanische Delegation hätte Park Einblicke gegeben, was die nordkoreanische Führung vorhabe, sagte er. Die Visite sei für Park eine „goldene Gelegenheit“, den Prozess zur Wiedervereinigung der verfeindeten Länder voranzubringen.

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Eine Zusammenkunft auf so hoher Ebene hatte es zuletzt 2009 gegeben. Damals hatte eine Delegation dem verstorbenen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung die letzte Ehre erwiesen und mit dessen Nachfolger Lee Myung Bak gesprochen. Damals und auch jetzt mit dabei war Nordkoreas Geheimdienstchef Kim Yang Gon.

Doch hatten sich die Beziehungen der Nachbarn danach verschlechtert. Zuletzt hatten sich die Führungen beider Länder häufig gegenseitig beschimpft. Nordkoreanische Staatsmedien hatten Südkoreas Präsidentin Park zuletzt als Prostituierte bezeichnet.

Über Nordkoreas Machthaber Kim kursierten zuletzt Spekulationen, seine Gesundheit sei angeschlagen. Er hat sich seit dem 3. September nicht in der Öffentlichkeit gezeigt. Filmmaterial zeigte ihn im August humpelnd und mit Übergewicht.

Von

ap

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