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20.02.2017

08:34 Uhr

Besuch in Algerien

Was sich Merkel von Abdelaziz Bouteflika erhofft

Ein schwer kranker Greis steht an der Spitze des Staates. Die Elite ringt um die Nachfolge, das Volk wünscht sich Wohlstand, Islamisten mehr Kontrolle. In diesen Zeiten soll Algerien für Stabilität in Nordafrika sorgen.

Der schwer kranke Präsident Abdelaziz Bouteflika tritt öffentlich kaum noch in Erscheinung. Trotzdem hält er formell alle Fäden in dem nordafrikanischen Land in der Hand. Beim Besuch von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) wird es am Montag vor allem um die Rolle Algeriens als Stabilitätsanker in der Region gehen – und auch darum, wer in dem Land noch das Sagen hat. dpa

Symbol des Staates

Der schwer kranke Präsident Abdelaziz Bouteflika tritt öffentlich kaum noch in Erscheinung. Trotzdem hält er formell alle Fäden in dem nordafrikanischen Land in der Hand. Beim Besuch von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) wird es am Montag vor allem um die Rolle Algeriens als Stabilitätsanker in der Region gehen – und auch darum, wer in dem Land noch das Sagen hat.

AlgierVor einigen Monaten hatte Abdelaziz Bouteflika einen seiner wenigen öffentlichen Auftritte. Im Rollstuhl sitzend und schwer gezeichnet von mehreren Schlaganfällen in den vergangenen Jahren eröffnete der Staatschef mit zitternder Hand und der Hilfe eines Begleiters die neue Oper in Algeriens Hauptstadt Algier. Der fast 80-jährige Präsident tritt kaum noch in Erscheinung. Viele Algerier munkeln, dass er schon längst die Kontrolle verloren hat. Trotzdem thront der Präsident offiziell über allem: Weil die Angst vor Veränderung, Instabilität und Terror zu groß ist - nicht nur in Algerien selbst.

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Montagabend nach Algier reist, dann hat sie diese Gedanken sicher im Hinterkopf. Denn das flächenmäßig größte Land Afrikas ist für die Stabilität Nordafrikas von großer Bedeutung. Im Hintergrund vermittelt das Land unter anderem im Bürgerkrieg in Libyen. Und Bouteflika wurde trotz seiner schwachen Gesundheit gerade erst zum Vize-Chef der Afrikanischen Union gewählt.

Algerien: Gas, Erdöl, Wüste

Größter Flächenstaat Afrikas

Die frühere französische Kolonie Algerien ist der größte Flächenstaat in Afrika. Wirtschaftlich profitiert das Land vor allem von seinen enormen Öl- und Gasvorkommen, die Exporterlöse machen rund 98 Prozent der Deviseneinnahmen aus. Mit einer Fläche von knapp 2,4 Millionen Quadratkilometern ist Algerien fast siebenmal so groß wie Deutschland.

Käufer deutscher Rüstungsgüter

Der Wüstenstaat zählt zu den wichtigsten Abnehmern deutscher Rüstungsgüter außerhalb der Nato. Der Tourismus ist im Vergleich zum Nachbarn Tunesien nur dürftig entwickelt.

Umsturz im arabischen Frühling verhindert

Im Sog des Arabischen Frühlings kam es auch in Algerien zu Streiks und Protesten gegen steigende Preise und Perspektivlosigkeit. Doch der seit 1999 amtierende Präsident Abdelaziz Bouteflika konnte einen Umsturz wie in anderen arabischen Staaten verhindern.

Islamisten bekämpfen die Regierung

Blutige Auseinandersetzungen zwischen Islamisten und Regierung lassen den Staat seit Jahren nicht zur Ruhe kommen. Algerien ist das Stammland der Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI).

Mit Mali, Niger und Libyen hat Algerien drei unruhige Grenznachbarn, in denen zum Teil Chaos herrscht und die für tausende Migranten Durchgangsstation sind. Wie schon beim Besuch des tunesischen Ministerpräsidenten vergangene Woche in Berlin dürfte es auch beim Besuch der Kanzlerin in Algerien vor allem um Migrations- und Sicherheitsfragen gehen.

„Es sind keine glücklichen Zeiten für Algerien“, schreibt Vish Sakthivel vom Washington Institute für Nahost-Politik in einer Analyse. Die algerische Politik habe in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwei Realitäten gehabt: Einerseits ein Bürgerkrieg in den 90ern zwischen Staat und Islamisten, der geschätzt 150 000 Menschen das Leben kostete, andererseits die relative Ruhe unter Staatschef Bouteflika, der seit 1999 an der Spitze des Landes steht.

Gastbeitrag zur Hilfe für Algerien: „Wir müssen diese Partnerschaft wiederbeleben“

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Viele Flüchtlinge in Deutschland stammen aus Algerien. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Wirtschaft schwächelt – die Bundesregierung will helfen. Eine algerische Journalistin beschreibt, wie das funktionieren könnte.

Und auch Algeriens Reichtum an Öl und Gas sei Segen und Fluch zugleich. Nach dem Bürgerkrieg konnte der Staat sein Volk mit großzügigen Subventionen der Energiepreise und auch beim Hausbau unterstützen. Seit der Ölpreis gefallen ist, habe die Regierung einige unpopuläre Entscheidungen treffen müssen, schreibt die US-Analystin. „Viele fürchten, dass jetzt die Unsicherheit zurückkommt.“

Kommentare (1)

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20.02.2017, 09:24 Uhr

Was sich Merkel erhofft....ganz einfach...noch mehr Einwanderer für das grenzenlose EU-Deutschland.

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