Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.04.2013

11:44 Uhr

Besuch in China

Kerry verhandelt über Lösung der Korea-Krise

US-Außenminister John Kerry ist zu Besuch in China und drängt die Führung Chinas auf Nordkorea einzuwirken. Doch China sieht die USA in der Pflicht. Währenddessen arbeitet Nordkorea weiter an seinem Atomprogramm.

US-Außenminister Kerry trifft Chinas Präsident Xi Jinping. Reuters

US-Außenminister Kerry trifft Chinas Präsident Xi Jinping.

PekingUS-Außenminister John Kerry hat mit China über neue Lösungen zur Entschärfung der Korea-Krise gesprochen. Bei seinem Besuch in Peking drängte Kerry die chinesische Führung, mäßigend auf Korea einzuwirken. „Kein Land der Welt hat eine so enge Beziehung oder einen so großen Einfluss auf Nordkorea wie China“, sagte der Minister vor seinen Treffen mit Staats- und Parteichef Xi Jinping, Ministerpräsident Li Keqiang und Außenminister Wang Yi.

Peking wiegelt aber eher ab. Der Einfluss auf den jungen Machthaber Kim Jong Un und das Regime in Pjöngjang sei begrenzt. Einen Ausweg aus der Krise sieht China vor allem in direkten Gesprächen zwischen den USA und Nordkorea. Kerry zeigte sich grundsätzlich offen für einen Dialog. „Wir wollen zu Gesprächen zurückkehren.“ Dies könnte eine Wiederaufnahme der Sechser-Gespräche mit Nordkorea, USA, China, Südkorea, Japan und Russland sein, aber auch bilaterale Treffen mit der nordkoreanischen Führung wären denkbar.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Dazu stellte Kerry aber Forderungen an das Regime in Pjöngjang: „Es muss vorbereitet sein, sich an seine internationalen Verpflichtungen und Standards zu halten, die es angenommen hat. Und es muss klar machen, dass es in den Gesprächen zu einer Denuklearisierung bereit ist“, sagte Kerry zum Abschluss seiner Gespräche mit der südkoreanischen Regierung am Vortag in Seoul. Allerdings hatte das Regime in Pjöngjang mehrfach betont, eine Aufgabe seines Atomprogramms stehe nicht zur Debatte.

Die Visite ist zugleich Kerrys Antrittsbesuch nach seiner Ernennung zum US-Außenminister. Er traf in Peking zunächst seinen Kollegen Wang Yi, der erst im März sein Amt übernommen hat. Wang Yi gilt als ausgewiesener Nordkorea-Experte. Er war zeitweise Chefunterhändler Chinas bei den Sechs-Parteien-Gesprächen. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms waren damals diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht gestellt worden, doch ließ Nordkorea die Verhandlungen 2009 platzen.

China ist frustriert über den traditionellen Verbündeten. Besonders die drei Atomwaffentests 2006, 2009 und im Februar dieses Jahres haben die Beziehungen belastet. Peking stimmte deswegen auch den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen Pjöngjang zu. Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist seitdem besonders angespannt. Nordkorea hat inzwischen den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt. Das Regime drohte den USA mit einem präventiven Atomschlag und rief gegenüber Südkorea den „Kriegszustand“ aus.

Aber genau das könnte China und die USA nach Einschätzung von Experten näher zusammenbringen. „Ich denke, dass Nordkorea mit seinen Provokationen die rote Linie überschritten hat. Das wird China und die USA zu einer stärkeren Kooperation bringen“, sagte der Professor für Internationale Beziehungen an der Renmin Universität in Peking, Cheng Xiaohe, der Nachrichtenagentur dpa. „Es kann nicht mehr schlimmer werden als jetzt, also muss China handeln.“

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×