Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2011

17:01 Uhr

Besuch in Moskau

Wie Rösler den Russen die Energiewende erklärt

Die erste Auslandsreise ist immer etwas Besonderes. Vizekanzler Rösler erklärt bei einem Kurztrip nach Moskau die deutsche Energiewende. Russisches Gas könnte eine wichtige Rolle spielen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (rechts) unterhält sich im Wirtschaftsministerium in Moskau mit dem Minister für Handel und Industrie, Viktor Christenko. Quelle: dpa

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (rechts) unterhält sich im Wirtschaftsministerium in Moskau mit dem Minister für Handel und Industrie, Viktor Christenko.

Philipp Rösler ist im Landeanflug. Der Wirtschaftsminister sitzt im Cockpit der Luftwaffenmaschine vom Typ Challenger. „Davon träumt man doch als kleiner Junge“, sagt der Vizekanzler, die Kopfhörer für den Sprechfunk auf den Ohren. 

Röslers Vater bildete Hubschrauberpiloten bei der Bundeswehr aus. Sohn Philipp, bis zur politischen Blitzkarriere Arzt bei der Truppe, flog mit 14 zum ersten Mal in einem Segelflieger. Später lenkte er auch mal selbst kleinere Motorsportflugzeuge. 

Um 10.25 Uhr Ortszeit landet die Challenger ruppig auf der Betonpiste des Flughafens Moskau-Vnukovo. Der FDP-Chef freut sich. Er hat den beiden Piloten der Flugbereitschaft über die Schulter geschaut. Sein eigener Flugschein ist längst verfallen. Jetzt steuert Rösler die in Turbulenzen geratene FDP. 

In Moskau ist die Partei weit weg. Rösler weiß, dass er sich nach dem Ende der Personalquerelen jetzt vorrangig um seinen Ministerjob kümmern muss. Die schwarz-gelbe Energiewende ist das ehrgeizigste Infrastrukturprojekt seit der Wiedervereinigung. 

Von den benötigten 3600 Kilometern Stromautobahnen sind erst 80 Kilometer gebaut. Teile der Industrie befinden sich in einer Art Schockstarre, RWE-Chef Jürgen Großmann schimpft über eine „Ökodiktatur“. Der Atomausstieg bis 2022 wird viele Milliarden kosten und die Strompreise treiben. Das trifft die Konzerne hart. 

Europas größte Volkswirtschaft macht sich gerade noch abhängiger von ausländischen Energieimporten. Erst in etwa zehn Jahren dürfte genug grüner Strom da sein. Bis dahin müssen viele neue Gaskraftwerke ans Netz, um Schwankungen auszugleichen. 

Das freut die Russen, die sich neugierig den Stellvertreter der Kanzlerin anschauen. Das atomfreundliche Russland selbst will zwar zwölf neue Meiler bis 2020 bauen - deckt aber als Gas-Großmacht auch 32 Prozent des deutschen Bedarfs. 

Der Staatsmonopolist Gazprom jubelte öffentlich über den deutschen Turbo-Ausstieg und glaubt, noch höhere Preise durchdrücken zu können. Das findet der deutsche Branchenprimus Eon gar nicht lustig.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×