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04.04.2006

14:36 Uhr

Betrieb chinesischer Kernkraftwerke

China bekommt langfristig Uran aus Australien

VonUrs Wälterlin

Australien wird China langfristig mit Uran beliefern. Dies soll den Betrieb chinesischer Kernkraftwerke dauerhaft sichern. Einen entsprechenden Grundsatzvertrag unterzeichneten Chinas Premier Wen Jiabao und der australische Ministerpräsident John Howard am Montag.

CANBERRA. Es wird erwartet, das China in den kommenden 20 Jahren bis zu 50 neue Atomkraftwerke baut. Für deren Betrieb benötigt das Land Uran. In Australien befinden sich 30 bis 40 Prozent der weltweit bekannten Uranvorkommen. Das Land liefert das Material aber nur an solche Länder, die den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet haben. Zudem verlangt die Regierung bilaterale Sicherheitsvereinbarungen.

Danach verpflichtet sich Peking, den nuklearen Brennstoff aus Australien ausschließlich für friedliche Zwecke zu verwenden. Uran werde ausschließlich an Stromhersteller verkauft, sagte Regierungschef Howard. Internationale Experten sollen die Einhaltung des Vertrags vor Ort überwachen. „Ich bin überzeugt, die Sicherheitsbestimmungen können durchgesetzt werden“, bekräftigte Howard.

Obwohl mindestens ein Drittel der weltweit bekannten Uran-Reserven in australischem Boden liegen und kostengünstig gefördert werden könnten, steht das Land auf der Liste der Produzenten nur an zweiter Stelle. Die Spitzenposition hält Kanada. Das könnte sich aber schon in wenigen Jahren ändern.

Mit dem jetzt geschlossenen Abkommen steht der Weg offen für den Export von australischem Uran in das energiehungrige Wachstumsland China. Berichten zufolge will China pro Jahr rund 20 000 Tonnen des nuklearen Brennsstoffs importieren, um den Bedarf seiner rapide expandierenden Atomenergieindustrie decken zu können. Australien fördert bisher in drei Minen weniger als die Hälfte dieser Menge und exportiert das Metall in verschiedene westliche Länder. Das Land betreibt selber keine Kernkraftwerke, sondern deckt den Großteil des Strombedarfs mit der Verbrennung von Kohle.

Trotz der jüngsten Entwicklung dürfte es noch einige Zeit dauern, bis die ersten gelben Fässer nach Peking verschifft werden. Ein vor Jahrzehnten unter der damaligen sozialdemokratischen Labor-Regierung beschlossenes Prinzip, die Zahl der Uranminen landesweit auf drei zu beschränken, hat die Entwicklung der Industrie gehemmt. Noch immer sind die von Labor kontrollierten Regierungen einiger Bundesländer gegen einen Ausbau der Uranförderung. Doch der Widerstand gegen die „Drei-Minen-Politik“ wird in der Labor-Partei schwächer. Der zuständige Schattenminister Martin Ferguson hat sich schon vor längerer Zeit für ihre Abschaffung ausgesprochen.

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