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21.06.2013

20:43 Uhr

„Beutekunst“

Putin und Merkel eröffnen Ausstellung doch gemeinsam

Der Besuch der Kanzlerin in Russland schien mit einem Eklat zu enden. Merkel sagte die Eröffnung einer Ausstellung mit Beutekunst ab. Doch sie änderte ihre Meinung – trotz Unstimmigkeiten mit Russland bei diesem Thema.

Versöhnliche Geste: Russlands Präsident Wladimir Putin überreichte Kanzlerin Angela Merkel eine alte Lithografie zum deutsch-russischen Handelsabkommen 1894. ap

Versöhnliche Geste: Russlands Präsident Wladimir Putin überreichte Kanzlerin Angela Merkel eine alte Lithografie zum deutsch-russischen Handelsabkommen 1894.

St. PetersburgIn ihrem Streit um die von Sowjetsoldaten nach 1945 verschleppte „Beutekunst“ kamen sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Kremlchef Wladimir Putin nicht näher. Aber nach einigem Hin und Her eröffneten beide zumindest gemeinsam die große Bronzezeit-Ausstellung mit viel Beutekunst in der weltberühmten Eremitage. Aus deutscher Sicht ist das eine handfeste Sensation. Immerhin werden teils bisher noch nicht gezeigte Beute-Kunstschätze, die Deutschland wiederhaben will, bis zum 8. September ausgestellt.

Zwar machte Putin klar, dass er das Kapitel nicht öffnen wolle: Das heißt, dass die Kunstschätze in Russland bleiben. Er sei dafür, dass deutsche und russische Museumsexperten abseits der Politik sich wissenschaftlich mit den Kulturgütern befassen. Und so gilt vor allem die Ausstellung „Bronzezeit – Europa ohne Grenzen“ als krönender Abschluss des Deutschlandjahres.

Doch der Streit um die Kulturschätze, die Sowjetsoldaten nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland beschlagnahmten und verschleppten, bleibt. Das zeigt auch die Tatsache, dass sich das Museum von Anfang an jeden politischen Lärm verbat – und das Projekt insgesamt fast wie ein Staatsgeheimnis hütete.

Die Beutekunst-Exponate machen den Großteil der Schau aus – insgesamt 600 der 1700 Gegenstände. Zu sehen in der Eremitage ist etwa der von Deutschland begehrte Goldschatz von Eberswalde. Abseits politischer Emotionen wollen hier deutsche und russische Experten vor allem erstmals wieder eine geschlossene Sammlung zur Bronzezeit präsentieren. Dabei half ihnen, dass es um die Beutekunst zuletzt ruhiger geworden war. Trotzdem konnte wohl keiner erwarten, dass Merkel schweigt zu dem Reizthema.

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Immerhin hatte die Sowjetunion zu DDR-Zeiten etwa an die Dresdner Gemäldegalerie in großem Stil wichtige Kunstschätze zurückgegeben. Beweglich zeigte sich Putin zuletzt auch bei der Rückgabe der Fenster an die Frankfurter Marienkirche. Doch die Verhandlungen über weitere Gegenstände – wie etwa die so bezeichnete Baldin-Sammlung aus Bremen – kommen nicht voran.

Merkel bekam nun hautnah mit, dass Russland die „verlagerten Kunstschätze“ als Entschädigung für Kriegsverluste sieht. St. Petersburg bereitet sich auf den 70. Jahrestag des Endes der Leningrader Blockade vor, mit der die Deutschen die Stadt einst auslöschen wollten. Bei der Ausstellungseröffnung in der Eremitage bedankte sich die Kanzlerin am Abend ausdrücklich dafür, dass die Exponate überhaupt erstmals öffentlich gezeigt werden. Zugleich bekräftigte sie die Haltung der Bundesregierung, dass diese Ausstellungstücke wieder zurück nach Deutschland kommen sollten.

Kommentare (11)

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nobum

21.06.2013, 21:02 Uhr

Wollen Merkel und Putin vom Deal Gazprom/BASF ablenken? Gazprom bekommt näher an den Endverbraucher heran.

eksom

21.06.2013, 21:12 Uhr

Merkel muss immer das tun, was Putin will! Ohne Gas vom Gazprom ist Merkel aufgeschmissen! Menschenrechte und Beutekunst spielen keine Rolle! Ist nur Showeinlage für die Naivsten.

Breslauer

21.06.2013, 21:38 Uhr

Meinen Respekt für Frau Merkel...und auch für Herrn Putin,
die das für beide Länder wichtige Projekt der russisch -
deutschen Beziehungen,trotz der schon geschärften Messer
der Kalten Krieger,nicht an den Klippen der umstrittenen
Kunstschätze haben zerschellen lassen !
Frau Merkel ist nicht nur ihrer DDR-Sozialisierung wegen
an einem guten Verhältnis zu Russland interessiert: Im
Unterschied zu vielen rheinisch geprägten CDU-Granden hat
sie auch Bismarck gelesen - und verstanden !
Respekt auch dem HANDELSBLATT für diesen objektiven und
fairen Bericht. Das ist Qualitätsjournalismus.

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