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29.10.2015

12:43 Uhr

Bevölkerungswachstum

China schafft die Ein-Kind-Politik ab

Gibt es in China jetzt eine Bevölkerungsexplosion? Offiziell erlaubt die kommunistische Partei chinesischen Paaren nun, mehrere Kinder zu bekommen. Die bisherige Ein-Kind-Politik hatte dramatische Folgen.

In Zukunft dürfen Chinesen wieder mehr Kinder bekommen. dpa

Chinas Ein-Kind-Politik

In Zukunft dürfen Chinesen wieder mehr Kinder bekommen.

PekingNach mehr als drei Jahrzehnten hat China die umstrittene Ein-Kind-Politik abgeschafft. In einem Kommuniqué zum Abschluss der Sitzung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei in Peking hieß es am Donnerstag, künftig werde allen Paaren zwei Kinder erlaubt. Auf seiner viertägigen Sitzung hatte das hohe Parteigremium den neuen Fünf-Jahres-Plan beraten und die Weichen für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes gestellt. Der Plan soll im März vom Volkskongress gebilligt werden.

Die überraschende Wende in der staatlich verordneten Familienpolitik erfolgte als Reaktion auf die schnelle Alterung des Milliardenvolkes und die rückläufige Geburtenrate. Die Volksrepublik zählt heute mehr als 1,3 Milliarden Menschen. Bereits Ende 2013 gab es eine Lockerung der Ein-Kind-Politik. Danach durften Paare, von denen einer der Partner ein Einzelkind ist, schon zwei Kinder haben.

Der Schritt hatte nicht zu einem Babyboom geführt. Angesichts hoher Mieten und teurer Schulbildung fürchten viele Paare in den Metropolen ohnehin, dass sie sich kein zweites Kind leisten können. „Nur wenn auch die Kosten, ein Kind aufzuziehen, gesenkt werden können, wird diese neue Politik funktionieren“, hieß es unter anderem in spontanen Reaktionen in Internetforen.

Die Ein-Kind-Politik war wegen ihrer strengen Umsetzung mit Zwangsabtreibungen bis spät in der Schwangerschaft und anderer Zwangsmaßnahmen immer heftig umstritten. Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch begrüßte die Abschaffung auch als „Schritt in die richtige Richtung“, wie Sophie Richardson der Deutschen Presse-Agentur am Telefon sagte.

Viele Menschen in und außerhalb von China hätten das Ende seit Jahrzehnten gefordert, sagte die in New York ansässige Expertin. Doch bedeute die Zulassung der Zwei-Kind-Familie nicht, dass es jetzt Fortpflanzungsfreiheit in China gebe. „Der Staat greift aus unserer Sicht weiter willkürlich und unnötig in die reproduktiven Rechte der Menschen ein“, sagte Richardson.

Chinas Verhältnis zu den Akteuren im Syrien-Konflikt

Russland

China und Russland pflegen gute Beziehungen, vor allem um ein strategisches Gegengewicht zur Supermacht USA zu bilden. Im UN-Sicherheitsrat stimmen beide Veto-Mächte häufig ähnlich ab. Intensiv ist die Zusammenarbeit im Energiebereich. China kauft große Mengen Öl und Gas aus Russland. Trotz der nach außen demonstrierten Partnerschaft herrscht aber Misstrauen auf beiden Seiten.

Syrien

Chinas Interessen und Einfluss in Syrien sind begrenzt. Kritiker werfen China vor, neben Russland und dem Iran das alte Assad-Regime bewaffnet zu haben. Mit Russland hat China sein Veto gegen sechs UN-Resolutionen eingelegt. China unterstützt den Kampf gegen die IS-Terrormiliz, plädiert aber für den Einsatz friedlicher Mittel und für eine internationale politische Lösung.

Irak

China fürchtet eine Ausdehnung des Einflusses des IS im Irak, wo seine großen Energieinteressen bedroht wären. Der Irak ist nach Saudi-Arabien die zweitwichtigste Quelle für Chinas Ölimporte. Mit der Entwicklung der Ölfelder im Irak ist China der größte ausländische Investor des Landes geworden und nimmt mehr als die Hälfte der irakischen Ölproduktion ab.

Iran

Chinas Einfluss auf Teheran half beim Kompromiss im Atomstreit mit dem Iran. Peking verfolgt auch im Iran starke Energieinteressen. Chinesische Ölkonzerne entwickeln Öl- und Gasfelder. China hilft dem Iran bei Infrastrukturprojekten, liefert Gebrauchswaren, aber auch Rüstungsgüter. Mit der Zusammenarbeit will China dem Einfluss der USA in der Region begegnen.

Pakistan

China ist der engste Verbündete Pakistans, sein größter Handelspartner und Rüstungslieferant. Ihre Beziehungen, die auch von der Rivalität mit Indien getragen werden, gehen bis in die 60er Jahre zurück. China hilft Pakistan bei großen Infrastrukturprojekten.

Afghanistan

China spielt wirtschaftlich eine wachsende Rolle in Afghanistan, ist durch den Konflikt nicht vorbelastet und könnte Lücken nach dem Rückzug der USA und anderer Länder füllen. Es fürchtet selber Instabilität in Afghanistan, die militanten, muslimischen Uiguren helfen und sich auf die benachbarte chinesische Unruheregion Xinjiang auswirken könnte.

Die Ein-Kind-Politik war 1979 eingeführt worden. Das wachsende Riesenvolk musste ernährt und die knappen Ressourcen geschützt werden. Ohne die strikte Familienpolitik würden heute in China nach offiziellen Angaben schätzungsweise 300 Millionen Menschen mehr leben. Mit vielen Ausnahmen für Minderheiten oder Bauern betrafen die Regeln aber nach Angaben von Experten nur noch ein Drittel der Paare.

Chinas Akademie der Sozialwissenschaften hatte schon im Sommer laut Medienberichten eine Zwei-Kind-Lösung als Antwort auf die älter werdenden Gesellschaft und die geringe Geburtenfreudigkeit vorgeschlagen. Jede Chinesin bekommt demnach im Schnitt weniger als 1,6 Kinder. Für eine stabile Bevölkerungsentwicklung sei eine Quote von 2,1 nötig, hieß es weiter.

Über die Jahre war die Ein-Kind-Politik schon zunehmend gelockert worden. Wegen der traditionellen Bevorzugung von Jungen durften Bauern, die als erstes ein Mädchen bekommen hatten, noch mal versuchen, einen männlichen Stammhalter zu bekommen. Gewitzte Chinesen fanden auch Wege, die Beschränkungen zu umgehen. Wer genug Geld hat, zahlte häufig einfach die Strafen, die bei einem zweiten Kind verhängt werden. Die Höhe war je nach Region unterschiedlich.

Von

ap

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