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12.05.2012

08:33 Uhr

„Beyond Outrage“

Neues Regierungsprogramm für Obama

VonRolf Benders

Robert Reich übt mit „Beyond Outrage“ Kritik an sozialen Ungleichgewichten in den USA. Es ist ein Manifest der Unzufriedenheit der Linken Amerikas und gleichzeitig ein Regierungsprogramm geschrieben für Obama.

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New YorkMöglicherweise ist dies die Zukunft des politischen Buches: kurz, günstig und schnell elektronisch verfügbar. "Beyond Outrage" (etwa "Jenseits der Wut") des amerikanischen Ex-Arbeitsministers und Wirtschaftsprofessors Robert Reich ist eine beeindruckend kurzweilige Darstellung dessen, was die Anhänger von Präsident Barack Obama von diesem im Fall eines zweiten Wahlsiegs erwarten.

Der Autor hat dafür erstmals ganz auf den Druck seines Werks verzichtet. Das Buch gibt es nur als E-Book für kleines Geld. Diese Kombination macht es wohl so erfolgreich: Auf Amazon.com führt es seit Erscheinen vor drei Wochen die Bestsellerliste für populäre Wirtschaftsliteratur an.

"Beyond Outrage" ist ein Manifest der Unzufriedenheit der Linken Amerikas, die den Kern der Wählerschaft Obamas darstellt. Reich, der unter Bill Clinton Arbeitsminister war, versucht seit langem, sich als die intellektuelle Speerspitze der "Occupy Wall Street"-Bewegung zu etablieren. In dem Buch rechnet er mit der amerikanischen Politik der vergangenen Jahrzehnte ab, die die Reichen reicher und die Armen ärmer gemacht habe. Er rechnet vor, ganz in der Tradition der Occupy-Bewegung, dass das reichste Prozent der Amerikaner in den 1960ern neun Prozent des Volkseinkommens auf sich vereint hätte und dieser Anteil nun bei 23,5 Prozent liege.

Man spürt beim Lesen geradezu seine Erregung, und er untermauert seine These von der Ungerechtigkeit - nicht nur der Verteilung des Reichtums, sondern auch der Chancenlosigkeit der weniger Begüterten - mit einer Flut von Argumenten. Bemerkenswert ist, dass Deutschland dabei als Beispiel dafür gelobt wird, wie man die Verteilung von Reichtum in einer Gesellschaft fairer organisiert.

Kern des Buchs ist ein langer Brief, den der Leser dem Präsidenten schicken soll. In dem Schreiben, das einem Regierungsprogramm gleichkommt, soll der Leser vom Präsidenten höhere Steuern für Reiche, eine Börsensteuer, staatliche Gesundheitsfürsorge und vieles mehr fordern. Mit anderen Worten: Reich sagt Obama, wo er überall versagt hat. Und innerhalb der Stammwählerschaft der Demokraten ist er nicht der Einzige, der das so sieht.

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Die ungewöhnliche Veröffentlichungsform und den niedrigen Preis begründet Reich gegenüber dem Handelsblatt so: "Ich wollte, dass das Buch einem möglichst großen und jungen Publikum schnell und aktuell zugänglich ist." Gemessen an den Amazon-Daten, ist die Rechnung aufgegangen und könnte Schule machen.

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