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18.04.2006

12:11 Uhr

Bilanz

Greenpeace geht von 90 000 Tschernobyl-Toten aus

Nach Ansicht von Greenpeace sind bisher mehr als 90000 Menschen an den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gestorben oder werden daran sterben - und nicht 4 000, wie das Nuklearenergie-freundliche Tschernobyl-Forum annimmt. Greenpeace zufolge haben die niedrigen Zahlen fatale Folgen.

Der von einem "Sarkophag" bedeckte Unglücksreaktor von Tschernobyl. Foto: dpa

Der von einem "Sarkophag" bedeckte Unglücksreaktor von Tschernobyl. Foto: dpa

HB KIEW. Zahlen aus Weißrussland deuteten darauf hin, dass es in der Umgebung des Reaktors 270 000 Fälle von strahlenbedingten Krebserkrankungen gebe, erklärte Greenpeace. Etwa 93 000 davon seien oder dürften tödlich verlaufen.

Einem Bericht des Zentrums für unabhängige Umwelt-Bewertung (CIEA) der russischen Akademie der Wissenschaften zufolge ist außerdem im Westen Russlands eine deutlich erhöhte Sterblichkeitsrate zu beobachten. In den vergangenen 15 Jahren seien 60 000 Menschen mehr gestorben als laut den demographischen Daten zu erwarten gewesen wäre, heißt es in einer Erklärung des internationalen Büros von Greenpeace. Ursache sei die radioaktive Strahlung, die bei dem GAU ausgetreten sei. In der Ukraine und Weißrussland sei mit weiteren 140 000 Todesfällen zu rechnen.

Greenpeache übte harsche Kritik am Tschernobyl-Forum. Bislang seien lediglich 56 Todesfälle mit der Katastrophe vom 26. April 1986 in Zusammenhang zu bringen, hatte das Forum erklärt, dem unter anderem die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) angehört. „Es ist empörend, dass die IAEA die Folgen des schwersten nuklearen Unfalls in der Geschichte der Menschheit schönfärbt“, sagte Iwan Blokow vom Greenpeace-Büro in Russland. Damit würden „tausende Opfer beleidigt“. Die niedrigen IAEA-Zahlen hätten außerdem zur Folge, dass wieder mehr Menschen in den kontaminierten Regionen angesiedelt würden.

Neben Krebserkrankungen habe der Unfall bei den Menschen in der Umgebung des Unglücksreaktors weitere dramatische Gesundheitsschäden zur Folge gehabt, darunter Schädigungen des Immun- und endokrinen Systems, erklärten die Umweltschützer. Sie hätten unter anderem zu Herz-, Gefäß- und Bluterkrankungen geführt, zu Veränderungen des Erbguts und vermehrten Fehlbildungen bei Föten und Kindern. Nach Angaben des Tschernobyl-Forums dagegen gehen viele Gesundheitsprobleme der Überlebenden auf einen ungesunden Lebensstil und ein Gefühl der Ohnmacht und des Opfer-Seins zurück.

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