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05.08.2014

16:23 Uhr

Bilanz in der Feuerpause

Gaza-Krieg hat keinen Gewinner

Kann es im Krieg Sieger geben? Angesichts der Opferzahlen scheinen die Israelis im Nahostkonflikt die Oberhand zu haben. Doch ein Monat des Krieges hat nicht nur Verwüstungen in Palästinensersiedlungen in Gaza gebracht.

Einer winziger Hoffnungsschimmer inmitten zerstörter Gebäude im Gazastreifen: Das Minarett der palästinensischen Al-Azba Moschee in Beit Lahiya hat die Angriffe des israelischen Militärs beschädigt überstanden. ap

Einer winziger Hoffnungsschimmer inmitten zerstörter Gebäude im Gazastreifen: Das Minarett der palästinensischen Al-Azba Moschee in Beit Lahiya hat die Angriffe des israelischen Militärs beschädigt überstanden.

Gaza/ Tel AvivWenige Minuten vor Beginn der Waffenruhe feuerten militante Palästinenser noch eine letzte Salve von rund 20 Raketen auf Israel ab. Die Botschaft ist eindeutig: Die militanten Palästinensergruppen wollten den abgezogenen israelischen Bodentruppen am Dienstag noch einmal „nachtreten“.

Auch die prompte Reaktion Israels mit Luftschlägen zeigt: Dieses tödliche Spiel ist noch nicht zu Ende. Selbst wenn die dreitägige Waffenruhe halten sollte, beginnt jetzt möglicherweise schon der Countdown zur nächsten Runde der Gewalt.

„Es ist nicht angenehm, dies zu sagen, aber diese Runde ist unentschieden zu Ende gegangen“, sagte ein Kommentator des israelischen Fernsehens zur Bilanz des einmonatigen Kriegs im Gazastreifen. Andere israelische Experten sehen in der Zustimmung der Hamas zu dem ägyptischen Waffenruhe-Vorschlag hingegen das Einknicken einer erheblich geschwächten Organisation.

Israelische Bodeneinsätze im Gazastreifen

Juni 2006

Die Armee startet eine Bodenoffensive zur Befreiung des kurz zuvor entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit. Die Aktion trägt den Namen „Sommerregen“: Truppen dringen in den südlichen Gazastreifen ein, bombardieren unter anderem Brücken und ein Elektrizitätswerk. Die Lage im Nahen Osten insgesamt verschärft sich in der Folgezeit. Im Juli kommt es zum Libanon-Krieg. Schalit ist erst im Oktober 2011 wieder frei - im Gegenzug werden mehrere hundert palästinensische Gefangene ausgetauscht.

November 2006

Das Militär geht mit Luftangriffen und Bodentruppen gegen militante Gruppen vor, die Israel mit Raketen beschießen. Zu schweren Auseinandersetzungen kommt es vor allem in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ruft den UN-Sicherheitsrat zum sofortigen Eingreifen auf. Bis zum Ende der sechstägigen Operation werden nach Angaben der israelischen Streitkräfte 60 radikale Palästinenser getötet.

Januar 2009

Nach Luftangriffen auf Hamas-Einrichtungen vom Dezember beginnt Israel die Bodenoffensive. Ziel der Operation „Gegossenes Blei“ ist es, den Raketenbeschuss von Grenzorten aus dem Gazastreifen zu unterbinden. Vom 27. Dezember bis zum 3. Januar schlagen mehr als 450 Raketen auf israelischem Boden ein. Am 18. Januar tritt eine temporäre Waffenruhe in Kraft. Bis dahin sterben palästinensischen Quellen zufolge mindestens 1310 Palästinenser. Israel meldet zehn getötete Soldaten und drei getötete Zivilisten.

Die im Gazastreifen herrschende Hamas hat zweifellos herbe Verluste eingesteckt, aber sie bleibt erst einmal an der Macht. Israels Armee hat 32 ihrer Tunnel im Grenzgebiet zerstört, die Anschlägen dienen sollten. Rund 100 Millionen Dollar hat die Hamas nach israelischen Militärangaben in dieses „Prestigeprojekt“ investiert. Doch mit rund 3000 Raketen verfügen die militanten Palästinenser auch jetzt noch über etwa ein Drittel ihres ursprünglichen Arsenals. Die potenzielle Bedrohung israelischer Ortschaften bleibt damit bestehen.

Hauptverlierer des bisher längsten und verlustreichsten Gaza-Kriegs ist die leidende Zivilbevölkerung. Mehr als 1860 Tote und rund 10 000 Verletzte sind das Resultat massiver Angriffe Israels aus der Luft, vom Boden und von See aus. Nach Informationen der israelischen Armee sind rund 900, also etwa die Hälfte, militante Kämpfer; die Vereinten Nationen gehen hingegen von 80 Prozent zivilen Opfern aus.

Der palästinensische Politikwissenschaftler Naschat Aktasch sagte am Dienstag, für die militanten Organisationen sei der Krieg „ein Kampf um Leben und Tod“ gewesen. Er sieht nun einen „großen Auftrieb für die Hamas“. Vor dem Krieg sei die Organisation noch als sehr geschwächt angesehen worden. „Jetzt ist Hamas in jedem Heim beliebt. Jeder unterstützt jetzt den Widerstand.“

Kommentare (1)

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Herr peter Spirat

05.08.2014, 16:48 Uhr


Schreckliche Bilanz nach 24 Tagen Luftangriffen und Raketenbeschuss:

Fast 1400 tote Palästinenser im Gazastreifen,
auf israelischer Seite kamen 56 Soldaten und 3 Zivilisten ums Leben.

Muss ja schrecklich gewesen sein, dass 3 Israelis durch die Hamas-Rakten getötet wurden.

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