Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.06.2016

09:50 Uhr

Bilderberg-Konferenz in Dresden

Die elitären Geheimnistuer

VonHans-Peter Siebenhaar

Die „Weltregierung“ trifft sich in Dresden: Die Bilderberg-Konferenz lädt die Mächtigen aus Wirtschaft und Politik zum Treffen hinter verschlossenen Türen. Unter den Teilnehmern gibt es schon so etwas wie Stammgäste.

An der Semperoper treffen sich die Bilderberger. AP

Dresden wird zum Nabel der Welt

An der Semperoper treffen sich die Bilderberger.

DresdenWenn die von Legenden umrankte Bilderberg-Konferenz einlädt, sind Verschwörungstheoretiker nicht weit. Kritiker sprechen von einer intransparenten Weltregierung, die nicht demokratisch legitimiert sei. Auch die diesjährige Bilderberg-Konferenz in Dresden zieht Gegner von links und rechts an. Teilnehmer haben für die Proteste allerdings wenig Verständnis. „Die Verschwörungstheorien sind ein absoluter Unsinn. Es handelt sich um einen offenen Meinungsaustausch“, sagte ein früherer Regierungschef dem Handelsblatt, der mehrmals am Bilderberg-Treffen teilnahm. „Wenn man den vertraulichen Charakter der Konferenz abschafft, dann wird in erster Linie nur zum Fenster hinaus geredet werden.“

Am Donnerstag ist es wieder so weit, die Bilderberg-Konferenz trifft sich diesmal in der sächsischen Landeshauptstadt im noblen Taschenbergpalais. Die deutsche Bundesregierung ist bei diesem Treffen von 130 Mächtigen gleich mit drei Bundesministern dabei. Finanzminister Wolfgang Schäuble, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Innenminister Thomas de Maizière. Alle drei sind CDU-Politiker. Von der Leyen ist auf der Bilderberg-Konferenz fast schon ein Stammgast. Die Niedersächsin war auch schon im vergangenen Jahr in Österreich dabei. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) nimmt an der Bilderberg-Konferenz als Pflichttermin statt. Er wird aber nur bei einem Abendessen zugegen sein.

Der Protest gegen die Konferenz von Donnerstag bis Sonntag in Dresden wird voraussichtlich massiver als im vergangenen Jahr in Tirol ausfallen. Die Gegner reichen von der ausländerfeindlichen Pegida und der Alternative für Deutschland (AfD) über die rechtsextremistische NPD bis hin zu linken Gruppen.

Themen der Bilderberg-Konferenz sind in diesem Jahr die Flüchtlingskrise, die Präsidentschaftswahlen in den USA, Energie- und Rohstoffpreise, Internetsicherheit, das Prekariat sowie Länder wie China, Russland und der Nahe Osten. Unter den Teilnehmern sind unter anderen Siemens-Chef Joe Kaeser, Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner und der Vorstandsvorsitzende John Cryan, Springer-CEO Matthias Döpfner, Gruner-Chefin Julia Jäkel, Deutsche-Börse-CEO Carsten Kengeter, Airbus-Chef Thomas Enders und BDI-Präsident Ulrich Grillo. „Ich fand die Bilderberg-Treffen immer gewinnbringend. Dort habe ich noch nie meine Zeit verplempert“, sagte ein Teilnehmer. Selbst der frühere Außenminister Henry Kissinger macht sich auf dem Weg nach Dresden.

Die Bilderberg-Konferenzen – Sieben Dinge, die man wissen muss

Sieben Antworten

Kritiker wittern einen Geheimbund und fordern mehr Transparenz. Was steckt hinter den sogenannten Bilderberg-Konferenzen? Sieben Antworten. (Quelle: dpa)

Hinter verschlossenen Türen

Einflussreiche Menschen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medienwelt treffen sich einmal jährlich drei Tage lang zu geheimen Beratungen hinter verschlossenen Türen. Die Öffentlichkeit bleibt außen vor.

Transatlantische Beziehungen

Die Konferenzen sollen die transatlantischen Beziehungen stärken. Zwei Drittel der 120 bis 150 Teilnehmer kommen aus Europa, der Rest aus Nordamerika.

Freier Meinungsaustausch

Es gibt keine Beschlüsse oder Resolutionen, keine detaillierte Tagesordnung. Verschwiegenheit soll den freien Meinungsaustausch ermöglichen.

Seit 1954

Die erste Bilderberg-Konferenz fand 1954 im gleichnamigen Hotel in Oosterbeek bei Arnheim in den Niederlanden statt. Seitdem treffen sich die Teilnehmer an unterschiedlichen Orten.

Im Fokus der Diskussion

Nach Angaben der Veranstalter stehen Themen wie internationale Sicherheit, Arbeitsmarktpolitik, Finanz- und Handelsfragen oder der Umweltschutz im Fokus der Diskussion.

Experten und Entscheider

Im vorigen Jahr trafen Experten und Entscheider aus 22 Ländern im österreichischen Telfs zusammen. Zu den Gästen gehörten der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger, Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Die deutschen Gäste

Einladungen haben in diesem Jahr unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und mehrere Mitglieder des Bundeskabinetts erhalten – mit von der Leyen, Wolfgang Schäuble (CDU) und Thomas de Maizière (CDU) sind drei Bundesminister dabei.

Im vergangenen Jahr traf sich die erlesene Runde im Interalpen-Hotel Tyrol in der Nähe von Seefeld, unmittelbar nach dem G7-Treffen im oberbayerischen Schloss Elmau, um über die großen Themen dieser Welt zu diskutieren. Organisiert wird das geheime Treffen seit Jahren von einem Lenkungsausschuss unter Führung von Henri de Castries, Vorstandschef des französischen Versicherungskonzerns Axa.

Kommentare (64)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Walter Gerhartz

09.06.2016, 10:08 Uhr

Man kann denken was man will, aber es gibt einfach zu viele hinweise, dass dies wirklich eine Art Weltregierung ist !!

Herr Walter Gerhartz

09.06.2016, 10:11 Uhr

Erstaunlich dabei ist doch, dass eine „nichtstaaliches Treffen von angeblichen Privatpersonen“ ausgerechnet von staatlichen Stellen geschützt und die Kosten von staatlichen Kassen bezahlt werden, wie es bisher schon mehrfach war. Der Selbstdedienungsladen BRiD hat geöffnet!

Herr Walter Gerhartz

09.06.2016, 10:12 Uhr

„Ein Elitenforum also, das Gäste aussperrt und nicht verrät, über was man exakt gesprochen hat.“
Das ist doch exakt Merkels Demokratieverständnis.
-
Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages sind dabei die Gäste, die unwissend gehalten und von den wesentlichen Entscheidungen ausgeschlossen werden.
-
Gut, im Grundgesetz steht, dass sie Vertreter des GANZEN Volkes sind, aber was interessiert siech Merkel für das Grundgesetz!
-
Die sollte sich bei diesem Treffen saupudelwohl fühlen, und wahrscheinlich auch genauso aussehen (schweinerosa Dreiknopf-Kittel zum Beispiel).

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×