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09.06.2016

09:44 Uhr

Bilderberg-Vorsitzender Castries

„Da steckt ein wenig Einbildung in dem Mythos“

Wieder treffen sich die Mächtige der Welt, um streng abgeschirmt bei der Bilderberg-Konferenz über dies und jenes zu beraten. Immer dabei: Die Angst vor der geheimen Weltregierung. Der Vorsitzende verteidigt die Konferenz.

Warum richten alle ihre Blicke auf die Bilderberg-Konferenz, wenn es täglich Tausende Treffen gibt, deren Inhalt nicht öffentlich ist, so Axa-Chef Henri de Castries. Reuters

Konferenz-Vorsitz

Warum richten alle ihre Blicke auf die Bilderberg-Konferenz, wenn es täglich Tausende Treffen gibt, deren Inhalt nicht öffentlich ist, so Axa-Chef Henri de Castries.

ParisMythen und Legenden ranken sich um die Bilderberg-Konferenz: Jedes Jahr versammelt sich hohe Politiker, Wirtschaftsbosse, Akademiker und ein paar Journalisten im geheimen hinter verschlossenen Türen. Bei den Treffen in wechselnder Besetzung gilt die „Chatham House Rule“: Die Teilnehmer dürfen die besprochenen Informationen verwenden, aber die Redner nicht namentlich zitieren. Diesmal tagt die Runde von Donnerstag an in Dresden. Kritiker sprechen von einem „elitären Zirkel“, der demokratischen Grundprinzipien entgegenstehe. Einige sprechen sogar von einer geheimen Weltregierung. Der Vorsitzende des Lenkungsausschusses der Konferenz, Axa-Chef Henri de Castries, hält im Interview in Paris dagegen.

Die Geheimhaltung um das Treffen gibt Anlass zu viel Argwohn und Kritik. Warum sprechen Sie hinter verschlossenen Türen?
Wenn ich die Frage umdrehen darf: Warum konzentriert man sich so auf die Geheimhaltung von Bilderberg, wenn es jeden Tag zehntausende Treffen gibt, deren Inhalt nicht öffentlich ist? Was wäre die Rechtfertigung? Es ist kein Parlament, keine operative Organisation. Es ist eine informelle Gruppe, die über verschiedene Themen spricht und die Diskussion hinter verschlossenen Türen führt, um die Gespräche zu erleichtern. Warum sollten diese Menschen nicht das gleiche Recht auf Privatsphäre haben wie jeder normale Bürger?

Sie haben sehr viel mehr Einfluss als normale Bürger.
Ich würde dieses Urteil voll und ganz verstehen, wenn bei Bilderberg Entscheidungen getroffen würden, die sich auf öffentliche Systeme auswirken. Es ist aber ausschließlich ein informeller Kreis, in dem Diskussionen zu breiten Themen geführt werden und Menschen Meinungen austauschen.

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Die Weltwirtschaft schwächelt und es gibt reichlich Risiken und Gründe für weitere Dämpfer. Grund genug für die Top-Wirtschaftsorganisationen, beim Treffen im Kanzleramt Reformen und entschlossenes Handeln anzumahnen.

Kritiker argumentieren, dass Bilderberg einen Raum schafft, in dem ohne Kontrolle bestimmte Agenden vorangetrieben werden können.
Erstens: Was wissen sie denn darüber? Und zweitens ist es völlig klar, dass dort keine Entscheidungen getroffen werden. Kompetente Menschen stellen ihre Meinungen vor, andere fragen nach, man stellt sich manchmal gegenseitig infrage, sodass die Teilnehmer ihre eigene Meinung bilden können – was ist schlimm daran? Damit Sie echte Diskussionen bekommen und manche Leute wirklich offen sprechen können, brauchen Sie Regeln wie die Chatham House Rule.

Wie laufen die Gespräche konkret?
Es ist ein großer Konferenzraum, die Gäste sitzen in alphabetischer Reihenfolge. In einem Jahr ist A vorne, im nächsten Jahr ein anderer Buchstabe. Das Format ist sehr klassisch: Es gibt ein Podium, ein Moderator stellt das Thema vor, dann können ein, zwei, manchmal drei Diskussionsteilnehmer ihre Sichtweisen vorstellen. Und dann gibt es eine offene Diskussion mit dem Saal.

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