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08.10.2013

13:51 Uhr

Bildungsstudie

Schlaue Japaner hängen Deutsche ab

VonStefan Kaufmann, Thomas Hanke

Die Pisa-Schultests haben Deutschland einst aufgeschreckt, jetzt zeigt eine OECD-Studie: Auch bei den Erwachsenen sind die Deutschen nur Mittelmaß. Experten sind alarmiert – zumal sich bessere Bildung bezahlt macht.

Der Piaac-Test wurde es nicht ganz so kompliziert – mathematische Aufgaben zählten aber auch dazu. dpa

Der Piaac-Test wurde es nicht ganz so kompliziert – mathematische Aufgaben zählten aber auch dazu.

DüsseldorfHerzlichen Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich in diesen Artikel geklickt. Und damit eine Fähigkeit nachgewiesen, die nicht selbstverständlich ist. In Deutschland hat mehr als jeder zehnte Erwachsene keinerlei Erfahrung im Umgang mit Computern und scheitert an grundlegenden Anforderungen – beispielsweise am Bedienen einer Maus.

Wobei nicht nur der Umgang mit dem Computer vielen Deutschen Rätsel aufgibt. Auch ihre Kompetenzen in anderen Schlüsselqualifikationen sind im internationalen Vergleich nur mittelmäßig. Dies gilt sowohl für das Lesen und Verstehen von Texten wie auch für einfache Grundrechenarten, zum Beispiel Prozentrechnen und Dreisatzaufgaben. Zu diesem Ergebnis kommt der „Skills Outlook 2013“, eine von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) an diesem Dienstag veröffentlichte Untersuchung.

Überprüft wurden bei diesem ersten „Pisa-Test für Erwachsene“, der tatsächlich Piaac-Test heißt, das Wissen der 16- bis 65-Jährigen in 24 Industrienationen. Piaac steht für „Programme for the International Assessment of Adult Competencies“. Während die Deutschen nur durchschnittlich abschneiden, erreichen die Erwachsenen in Japan und Finnland im Lesen und Rechnen Spitzenwerte. Im Schnitt haben Japaner und Finnen gegenüber Gleichaltrigen in Deutschland einen Kompetenzvorsprung, der einer Lernleistung von vier bis fünf Schuljahren entspricht, heißt es in der Studie. Getestet wurden rund 166.000 repräsentativ ausgewählte Menschen, aus Deutschland nahmen 5465 Personen teil.

Die Ergebnisse bei der Lese-Kompetenz

Spitzenplätze

Japan schneidet in der PIAAC-Studie am besten ab. Das Land in Fernost kommt bei der Lesekompetenz auf 294 Punkte, wobei sieben Punkte auf der Kompetenzskala etwa einem Schuljahr entsprechen. Auf dem zweiten Rang folgt ein weiterer der „üblichen Verdächtigen“: Finnland. Die Finnen erreichen im Schnitt 288 Punkte.

Verfolger

Mit bereits etwas Abstand im Kapitel Lesen folgen die Niederlande (280 Punkte) und Schweden mit 279 Zählern. Auffallend an so gut platzierten Ländern ist, dass der Unterschied zwischen höheren und niedrigen Bildungsniveaus deutlich geringer ist als in anderen Ländern, etwa den USA.

Oberes Mittelfeld

Es folgt ein dicht bepacktes Mittelfeld, das noch über dem Durchschnitt von 270 Punkten liegt. Im Einzelnen sind das Australien (277 Zähler), Estland mit 275 Punkten, Norwegen (274 Punkte), Slowakei und Tschechien (jeweils 273 Punkte), sowie Korea und Kanada, die auf jeweils 272 Punkte kommen. Die Unterschiede zwischen diesen Ländern sind so gering, dass sie sich laut den OECD-Wissenschaftlern gut miteinander vergleichen lassen.

Durchschnitt

Dänemark und die Länder des Vereinigten Königreichs dürfen laut der OECD-Studie als besonders durchschnittlich gelten. Sie treffen genau den Mittelwert von 270 Punkten.

Unteres Mittelfeld

Deutschland liegt mit 267 Zählern drei Punkte unter dem Durchschnitt. Auf diesen Wert kommt auch unser Nachbarland Polen. Dicht gefolgt werden wir von Österreich und Irland, die jeweils auf 266 Punkte kommen.

Die Vereinigten Staaten liegen mit 262 Punkten schon ein ganzes Stück unter dem Durchschnitt. Grund dafür ist laut den Forschern der Abstand zwischen dem höheren und niedrigeren Bildungsniveau, der rund ein Drittel größer ist als etwa in Finnland. Die Grand Nation schneidet noch einen Zähler schlechter ab, die Franzosen kommen auf 261 Punkte.

Schlusslichter

Bei den beiden Euro-Sorgenkindern Spanien und Italien wird offenbar auch an der Bildung gespart. Mit 251 Punkten (Spanien) und 249 Punkten (Italien) müssen sie sich deutlich hinter den anderen europäischen Industrienationen anstellen. Deutlich abgeschlagen auf dem letzten Rang liegt ein weiteres Euro-Sorgenkind, Zypern. Legt man den Schlüssel „Sieben Punkte entsprechen einem Schuljahr“ zugrunde, sind die Zyprer mit 236 Punkten rund zwei Jahre weniger zur Schule gegangen als Spanier oder Italiener.

Es ist die erste Befragung ihrer Art. Bislang konnten lediglich die formalen Bildungsabschlüsse verglichen werden. Überprüft wurden drei Themenfelder: Lesekompetenz, alltagsmathematische Kompetenz und die technologiebasierte Problemlösekompetenz. Für Deutschland ergibt sich ein sehr kontrastreiches Bild: Bei der Lesefähigkeit liegen die Erwachsenen unter dem Durchschnitt der OECD und der EU, beim Rechnen knapp darüber und bei der technikgestützten Problemlösung deutlich darüber. Während Japan und Finnland die Spitzenplätze belegen, sind die Resultate für Italien und Spanien niederschmetternd. In Teilen gilt das auch für Frankreich und die USA.

Recht gibt die Studie den Bildungsexperten und Politikern, die beklagen, dass der Bildungserfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängig ist. „In kaum einem anderen Land hängt die Lesekompetenz so sehr vom Bildungsstand der Eltern ab wie hierzulande“, lautet ein Ergebnis der Untersuchung.

Testpersonen, deren Eltern weder Abitur noch Berufsausbildung haben, erzielten in Sachen Textverständnis im Schnitt 54 Punkte weniger als jene, bei denen mindesten ein Elternteil einen Hochschulabschluss oder einen Meisterbrief hatte. Sieben Punkte entsprechen auf der Leistungsskala dem Lernvolumen eines Schuljahrs. Dagegen beweise Japan, so die Autoren, dass hohes Kompetenzniveau und eine hohe Chancengerechtigkeit nicht per se widersprüchlich sind.

„Das mittelmäßige Abschneiden Deutschlands darf uns nicht kalt lassen. Denn die neuen Ergebnisse belegen, wie zentral sowohl grundlegende Kompetenzen als auch Bildungsabschlüsse für den Erfolg am Arbeitsmarkt sind“, sagt der ifo-Bildungsökonom Ludger Wößmann zu den Studien-Ergebnissen. Die OECD teilt die Befragten in fünf Kompetenzstufen – wer nur eine Stufe besser abschneidet, verdient im Schnitt zehn Prozent mehr. Außerdem gehe jedes zusätzliche Bildungsjahr mit bis zu zehn Prozent höherem Einkommen einher. „Gerade in Deutschland werden bessere Bildungsleistungen am Arbeitsmarkt entlohnt“, ergänzt ifo-Forscher Simon Wiederhold.

Kommentare (34)

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08.10.2013, 13:58 Uhr

Alle Jahre wieder...erzählt man uns wie doof wirsind und wie schlau alle anderen - ich frage mich nur, wo unser Erfolg herkommt :)
Auch nicht lange her, da hat man uns erzählt wir hätten zuwenig Hochschulabsolventen- jetzt kopieren die Schlauen von einst unser duales Ausbildungssystem !
Ich bleib dann mal doof :)

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08.10.2013, 14:04 Uhr

Für den Erfolg sind nur wenige zuständig. Die meisten sind Trittbrettfahrer.
Und klar: Die Deutschen sind verblödet. Da hilft auch nicht Ihre Attitüde: "Wir sind wieder wer." Oder noch besser: "Wir sind so toll, uns kann keiner."

Account gelöscht!

08.10.2013, 14:19 Uhr

Was für ein Erfolg? Daß wir die Titanic gebaut und wir alle drauf Platz gefunden haben haben!?

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