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15.01.2010

18:24 Uhr

Bill Clinton

Der gute Mensch von Washington

VonMarkus Ziener

Bill Clinton ist Haitis wichtigster Helfer: Als Uno-Sonderbeauftragter organisiert der ehemalige US-Präsident die Katastrophenhilfe für die von Erdbeben zerstörte Karibikinsel. Für Clinton ist diese Aufgabe die Chance, wieder ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit zu rücken.

Bill Clinton hilft den Erdbebenopfern von Haiti. Reuters

Bill Clinton hilft den Erdbebenopfern von Haiti.

WASHINGTON. Vor ihrer Ernennung zur Außenministerin der USA musste sich Hillary Clinton des Vorwurfs erwehren, ihre Aufgaben könnten mit jenen ihres Mannes in Konflikt geraten. Doch nun, im Falle der Erdbebenkatastrophe auf Haiti, scheinen sich die Interessen der Clintons regelrecht zu ergänzen. Hillary brach ihre Asienreise ab, um aus Washington die Hilfe für die Karibikinsel persönlich zu koordinieren. Und Bill setzt alle Hebel in Bewegung, um über seine Stiftung Geld für die Erdbebenopfer zu mobilisieren.

Bill Clinton tut dies nicht nur als einflussreicher Philanthrop. Der 63-Jährige organisiert die Katastrophenhilfe auch in seiner Eigenschaft als Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Haiti. Mehrfach bereits hat er seit seiner Ernennung im Mai 2008 das Land besucht. Gut kennt er die Mission der Uno, die bei dem Beben zerstört wurde. Schon jetzt steht fest, dass sich unter den Opfern auch der Chef der Uno-Vertretung, Hedi Annabi, befindet. In einem Interview sagte Clinton: „Es kann gut sein, dass die Vereinten Nationen auf Haiti die höchste Opferzahl haben werden, die es jemals gab.“

Dass der Name von Bill Clinton auf Haiti einen besonders guten Ruf hat, hängt mit den politischen Entwicklungen während der Amtszeit des Ex-Präsidenten zusammen. Auf Druck der USA wurde 1994 die Diktatur beendet, ein Jahr später besuchte Präsident Clinton die Hauptstadt Port-au-Prince. Zuletzt war Clinton im Sommer 2009 auf Haiti – auch damals ging es um Katastrophenhilfe. Tropische Stürme hatten die Insel verwüstet, rund 800 Menschen verloren ihr Leben, der Schaden bezifferte sich auf rund eine Mrd. Dollar. Clinton versprach Hilfe und organisierte Spenden.

Tatsächlich kann die Clinton-Stiftung auf ein Netzwerk milliardenschwerer und prominenter Unterstützer zurückgreifen. Die Geldgeber reichen von Microsoft-Gründer Bill Gates über den Stahlmogul Lakshmi Mittal bis zu Formel-1-Rennfahrer Michael Schumacher. Gleichzeitig kann Clinton aber auch viele Kleinspender an Bord holen. So gelang es ihm, nach dem Hurrikan Katrina in New Orleans 2005 insgesamt über 150 Mio. Dollar einzusammeln. Seit Mittwoch ist Clinton in zahlreichen Fernsehauftritten und mit einem Namensbeitrag in der „Washington Post“ wieder als Werber für Spenden unterwegs.

Die Stiftung, die Clinton nach seinem Abschied aus dem Weißen Haus im Januar 2001 gründete, hat sich über die Jahre zu einer größeren Operation ausgeweitet. So hilft sie, die Verbreitung von Aids einzudämmen, es gibt eine eigene Universität, über die Clinton Global Initiative werden zahlreiche Projekte angeschoben, die mit Gesundheit, Armutsbekämpfung und Energiefragen zu tun haben. So hat sich seine Klimainitiative zum Ziel gesetzt, durch Einsparmaßnahmen den CO2-Ausstoß in großen Städten zu reduzieren.

Für Bill Clinton bedeutet die Stiftung jedoch mehr, als sich nur als Gutmensch zu betätigen. Der frühere Präsident hatte nach dem Ausscheiden aus dem Amt stets nach einer neuen Aufgabe gesucht, die ihn wieder ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit führt. Als unermüdlicher Wahlkampfhelfer für seine Frau 2008 wäre es ihm fast gelungen, als erster Ex-Präsident diesmal als Gatte der Präsidentin wieder ins Weiße Haus einzuziehen. Dafür lässt er sich jetzt gerne von Obama für Sonderprojekte einspannen – wie etwa 2009, als er die Freilassung amerikanischer Umweltjournalisten aus Nordkorea aushandelte.

Kommentare (1)

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HIRAM7 REVIEW

20.01.2010, 01:24 Uhr

http://hiram7.wordpress.com/2010/01/19/bill-clintons-report-from-haiti/

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